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Club of the Knobs:
Synthesizer Model 15

20. Januar 2016 - Studio, Taste
Club of the Knobs: <br />Synthesizer Model 15

Das Internet dient vielen von uns als wichtige, vermutlich oft als primäre und manches Mal sogar als einzige Informationsquelle. Ein Wort über dessen Bedeutung man sich nicht im Klaren ist, ein geschichtliches Ereignis zu dem man Hintergrundinformationen benötigt, Details über eine Künstlerin… all das und vieles mehr ist oft nur einen Mausklick weit entfernt.

Kein Zweifel, das World Wide Web hat mehrere Rollen und aus meiner Sicht mindestens eine wichtige Funktion übernommen – die einer mächtigen Informationsquelle. Darüber hinaus dient es unter anderem auch dazu, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und auszutauschen. In Fachforen und gegebenenfalls auf direktem Wege.

Synthesizer Model 15 (S15)

Synthesizer Model 15 (S15)

Die eben erwähnten Foren sind dann von besonderer Hilfe, wenn Informationen über und Erfahrungen mit Instrumenten eingeholt werden wollen, die in vertretbarer, geografischer Nähe einem persönlichen Test nicht unterzogen werden können.

Seit geraumer Zeit trage ich mich mit dem Gedanken mir ein kleines Modularsystem zuzulegen. War es doch das Hören entsprechender Musikstücke der siebziger Jahre – Stichwort (damals) Walter, später Wendy Carlos – die mein Interesse für diese Instrumente weckten. Und ehe ich in die glückliche Situation kam mich zwischen einem Korg MS-20 und einem Yamaha CS-10 entscheiden zu „müssen“, war es eigentlich der Formant Synthesizer dem mein Begehr galt. Eine schnell zum Ergebnis kommende Kosten/Nutzen Analyse liess mich jedoch den schon angesprochenen Weg einschlagen.

Als treuer Amazona.de Leser habe ich in den vergangenen Jahren den Testberichten von Axel Jungkunst so manche Stunde gewidmet und bin vor allem bei einigen seiner Klangbeispiele neugierig geworden. Das System, das er getestet, später offenbar erweitert und nach wie vor im Einsatz hat, stammt vom im wunderschönen Lissabon beheimateten Hersteller Club of the Knobs (COTK). Hinter diesem Hersteller steht Kazike, mit bürgerlichem Namen Gerd Peun, der Gründer, Entwickler und Eigentümer ist.

Club of the Knobs (COTK) - Synthesizer Model 15 (S15) + C952 Keyboard Controller

Club of the Knobs (COTK) – Model 15 + C952 Keyboard Controller

Testberichte sind eine Sache, Erfahrungen bzw. Eindrücke von Kollegen manches Mal eine andere. Und das ist gut so. Die Vielfalt der Meinungen und unterschiedlichen Bewertungen wurden mir beim Lesen entsprechender Beiträge im Forum von Michael Irmer [sequencer.de] bewusst, zu dem ich, und das muss ich fairerweise hier festhalten, ein ambivalentes Verhältnis habe.

COTK und Kazike waren immer wieder Gegenstand angeregter Diskussionen. Mit Fortdauer ergab sich bei mir als stiller Leser jedoch ein indifferentes Bild. Mit dazu beigetragen haben Postings, bei denen mir die Beweggründe ihrer Verfasser unklar, bzw. nicht wirklich nachvollziehbar waren. Vor allem dann nicht, wenn die Meinung im Laufe der Zeit in eine diametrale Richtung umschlug.

Zu Dingen die geschehen sind kann ich nichts sagen. Dazu fehlen mir schlicht die Fakten. Was ich in diesem Blogeintrag jedoch beschreiben will sind meine Erfahrungen mit COTK, die ich gerne mit anderen teile, die ebenfalls einen Erwerb eines Club of the Knobs Systems in Erwägung ziehen und an einer weiteren Meinung interessiert sind.

COTK S15c

Club of the Knobs: Synthesizer Model 15 + C952 Keyboard

In erster Linie sind es zwei Kritikpunkte, auf die man im Internet in Zusammenhang mit COTK immer wieder stoßen wird. Zum einen gab die Kommunikation zwischen Kazike und potentiellen Kunden offenbar Anlass zur Kritik, sowie das Nichteinhalten von Lieferterminen. Klang- oder Verarbeitungsqualität sind selten Gegenstand von Kritik und meine Google Suche hat in diesem Zusammenhang einen Thread im Moog Music Forum ergeben. Diese Suche war allerdings in Englisch gehalten. ABER, und das ist mir in diesem Zusammenhang wichtig, es ist jeder willkommen hier seine wie immer gearteten Erfahrungen zu teilen. Meine einzige Bitte ist, dass es sich vorzugsweise um eigene Erfahrungen, oder zumindest belegbare Aussagen, handelt. Hörensagen und Gehässigkeiten haben einen anderen Platz, dieser Blog soll es bitte nicht sein.

Nun zu meiner COTK Synthesizer Model 15 Geschichte.

Aus aktuellem Anlass und nach reiflichem Überlegen, bin ich zu dem Entschluss gelangt mir einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen und der war mir ein Synthesizer Model 15 (S15) zu schenken. Moog war für mich aus mehreren Gründen keine Option. Die Preise waren ein wesentlicher, aber nicht der einzige. Daher richtete sich mein Interesse auf Alternativen, wie z. B. COTK. So besuchte ich deren Webseite um direkt Kontakt mit dem Hersteller aufzunehmen. Eine entsprechende Anfrage war schnell formuliert, abgesendet und nicht minder flott erhielt ich eine kurze und freundliche Antwort.

C921A Oscillator Driver, 2x C921B Oscillators, C923 Filters + Noise, sowie C921 VCO/LFO

C921A Oscillator Driver, 2x C921B Oscillators, C923 Filters + Noise, sowie C921 VCO/LFO

Nachdem das Bestellprozedere abgeklärt war überwies ich die vereinbarte Anzahlung für S15 und C952 Controller Keyboard, die ich mir quasi als „Packerl“ schenken wollte. Kazike war mir zu diesem Zeitpunkt zwar von Videos und von Besuchen der Frankfurter Musikmesse ein Begriff, aber perönlich kannten wir einander nicht. Allerdings kenne ich Axel Jungkunst seit einigen Jahren, zwar ebenso wenig persönlich, aber zumindest via Emails und Diskussionen in den entsprechenden Foren. Seit den frühen Tagen des keybaords.de Forum schätze ich ihn als jemanden, der weiss wovon er spricht und die Dinge beim Namen nennt. Auf ihn werde ich etwas später nochmals zu sprechen kommen.

Als Lieferzeit wurden mir mit der Betonung auf „jetzt“ fünf Wochen nach Eingang der Anzahlung genannt. Diesen Teil kann ich vorweg nehmen, denn die fünf Wochen haben nicht gehalten. Allerdings sei an dieser Stelle festgehalten, dass ich auf jede meiner diesbezüglichen Anfragen schnell Antwort, sowie stets eine Erklärung für die Verzögerung erhalten habe.

Mir war von Anfang an klar, dass hier keine Instrumente vom Fließband fallen und so habe ich mich auf eine etwas längere Lieferzeit als angekündigt eingestellt. Der Postweg von Portugal in die Schweiz kann bedingt durch den Zoll übrigens schon einmal eine Woche ausmachen. Das soll der Vollständigkeit wegen ebenso wenig unerwähnt bleiben.

Einige Wochen später war es dann aber endlich soweit, S15 und Tage später trafen der C952 Keyboard Controller ein. Da sich dies um die Weihnachtszeit zutrug und diese bekanntermassen die Zeit für die Familie ist, konnte ich nicht wie ich gerne gewollt hätte. Man liebt ja seine Familie. Trotzdem. 🙂

COTK S15 Innenleben (von links nach rechts): 2x C902 VCAs, C904A VCLP, C995 Attenuators, nur teilweise sichtbar C907A Fixed Filter Bank (!)

COTK S15 Innenleben (von links nach rechts): 2x C902 VCAs, C904A VCLP, C995 Attenuators, nur teilweise sichtbar C907A Fixed Filter Bank (!)

Einer guten alten Tradition folgend habe ich bevor es wirklich losgehen sollte einige Fotos des Systems plus Controller gemacht. Das System ohne Verkabelung abzulichten war natürlich notwendig, aber weitere Fotos sollten doch dem realen Verwendungszustand nahe kommen. Und so habe ich einen Basssound gepatcht ohne diesen zu dem Zeitpunkt jemals gehört zu haben.

Tage später, nachdem die Fotos aufgenommen waren, ging es dann endlich ans Aufbauen und Verkabeln im Studio. Sie erahnen wie sich die steigende Endorphinausschüttung auf meinen Kreislauf und meine Stimmung ausgewirkt hatten. Freundlicherweise war einer meiner besten Freunde, seines Zeichens ehemaliger Profi Schlagzeuger, im Moment des ersten gespielten Tons zugegen. Kaum war die erste Taste gedrückt wollte ich nicht glauben was ich hörte. Unglaublich, aber das was da gepatcht war, hatte doch wirklich einen klassischen aber vor allem druckvollen und Membran-bewegenden Basssound hervorgebracht. Einen Sound exakt so wie ich ihn mir gewünscht und vorgestellt hatte. Dann folgte die zweite Taste….. äh, wie jetzt? … noch eine, dann ein Lauf …. ein Blick nach links in das Gesicht meines anwesenden Freundes… eine hochgezogene Augenbraue dort, eine bei mir… weitere Töne… und dann ein kurzes Statement „also das kann ich Dir sogar als Schlagzeuger sagen, das stimmt nicht“. Und recht hatte Ernst. Natürlich habe ich sofort alle Verbindungen und  Einstellungen auf ihre Richtigkeit hin überprüft, konnte aber  – wenngleich nicht 100%ig aber doch ziemlich sicher – keinen Fehler feststellen. Das Tracking musste sozusagen auf der Reise verloren gegangen sein.

COTK S15 Innenleben (von links nach rechts): 2x C911 EGs, 1x C921 VO/LFO, C923 Filters + Noise, 2x C921B Oszillatoren, C921A Oscillator Driver

COTK S15 Innenleben (von links nach rechts): 2x C911 EGs, 1x C921 VO/LFO, C923 Filters + Noise, 2x C921B Oszillatoren, C921A Oscillator Driver

Nachdem alles überprüft war beschloss ich das System auszuschalten und mich mit Kazike in Verbindung zu setzen. In dem Moment fiel mir aber ein, dass in einer seiner Emails vor Weihnachten stand, dass er bis zum 6. Jänner nur schwer erreichbar sein würde. Und das war der Zeitpunkt, in dem Axel nochmals nun aber maßgeblich ins Spiel kam. Kaum hatte ich ihm in meiner Email das Problem geschildert und die Nachricht versendet, war auch schon eine hilfreiche und freundliche Antwort im Posteingang. Diesen Teil kürze ich ab, da mir Axel Tipps gab um den möglichen Fehler einzugrenzen. Nachdem wir alles durch hatten meinte er, lass uns auf Kazikes Rückkehr warten und dann weitersehen. Gesagt getan, es war bei mir noch nicht Mittag des 6 Jänner als seine Antwort eintraf.

Es folgten Emails zwischen Kazike und mir um das Problem zu identifizieren, bzw. andere Möglichkeiten auszuschließen. Der Verdacht hatte sich erhärtet und so war klar, dass das Problem von den Oszillatoren ausging. Bevor ich noch etwas weiteres sagen oder fragen konnte, traf auch schon eine weitere Email ein. Deren Inhalt hat mich höchst positiv überrascht, da wir bis zu diesem Zeitpunk noch nicht einmal ansatzweise über die weitere Vorgehensweise diskutiert hatten, Kazike schlug nämlich vor persönlich zu mir in die Schweiz zu kommen um vor Ort den Fehler zu beheben.

COTK S15 Patch

COTK S15 – Patch zum Audiofile

Mit vielem habe ich gerechnet, aber darauf war ich nicht gefasst. Und den folgenden Teil kann ich guten Gewissens in die Gegenwart führen. Am Montag habe ich Kazike in Zürich empfangen. Anschließend wurde mein S15 kalibriert, getestet, an allen Parametern gedreht, gepatcht und gespielt. Da das System aus analogen Komponenten besteht und aus dem warmen Portugal in die zu diesem Zeitpunkt winterliche Schweiz geliefert wurde, der Transport einige Zeit in Anspruch nahm (!), kann an dieser Stelle über mögliche Ursachen nur spekuliert werden. Unbestreitbar ist, dass nun ein frisch kalibriertes und gut klingendes S15 hier steht. In Sachen Kundenservice gibt das die Höchstnote.

Nach getaner und erfolgreicher Arbeit wurde bei gutem Wein (für die die es interessiert – aus Portugal und Spanien) über das Leben, die Welt, Kunst, Musik und über vieles andere lange und ausführlich gesprochen.

An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz besonders bei Axel bedanken. Herzlichen Dank für Deinen Support!

Und für die, die interessiert wie der in obiger Abbildung fotografisch festgehaltene Patch klingt im folgenden ein kurzes Beispiel:

Daran hätte wohl sogar „der Mann der tiefen Töne“ [© Peter Gabriel über Tony Levin] seine Freude. Weitere Beispiele finden Sie bitte auf Amazona.de.

Für die obige Aufnahme wurde ein steilflankiges Filter aktiviert um Frequenzen unterhalb von 20Hz zu reduzieren. Sonst kamen weder Effekte noch Dynamiktools zum Einsatz. Selbst beim Pegel war ich vorsichtig.

Addendum, Mai 2016:
Für die, die an einem COTK Synthesizer Model 15 und dem hier abgebildeten Keyboard C952 interessiert sind folgender Hinweis. Die Multiples des Model 15 sind passiv. Die daraus resultierende Konsequenz – so die Auskunft von kompetenter Stelle – ist, dass es sich beim Model 15 – wohlgemerkt in dieser Kombination – dann im Prinzip nicht um ein 3 Oszillatoren System a la Minimoog handelt. Viel mehr ist es ein Instrument, das zwei Oszillatoren sowie einen LFO bzw. zusätzlichen Oszillator bietet, der jedoch nicht zeitgleich mittels CV in seiner Tonhöhe so angesteuert werden kann dass das Tracking aller drei Oszillatoren stimmt. Der Vollständigkeit wegen, das ist kein Kritikpunkt, sondern eine Beschreibung des Systems, oder genauer gesagt, zumindest meines Systems. Dass sich die 3 Oszillatoren über zumindest 4 Oktaven, das ist der Bereich den ich testen konnte, richtig tracken lassen zeigt das folgende mittels MIDI eingespielte Beispiel:

Oscillator 1: Sine
Oscillator 2: Saw
Oscillator 3: Rectangular

Und auch wenn ich nur sehr selten alle drei Oszillatoren des COTK S15 für einen Sound gleichzeitig verwende, so ist meine Entscheidung dennoch ganz klar für das MIDI Interface und gegen den COTK C952 Keyboard Controller gefallen.

Vorausgesetzt, dass nicht nur meine Keyboard Controller / S15 Multiple Kombination zu dem beschriebenen Ergebnis führt, würde ich mir daher den C952 Keyboard Controller „sicher nicht“ zum S15 kaufen. Die aufgerufenen Euro 870 sind auch nicht unbedingt dazu angetan mich vom Gegenteil zu überzeugen. Aber auch hier mag es andere Ansichten und Eindrücke geben.

Recommended Reading:

Club of the Knobs Testberichte von Axel Jungkunst:

Testbericht und Kazike Interview meines ehemaligen Kollegen, Theo Bloderer:

4 thoughts on “Club of the Knobs:
Synthesizer Model 15

Jürgen Büschges

Lieber Peter,

meinen Herzlichen Glückwunsch zum Neuzugang. Keine Kompromisse mehr, oder?

Liebe Grüße

Jürgen

Reply
    Peter M Mahr

    Lieber Jürgen,

    Herzlichen Dank!

    Eine Kollegin erzählte mir von einem Sommelier der zu ihr meinte „Das Leben ist viel zu kurz für Zweigelt“. Und daran musste ich beim Lesen Deiner Zeilen denken. Aber mit Kompromissen hatte ich ja schon immer Schwierigkeiten. 🙂

    Liebe Grüße,
    Peter

    Reply
Ernst

Zum Präzisieren… Ich hör leider sehr genau wenn ein auch nur wo eine leichte (ungewollte) schwebung drinnen ist, als buße dafür, dass ich keinen einzigen ton richtig intonieren kann, d. H. Bei mir ein ton alleine schon falsch ist..
Habe aber für Pete gleich gehofft, dass dieses exotische Instrument, auf eine noch exotischere Tonart gestimmt war…dh, beim 12ten ton beginnt schon die nächste Oktave, aber sagt man dann da noch Oktave… also als Extrommler klinke ich mich da auch besser wiederaus….8-))

Reply
    Peter M Mahr

    :-))

    Reply

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