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API – Fredenstein – Millennia – Neve

16. November 2015 - Sound, Studio
API – Fredenstein – Millennia – Neve

And the winner is…

Aber alles der Reihe nach.

Der Neve 1073LB Pre-Amplifier war Auslöser für diesen Vergleich und somit mein – alles andere als heimlicher – Favorit. Netterweise wurden mir aber von Flyline zwei weitere PreAmps zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Der Fredenstein F609, ein Röhrenvorverstärker, und der Millennia HV-35. Gemeinsam mit dem vorhandenen API 512c standen somit vier verschiedene PreAmps zur Verfügung.

Die Sinnhaftigkeit der Verwendung von Pre-Amplifier zum Zwecke der Aufzeichnung von Synthesizern wird von einigen Kollegen durchaus kritisch gesehen. Nicht nur von so manchen im Expertinnenforum, sondern auch von Leuten die Ahnung haben. Diese Zweifel haben selbstredend ihre Berechtigung. Ausser Frage sollte aber stehen, dass es PreAmps gibt, deren Klangcharakter unter die Rubrik „färbend“ fällt. Und damit schleicht sich über die Hintertür ein Widerspruch ein. Ungeachtet der individuellen Einstellung, sollte man sich aber im Klaren sein von welcher möglichen Art der klanglichen Veränderungen wir hier sprechen.

API, Fredenstein, Neve und Millennia

Lunchbox – die drei Kandidaten im Vergleich zum API PreAmp

Persönlich sehe ich aber eine weitere Anwendungsmöglichkeit, die sich am besten mit dem Begriff „high end channel“ beschreiben lässt. Gemeint ist damit ein Stereokanal, der aus hochwertigen Komponenten besteht und das Signal in bestmöglicher Qualität an den A/D Wandler liefert. Beginnend beim PreAmp, über Equalizer und Kompressor bis hin zu den A/D Wandlern, werden hochqualitative Einzelkomponenten eingesetzt. Das Thema Kabel klammere ich hier einmal ganz bewusst aus. Sollte übrigens z.B. der PreAmp aus der Rubrik „färbend“ stammen, ist klar, dass diese Färbung für alle damit aufgenommen Signale gilt. Etwas, das wohl nicht immer gewünscht sein wird.

Welche Möglichkeiten bieten sich um Synthesizersignale z.B. in eine Digital Audio Workstation (DAW) aufzunehmen? Die wohl am weitest verbreitete Methode ist die Ausgänge des Synthesizers direkt mit den Eingängen des Wandlers zu verbinden und danach „Rec“ zu drücken. Vermutlich tausendfach in Home- und Projekt-Studios, und wahrscheinlich nicht nur dort, erfolgreich praktiziert. Bietet der Wandler einen eigenen Amplifier so kann das Problem eines zu geringen Pegels gleich in einem Aufwaschen erledigt werden.  Die Qualität des Wandlers, nebst natürlich der Qualität des Ausgangssignals, wird vor allem in diesem Fall an erster Stelle stehen.

AMS Neve 1073 LB

AMS Neve 1073 LB

Variante 2 ist, das Signal in eine DI-Box oder einen PreAmp zu schicken und von dort nicht nur verstärkt, sondern vor allem symmetriert an den Wandler weiter zu reichen. Die Symmetrierung kann auch im kleinen Studio etwas bringen, vielleicht wenig, wenn man ein ungeschirmtes 10m Kabel zusammengerollt über Netzkabel und allerlei andere Kabeln in eine DI Box führt und von dort in den Wandler geht. Die Kabellängen umgekehrt, also den Weg vom Instrument zur DI Box kurz zu halten und den langen Weg mittels symmetrischer Leitung durchzuführen, wird vermutlich eher zum Erfolg führen.

Bliebe noch die dritte Methode. Der Synthesizer wird direkt mit z.B. einem Gitarrenverstärker verbunden und das Signal des Lautsprechers mit einem (oder mehreren) Mikrofon(en) abgenommen. Das Ergebnis muss dann nicht zwingend wie z.B. der Solosound von Georgie Reds „If I say stop then stop“ klingen. Darf es aber.

Wer ein kleines Homestudio sein Eigen nennt und Nachbarn hat, wird dieser Methode vermutlich seltener den Vorzug geben. Zudem sollte man etwas Ahnung von Mikrofonierung haben.

Millennia HV-35

Millennia HV-35

Nun zurück zu den PreAmps und meinen Eindrücken. In der Tat war es so, dass die Unterschiede zwischen den vier Kandidaten unter meinen Erwartungen geblieben sind. Dem Neve brachte ich volles Wohlwollen entgegen, was dem Fredenstein leider nicht gelang. Der Umstand, dass sich das Pad nur auf das Mikrofonsignal schalten lässt, halte ich für semioptimal. Schade, denn sein Klang war nun wirklich alles andere als schlecht. Und dann war da noch der Millennia, der mich vor Jahren, gemeinsam mit einem U87,  alles andere als euphorisiert zurück liess. Da er aber nun einmal da war und ich mich andernfalls fragen hätte müssen warum ich ihn dann überhaupt mitgenommen habe, habe ich das gute Stück ausgepackt und in die Lunchbox gesteckt.

Nebst der nicht eben besten Erinnerung an den Millennia PreAmp kam noch erschwerend hinzu, dass mir bei der Durchsicht der Fotos auffiel, dass der weisse Schriftzug zerronnen war. Eine Äußerlichkeit. Eine Schlamperei. Bedeutungslos oder „ein Luxusproblem“. Nun, all das mag richtig oder falsch sein, Faktum ist, ich habe mich in jeder Hinsicht gegen den Millennia gesträubt. Hinzu kam, dass ich bei meinen Recherchen gelesen hatte, dass Sting diesen PreAmp häufig einsetzt. Seine Musik zu „The Police“ Zeiten und seine ersten Platten, alles superfein… aber was ich in den letzten Jahren von ihm gehört habe, hat mir einfach nicht (mehr) gefallen. Langer Rede kurzer Sinn, den Millennia wollte ich nicht.

Alle „wichtigen“ Parameter waren thumbs down. Und dann kam die Aufnahme. Ein schneller Blick runter zur Lunchbox um zu kontrollieren, ob das Kabel wirklich im Millennia steckte und nicht etwa in einem der anderen oder gar im Neve. Nein, es war nicht der Neve, oder sonst ein andere Kandidat, das Signal ging direkt in den Millennia. Dann habe ich die Tatsache, dass er mir sehr gut gefiel auf den Umstand zurückgeführt, dass die Aufnahme mit frischen Ohren durchgeführt wurde. Die spätere „Blindverkostung“ der verschiedenen Audiofiles hat dann bestätigt, was ich zuvor für unmöglich gehalten hatte. Wie mehrfach erwähnt, die Unterschiede sind etwas hinter meinen Erwartungen geblieben, allerdings waren sie doch da und für mich gab es einen klaren Sieger – den Millenia HV-35. Trotz des zerronnenen Schriftzugs, trotz der letzten Veröffentlichungen von Sting. Der Millenia HV-35 liefert einen schön definierten Bass und bietet einen angenehm offenen Klang. Tja, so kann es kommen.

Wer es gerne professionell hat, dem seien z.B. die Testberichte von Hannes Bieger auf soundonsound bzw bonedo empfohlen. Und wer ein paar Audiobeispiele hören will, dem sei folgender Link empfohlen – PreAmps & DI.

 

 

 

One thought on “API – Fredenstein – Millennia – Neve

stimming

zu erwähnen wäre noch dass man dafür den mic-in benutzt, mit (zusätzlich) vorgeschaltetem pad (zb als xlr stecker, insg. -40db). der DI eingang passt vom widerstand nicht zu nem line-signal, hat mir arne von digitalaudioservice erklärt und mein ohr sagt mir das stimmt.
ich verwende den api 512c und den electrodyne 501 häufig zum aufnehmen von line-signalen, ist n bisschen salz in der suppe bzw beim electrodyne wegen seines tollen saturationsverhaltens eher schon glutamat.

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