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Getroffene und zu treffende Entscheidungen 4. Teil – Hartmann Neuron

4. August 2014 - Allgemein, Taste
Getroffene und zu treffende Entscheidungen 4. Teil – Hartmann Neuron

Es war ein zähes Ringen mit mir selbst, ehe ich mich dazu Überwinden konnte ein Exemplar des Hartmann Neurons zu erstehen. Das war exakt zu dem Zeitpunkt, als das Marketing mit der Nase voran am harten Boden der Realität gelandet war und die Restbestände an den Mann – natürlich in diesen Zeiten ganz wichtig – auch an die Frau bzw. um hierzulande ganz korrekt zu sein, die MannIn gebracht werden wollten.

Und dann war er über einige Jahre mein treuer und sehr geschätzter Wegbegleiter, der Hartmann Neuron. Allen Unkenrufen in diversen Fachforen zum Trotz, steckte wesentlich mehr in ihm, als es selbst die Werkssounds erahnen ließen. So mancher Kritikpunkt war natürlich durchaus gerechtfertigt und nachvollziehbar. Jedoch hat das Internet auch hier sein weniger attraktives Antlitz gezeigt. Schnell konnte man feststellen, wer selbst schon einmal das Instrument gespielt und für schlecht befunden und wer seine fachkundige Meinung aus dem Internet bezogen hatte.

Was zeichnet den Hartmann Neuron nun aus? Eigenständigkeit und Charakter, fallen mir als erste Begriffe ein, Unvorhersagbarkeit und Vielfältigkeit der klanglichen Ergebnisse als zweites. Eine gewisse Zickigkeit kann man ihm allerdings ebenso guten Gewissens zugestehen. So bewundere ich heute noch Musikerkollegen, die den Neuron live verwendet haben. Mein Exemplar, das wenige Macken hatte, ist ab und zu, mitten drin in irgendetwas, runtergefahren um dann aus der Tiefe wieder hoch zu kommen. Das Schöne daran, all das ohne mein Zutun.

Was ich als liebevolle Eigenheit empfand, ist live natürlich ein „no go“. Aber wir waren ja bei dem was ihn auszeichnet. Da ist einmal sein unheimliches, klangliches Spektrum und die damit im Neuron einhergehende Unvorhersagbarkeit klanglicher Ereignisse. Wer sich auf ihn einlässt, experimentierfreudig und auf der Suche nach einer Hardwarelösung ist, für den könnte der Neuron das optimale Instrument sein. Sein Klangcharakter reicht dabei von kratzig digital bis hin zu warmen und weichen Klängen.

In allen folgenden Klangbeispielen hören Sie ausschliesslich den Hartmann Neuron. Es wurden keine externen Effekte eingesetzt.


Verschiedene Klangbeispiele zum Hartmann Neuron

Das folgende Beispiel, das von mir die Bezeichnung „Orchester Pad“ erhalten hat, basiert auf den mitgelieferten, internen Wellenformen. Zu Beginn, und dort in der oberen Lage, erinnert der Klang entfernt an einen Oberheim Matrix-12 Pad Sound. In weiterer Folge geht es dann mehr in Richtung Holz- und vor allem Blechbläser (z.B. ab Sekunde 19). Es handelt sich um ein und den selben Klang. Geändert wurde einzig die Position der Resynatoren. Fairerweise muss ich festhalten, dass der interne Hall einen wesentlichen Anteil an der Klanggüte hat.


Orchester Pad

Nach dem hören von „Orchester Pad“ fragen Sie sich vielleicht wie man zu der Bezeichnung kommen kann. Dann hören Sie sich bitte das folgende Beispiel an. Es handelt sich um ein und denselben Ausgangsklang.

Was klanglich sonst noch im Neuron steckt, können Sie im nächsten Beispiel hören.


Water Meditation Sound

Lange Zeit habe ich überlegt, woran mich der ab etwa Sekunde 15 einsetzende Klang erinnert um dann eines Tages von der Realität desillusioniert zu werden. Denn ein auf einem am Parkettboden liegender Teppich, auf dem ich ausgerutscht war, hat exakt das selbe akustische Ergebnis gebracht. Die bis dahin in mir gefestigte Vorstellung der wogenden See hatte doch etwas mehr Charme. Nunja… in dem folgenden Stück spielt der Sound eine zentrale Rolle. Ab etwa 1min50sec setzt ein weiterer Neuronklang ein, der das kratzig, digitale Spektrum zeigt.

2007 – „Watermeditation“
Zusammenarbeit mit Eberhard Geitz

Im Februar 2010 hat mich dann der Teufel geritten und dazu veranlasst den Neuron an einen Sammler in Spanien zu verkaufen. Der war, ob des hervorragenden Zustands in dem sich mein Neuron befand, hellauf begeistert und ich im Gegenzug um etwas Geld, vor allem aber um eine bittere Erfahrung reicher. Von all den Instrumenten die gekommen und wieder gegangen sind, weine ich keinem wirklich eine Träne nach, einzig dem Neuron, den ich ob seiner Einzigartigkeit und der Möglichkeit in Klangwelten einzutauchen vermisse. Fehler passieren…

Und hier noch die beiden Herren, die massgeblich für den Neuron verantwortlich zeichnen, Stephan Bernsee und Axel Hartmann.

To be continued….

Erstveröffentlichung 30. September 2013