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Clavia Nord Rack 2 – Ein erfolgreicher Simulant?

17. Mai 2014 - Erfahrungsbericht, Taste
Clavia Nord Rack 2 – Ein erfolgreicher Simulant?

Wer kennt es nicht, das leidige Platzproblem im eigenen Studio. Mit den Jahren wächst oftmals nicht nur die Zahl der Instrumente, sondern damit einhergehend auch die der zu lagernden Originalverpackungen. Um letztere entsprechend zu verstauen, habe ich einen Stauraum organisiert, der in regelmäßigen Abständen nach einer Sortierung verlangt. Meine Freude an dieser Arbeit ist im besten Falle als „überschaubar“ zu bezeichnen, was allerdings leider nichts an der Notwendigkeit selbiger ändert. Und so war es dann wieder einmal soweit. Dieses Mal wandelte sich jedoch die rudimentäre Freude in dem Moment, als ich nach dem Öffnen eines Kartons unvermutet ein rotes, in Schutzfolie gehülltes, Etwas in Händen hielt. Meine Stirn glich in diesem Moment vermutlich dem Profil eines Wellblechdaches und ich hörte mich erstaunt aber freudig sagen „Achja….den habe ich ja auch noch!“.

Clavia Nord Rack 2 © pmm

Clavia nord rack 2

Minuten später stand der Nord Rack 2 auch schon seiner Hülle entledigt im Studio und der spannende Moment des Einschaltens war gekommen. Fünf Jahre in verschiedenen, nicht eben optimalen Räumen verbracht habend, rechnete ich mit dem Schlimmsten. Jedoch, ich wurde eines Besseren belehrt. Der kleine, rote Schwede hat völlig anstandslos dort fortgesetzt, wo er vor fünf Jahren den Betrieb beenden musste, um in einem Karton ein karges Dasein zu fristen.

Es existieren mehrere Modelle dieser Serie, die mit dem Nord Lead im Jahr 1995 ihren Anfang nahm. Bis vor kurzem waren es acht unterschiedliche Modelle die dem Hersteller aus dem hohen Norden den einen oder anderen grossen Erfolg bescherten. Clavia, oder „nord®“, wie sie sich seit geraumer Zeit nennen, hat jeweils eine Keyboard- und eine Rack-Version pro Modell am Start.

Einen, wie ich finde sehr guten, Testbericht des aktuellen Nord Lead 4 Modells, finden Sie auf bonedo.de.

Nord Rack 2

Clavia nord rack 2 – gediegene Verarbeitung „Made in Sweden“.

Vielleicht noch einige Worte zu Clavia/nord®. Dem Produzenten der „Roten“ ist es wie kaum einem anderen, vergleichbar jungen, Unternehmen in dieser Branche gelungen, sich als erfolgreicher Hersteller zu etablieren. Die rote Farbgebung der Instrumente lässt diese optisch schnell auf den Bühnen dieser Welt erkennen und somit den Verbreitungsgrad erahnen. Die Durchsetzungsfähigkeit der Klänge, gepaart mit einer guten Verarbeitung und dabei verhältnismäßig geringem Gewicht machen die „Roten“ zu beliebten Instrumenten vieler live spielender Musiker. Die gleichzeitige Erfüllung aller drei Kriterien darf dabei durchaus als eine Auszeichnung gewertet werden.

Auf der anderen Seite hat nord® offenbar im Bereich der Entwicklung neuer Synthesizer ein wenig den Fuß vom Gaspedal genommen. Schade, wie vermutlich nicht nur ich finde. Schade vor allem auch deshalb, weil Clavia mit dem Erscheinen des Nord Leads eine neue Ära eingeleitet hat. Die Ära der virtuell analogen Synthesizer. Der Nord Lead war der erste seiner Gattung, dem schon kurz danach der Access Virus und das Sound Set 2 für Yamaha’s VL Synthesizer folgen sollten. Clavia legte später noch mit dem Nord Modular und dem Nord Wave nach, doch seitdem hat man sich offenbar mehr auf Nord Electro, Nord Stage sowie die Nord C2 konzentriert. Die seit kurzem erhältliche Nord Drum lässt jedoch Hoffnung auf weitere Entwicklungen aus dem Hause nord® aufkommen.

Lassen Sie uns nun wieder zu den virtuell Analogen (VA) zurückkehren. Die Ära der VAs wurde erst vor nicht zu langer Zeit, mit dem Erscheinen des Accelerators und des Solaris’ eindrucksvoll prolongiert. Dem gegenüber steht die derzeitige Renaissance analoger Synthesizer, die indirekt und in gewissem Maße auch auf die langjährige Präsenz, um nicht zu sagen Dominanz, der VAs zurückzuführen sein dürfte.

Clavia nord rack 2  – „blue“, Demostück in dem bis auf die Streicher (Memotron) alle Klänge dem nord rack entstammen.

Und damit befinden wir uns auch schon inmitten der Diskussion, die ihren Beginn darin gefunden hat, den Nord Lead, den Vater des hier getesteten Nord Rack 2, klanglich in die Nähe des Prophet 5s zu rücken. Eine gewisse Ähnlichkeit kann man einigen der Nord Lead Sounds nicht in Abrede stellen und damit sind jetzt nicht die werksseitig nachprogrammierten Prophet 5 Klänge gemeint, die ich weitestgehend „so lala“ finde. Beginnt man aber eine derartige Diskussion und stellt diesen Vergleich an, so sollte der Kreis der vermeintlichen Vorlagen meines Erachtens auch um den Roland Jupiter-8 erweitert werden. Ob die Beurteilung der klanglichen Qualität ausschließlich anhand der Nähe zu einem der analogen Synthesizer etwas bringt, sei einmal völlig da hingestellt. Ich möchte an dieser Stelle meinen Kollegen Robert Wittek von synthesizer.at zitieren, der in einem Gespräch die für manche provokante eventuell fast blasphemisch anmutende Frage gestellt hat „Klingt der Prophet-5 so wie der Nord Lead?“.

Nord Rack 2

Clavia nord rack 2 – LFO1, LFO2 / Arpeggiator und die beiden Oszillationen.

Widmen wir uns nun dem Aufbau des Nord Lead / Rack 2.

OSCILLATORS
Oszillator 1 ist einfach aufgebaut und bietet folgende nicht gleichzeitig nutzbare Wellenformen: Sinus, Dreieck, Sägezahn und Pulse. Und das war es dann fast auch schon. Einzig der „FM Amount“ Parameter verdient noch eine besonderen Erwähnung. Denn, vom virtuell analogen Konzept abweichend, hat man dem Nord Lead lineare Frequenz Modulation mit auf den Weg gegeben. Dabei fungiert Oszillator 1 als „Carrier“, Oszillator 2 als „Modulator“ (Audiobeispiel „DiXital).

Clavia nord rack 2 – „DiXital“, Beispiele für die im nord zur Verfügung stehende FM.

Oszillator 2 ist der flexiblere und stellt neben Dreieck, Sägezahn, Pulse auch noch Rauschen als Ausgangsmaterial zur Verfügung. Die Intensität der Frequenzanteile des Rauschens wird durch Drehen des „Semitones“ Reglers im Uhrzeigersinn erhöht und entspricht in der Position „+60“ etwa weißem Rauschen. Derselbe Drehregler bestimmt bei den anderen Wellenformen, wenig überraschend, deren Frequenz und somit Tonhöhe. Oszillator Synchronisation und Ring Modulation finden sich ebenso wie Pulsbreitenmodulation. Letztere lässt sich allerdings nicht getrennt für die beiden Oszillatoren einstellen (Audiodemo „PW Pulse Synth“). Schade. Hier hat sich im Vergleich zu seinem Vorgänger nichts geändert.

Clavia nord rack 2 – „PW Poly Synth Mix“, achten Sie bitte auf die Veränderung ab t=28s (Unison On).

Nord Rack 2

Clavia nord rack 2 – Oszillatoren, Amplifier und Filtersektion.

FILTER
Etwas anders ist die Situation im Fall der Filtersektion. In dieser wurden die Algorithmen im Vergleich zum Vorgängermodell verbessert. Das Angebot selbst bleibt jedoch unverändert und setzt sich aus Low Pass 12 dB, Low Pass 24 dB, High Pass 24 dB Notch + Low sowie Band Pass zusammen. Die Resonanz, die für alle Filter zur Verfügung steht, reicht bis zur Eigenschwingung und führt im Falle beider LP Filter zu einem dünneren Klang. Ansonsten klingt diese Sektion über einen weiten Bereich sehr gut, jedoch reicht sie an die analogen Vorbilder nicht ganz heran. Allgemein fällt auf, dass das Nord Rack stellenweise einen leicht metallischen Klangcharakter aufweist. Des einen Leid ist bekanntlich des anderen Freud und so profitiert so mancher Klang gerade von dieser Eigenheit. Stellvertretend seien hier die glockenartigen Klänge genannt (Audiobeispiele „DiXital“ und „Bells“).

Clavia nord rack 2 – „Bells“, Klarheit, nicht nur im Design, sondern bis in die höchsten Lagen.

Clavia nord rack 2 – BandPass und Vowel Spielerei.

Das Keyboard Tracking ist im Gegensatz zum ersten Nord Modell nun in drei Stufen einstellbar und am Gehäuse ein unmittelbarer Nachbar der „Distortion“. Ansonsten kommen die Nord Synthesizer ohne interne Effekte aus. Und darauf ist man seitens nord® nicht ganz zu Unrecht stolz.

Nord Rack 2 Bild4

Clavia nord rack 2 – ADSR Hüllkurven

HÜLLKURVEN
Diese sind sowohl für Amplifier als auch Filter herkömmliche ADSR Hüllkurven und bedürfen wohl keiner genaueren Beschreibung. Allerdings zählen sie erfreulicherweise zu den flotteren ihrer Zunft.

LFOs und ARPEGGIATOR
Kommen wir nun zu den LFOs. LFO1 kann die Frequenzen von Osc1 + Osc2 gemeinsam, oder nur die Frequenz von Osc 2 modulieren. Pulsbreite, Filterfrequenz sowie FM sind weitere Modulationsziele. Positiv fallen der Frequenzbereich (Audiobeispiel „LFO range + BP“) so wie die nun fünf, anstelle der bisher drei, zur Verfügung stehenden Wellenformen des LFOs auf.

Clavia nord rack 2 – Nord Rack 2 LFO FilterMod.

LFO2 kann zur Erzeugung von Vibrato, Tremolo und Filterfrequenzmodulation oder als einfacher Arpeggiator verwendet werden. Die Noten werden vom Arpeggiator bis zu vier Oktaven in den Modi Up, Down, Up&Down oder Random gespielt. Die zusätzlich gebotene „Echo“ Funktion wiederholt, wie die Bezeichnung erahnen lässt, entweder einzeln gespielte Noten oder Akkorde (Audiobeispiel „DiXital“). Die Anzahl der Wiederholungen lässt sich durch Drehen des „Arp range“ Reglers im Uhrzeigersinn erhöhen. Das Ergebnis erinnert dabei ein wenig an eine LFO gesteuerte Amplituden- oder Filterfrequenzmodulation geht allerdings im Gegensatz zu dieser auf Kosten der Stimmenzahl.

Clavia nord rack 2 – Nord Rack 2 Mix + Arturia SPARK Beat (ab t=22s).

Beide LFOs lassen sich zu MIDI Clock synchronisieren, wobei der Neustart des LFOs mit jedem neuen Takt oder mit jeder neu gespielten ganzen Note, Halb-, Viertel-, Achtel- oder Sechzehntelnote ausgelöst werden kann. Ebenfalls erfreulich und im Falle von virtuell analogen Synthesizern keinesfalls selbstverständlich ist das Portamento, das über einen eigenen Regler in seiner Intensität kontrolliert wird.

Nord Rack 2 Bild5

Clavia nord rack 2 – MOD Hüllkurve und die drei Spielmodi.

Als Spielmodi stehen Poly sowie Legato und Mono zur Verfügung. Die „Unison“ Funktion führt dazu, dass der Klang im Stereobild verteilt wird und in Summe zu einem „breiteren“ Sound führt (Audiobeispiel „PW Pulse Synth“), vorausgesetzt man verwendet zwei Ausgänge, wie z.B. Out A und Out B, gleichzeitig und verteilt diese entsprechend im Stereopanorama. Die Möglichkeit Klänge im „Unison“ Mode zu spielen besteht übrigens für alle drei Modi.

War der Nord Lead 1 in der Grundversion noch vierstimmig und konnte optional mit acht weiteren Stimmen auf maximal 12 Stimmen ausgebaut werden, so sind Nord Lead 2 und Nord Rack 2 schon ab Werk mit 16 Stimmen ausgestattet. Dem Musiker stehen 99 Programs zur Verfügung von denen die ersten vierzig mit selbst programmierten Klängen überschrieben werden können. Nicht gerade üppig möchte man meinen, allerdings, in der Praxis durchaus von Vorteil. So sind regelmäßige Backups Pflicht und zumindest ich kann hunderten oder tausenden Sounds in einem Instrument nichts Positives mehr abgewinnen, beim Nord Lead lautet die Devise „Klasse statt Masse“. Wem dies dennoch nicht ausreicht, der kann eine PCMCIA Karte verwenden, die weitere 297 Speicherplätze bereitstellt.

Zusätzlich zu den 99 Programmen gibt es 10 Percussion Kits. Jedes dieser Kits besteht aus acht einzelnen, virtuell analog erzeugten Drum oder Perkussionsklänge. Und die sind Top! Einige davon können Sie in den Audiobeispielen „Drums + Percussion“ einzeln, oder im Kontext in den Factory Demos hören. Für den Fall, dass Sie ebenso von den Drum- und Perkussionsklängen begeistert sind, aber zusätzliche Speicherplätze benötigen, die schon erwähnte PCMCIA Karte stellt 30 weitere Speicherplätze zur Verfügung.

Nord Rack 2

Clavia nord rack 2 – Rückseite mit dem PCMCIA Slot und den vier Ausgängen.

Pitchbend und Modulationwheel sucht man im Falle der Rackversion natürlich vergebens. Die entsprechenden Informationen werden aber selbstredend verstanden und entsprechend verarbeitet. Dem Modulation Wheel lassen sich fünf verschiedene Funktionen zuordnen, die Intensität der LFO1 Modulation, die Intensität der Frequenzmodulation, die Filterfrequenz, die Frequenz von Oszillator 2 und die Morphing Funktion. Letztere ist ein klares Highlight der Nord Synthesizer und es drängt sich mir immer wieder die Frage auf, warum nicht andere Hersteller diesem Beispiel gefolgt sind. Was ist nun das Besondere daran? Mittels Morphing kann von einem Klang in einen anderen überblendet werden. Dazu werden mehrere Parameterbereiche dem Modulationsrad zugewiesen und über dieses gesteuert. Das Ergebnis sind durchaus komplexe Veränderungen und die Interpolation ist zumindest mittels Modulationsrad schlichtweg beeindruckend.

Dies bringt uns an dieser Stelle zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zur Tastaturversion. Die Keyboardversion zeichnet sich nämlich nicht nur durch eine ungewöhnliche 4-oktavige Tastatur aus, sondern auch durch ein aus Stein gefertigtes Modulationsrad und einen Holzstick. Beide haben zum Zeitpunkt des Erscheinens für einiges Aufsehen gesorgt, war man doch bis dahin andere Materialien gewohnt. Vor allem der Stick weiß mich nach wie vor zu begeistern, da mit ihm nuanciertere Vibratos möglich sind.

Bedienung
Allgemein kommt man nicht umhin den Nord Lead / Rack Synthesizern eine über weite Strecken intuitive und sehr gute Bedienbarkeit bescheinigen zu müssen. So hat z.B. im Bereich der Klangsynthese jeder der 25 Drehregler eine Funktion. Doppelbelegungen sind selten und wenn dann intuitiv und dem Arbeitsfluss nicht abträglich. Ein Umstand der gemeinsam mit der Tatsache, dass jeder dieser Parameter über MIDI gesteuert werden kann, maßgeblich mit zur Freude am Klangprogrammieren beiträgt. Der seit kurzem erhältliche Dave Smith Instruments Prophet 12 schlägt in dieser Hinsicht übrigens in die gleiche Kerbe.

Etwas anders ist die Situation im Fall der Speicherstruktur. Sie ist zu Beginn nicht ganz so intuitiv und das liegt mit Bestimmtheit nicht nur an der dreistelligen LED. An oberster Stelle in der Hierarchie steht die sogenannte „Performance“, die sich aus den vier zugewiesenen Slots (A, B, C und D) zusammensetzt. Diesen Slots können einzelne „Programs“ und MIDI Kanäle zugewiesen werden. Die Klänge lassen sich frei miteinander kombinieren, was einem im Falle von Layersounds schnell an die Grenze der maximal verfügbaren Stimmenzahl stoßen lässt.


Clavia nord rack 2 – Factory Demo 1 © Clavia.


Clavia nord rack 2 – Factory Demo 2 © Clavia.

Die Verarbeitung gibt wie auch schon angesprochen, keinerlei Anlass zur Kritik. Hier können meine fünf Jahre des Vergessens, oder der „Ignoranz“, und die Aufbewahrung unter im besten Fall als „semioptimal“ zu bezeichnenden Bedingungen, durchaus als Beweis dienen. Beginnend mit dem Aufbau der Segmente, über die Farbgebung bis hin zu den verwendeten Materialien und die Verarbeitung, das auf „Klarheit“ getrimmte Konzept in jeder Situation ersichtlich.

Nord Rack 2

Clavia nord rack 2

Resümee
Müsste ich den Nord Lead 2 mit einem Wort beschreiben, dann wäre es „Klarheit“. Sei es konzeptionell, in seinem Erscheinungsbild oder auditiv, dieser Begriff könnte während der Entwicklung Pate gestanden haben. Alles kommt ohne ablenkende Schnörkel aus.

Wer als virtuell analoger Synthesizer am Markt erscheint, wird an seinen Vorbildern gemessen. Fair enough! Sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, vor allem ob er denn nun dem SCI Prophet 5 klanglich nahe genug kommt, könnte einem aber die Sicht verstellen. Denn in erster Linie sind der Nord Lead 2 und die davon hier getestete Rackversion hervorragende Synthesizer. Sie kommen – im Prinzip – ohne jegliche interne Effekte aus und schaffen das, was anderen trotz Verwendung derartiger Hilfsmittel verwehrt bleibt. Breite und Fülle der Klänge sind ebenso einfach zu erzielen, wie druckvolle und durchsetzungsfähige Bässe.  Ausdrucksstarke Soloklänge sind ebenso möglich, verlangen aber vermutlich nach Delay und/oder Hall. Wer auf der Suche nach einem Instrument für stark modulierte Klänge ist, wird hier allerdings nicht fündig werden. Die ein Kopf / eine Funktion Philosophie gaukelt allerdings auch niemanden etwas anderes vor. What you see is what you get! Doppelbelegungen und verborgene Menüs, gibt es, jedoch in geringer Zahl. Komplexere Strukturen wären mit der spartanischen Anzeige vermutlich auch kaum möglich….

Was bietet der Nord Lead klanglich? Diese Beurteilung über lasse ich in erster Linie Ihnen und ich hoffe, dass meine Klangbeispiele hier einen repräsentativen Querschnitte bieten um Ihnen behilflich zu sein. Für mich zeichnet den Nord Lead eine Durchsetzungsfähigkeit aus, die ihm seinen Platz nicht nur im Mix, sondern auch in der Produktion finden lässt. Ein Betätigen des Mono Schalters sieht er ziemlich entspannt entgegen, was mit Bestimmtheit nicht jedem elektronischen Klangerzeuger vergönnt ist.

Sein Aufbau ist quasi „old school“: zwei Oszillatoren, ein Filter, zwei ADSR Hüllkurven, zwei LFOs, ein direkter und schneller Zugriff, ein Drehregler = eine Funktion. Das Erstellen neuer und das Verändern bestehender Klänge ist einfach und geht schnell von der Hand. Die Spielhilfen im Falle der Keyboardversion sind in ihrer Umsetzung nicht neu, aber dennoch leicht verändert, in ihrer Funktion aber an den Vorbildern angelehnt und sorgen somit für ein stimmiges Gesamtbild. Gänzlich neu ist hingegen das Morphing, das in mir einen Fan gefunden hat. Ich wünschte mir, dieses Feature würde zu einem Standard digitaler Instrumente. Die Eigenständigkeit und Ausdrucksstärke so manchen Klanges würde mit Bestimmtheit davon profitieren und so manche Performance bereichern.

Lassen Sie mich nochmals zum Vergleich mit den analogen Vorbildern kommen. Dieser ist natürlich nicht auch zuletzt daher gegeben, dass der Hersteller selbst einige der Prophet 5 Factory Sounds nachprogrammiert und in den Factory Sounds des Nord Leads gespeichert hat. Der hier schon angesprochene Robert Wittek hat dazu einen interessanten Vergleich mit dem Original angestellt und diesen auf amazona.de veröffentlicht. Den Link finden Sie am Ende dieses Testberichts.

Ist der Nord Lead nun ein erfolgreicher Simulant oder nicht? Ob er in seiner Simulation analoger Synthesizer erfolgreich ist überlasse ich Ihrem Urteil. Dass er erfolgreich ist, steht jedoch außer Frage. Hat der Nord Lead doch den Grundstein des unternehmerischen Erfolges für die Firma nord® gelegt.

Den Nord Lead zeichnet ein weites klangliches Spektrum aus. Dieses reicht von schönen Flächen bis hin zu Bässen und reicht hin bis zu aggressiven und typisch digitalen Klängen. Keinesfalls unerwähnt bleiben dürfen die außerordentlich guten Drum/Perkussion Sounds. Unter Berücksichtigung all des Geschriebenen komme ich daher nicht umhin den Nord Lead / Nord Rack als einen sehr guten Synthesizer mit einem edlen Klang zu beurteilen. Und ich frage mich jetzt noch, welcher Teufel mich damals geritten hat, ihn in jene Kiste zu stecken um ihn dann zu vergessen. Das passiert mir mit Bestimmtheit nicht noch einmal!

Hersteller Webseite: Clavia / nord®
Robert Wittek’s Vergleich der Clavia Nord Lead 1 P5 Factory Sounds mit den original Klängen des Sequential Circuits Prophet 5 auf amazona.de.

Erstveröffentlichung „some time ago“ @ greatsynthesizers.com, hier am 11. November 2013.

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