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Interview Stefan Schmidt – Der SCHMIDT Synthesizer

31. Mai 2014 - Interview, Taste
Interview Stefan Schmidt – Der SCHMIDT Synthesizer

Stefan Schmidt hat auf der Frankfurter Musikmesse 2011 eine der aufsehenerregendsten Neuerscheinungen im Segment der Analogsynthesizer der letzten Jahre vorgestellt: den SCHMIDT Synthesizer. Seit dem ersten Interview Ende 2011 ist nun einige Zeit ins Land gezogen, Grund genug also, sich nach dem Status Quo zu erkundigen.

 

SCHMIDT

SCHMIDT Synthesizer

PMM: Stefan, seit unserem ersten Interview ist einige Zeit vergangen, so gibt es seit Sommer die Möglichkeit den SCHMIDT bei EMC zu bestellen. Gibt es Neuigkeiten von denen Du uns erzählen kannst?

Stefan Schmidt: Im Juli 2013 haben wir nun offiziell die Produktion einer Schmidt-Kleinserie mit einer Auflage von 25 Stück gestartet. Auch wenn seit der erstmaligen Vorstellungen des Schmidt auf der Frankfurter Musikmesse 2011 bald 3 Jahre vergangen sind, sollte man nicht vergessen, daß der Schmidt damals von der Serienreife noch weit entfernt war, jedoch uns keine weiteren finanziellen Mittel für die Entwicklung bis zur Serienreife zur Verfügung standen.

Im nachinein gesehen wäre es vermutlich besser gewesen, den Schmidt nicht schon auf der Frankfurter Musikmesse 2011 vorzustellen. Bis zum Erreichen der Serienreife waren dann noch 2 Jahre erforderlich. Aber im Nachhinein ist man bekanntlich oftmals klüger.

Bis Mitte 2013 waren die Entwicklungsarbeiten weitesgehend abgeschlossen – vor allem Software und das Gehäuse-Redesign. Die Voraussetzungen für die Produktion einer Kleinserie mit abschätzbaren Liefertermin waren damit gegeben. Die Vorfinanzierung erfolgt über eine Voranzahlung der Vorbesteller, den Vertrieb übernimmt EMC.

 

SCHMIDT

SCHMIDT – 8 Stimmen und Multimode

PMM: Man hat Dir in der Zwischenzeit vermutlich eine Menge an Fragen per Email oder auch im persönlichen Gesprächen gestellt. Gab es welche, wo Deine Antworten für die Öffentlichkeit interessant sein könnten?

Stefan Schmidt: Die Anfragen bestanden im wesentlichen darin , wann der Schmidt endlich lieferbar ist, bzw. welche Möglichkeiten bestehen sich vorab über den Schmidt zu informieren. Bei dem hohen Verkaufspreis kauft sich natürlich keiner „die Katze im Sack“ und solange noch keine qualitativen Infos über den Schmidt verfügbar sind, ist es verständlich, dass Interessenten misstrauisch sind – das wäre bei mir nicht anders. In einem Forum fand ich dazu die Bemerkung, es bestünde die Gefahr, dass Herr Schmidt fleißig anzahlen lässt und dann irgendwo nach Südamerika verschwindet. Solche Befürchtungen sind natürlich verständlich, kann ich aber guten Gewissens ausschließen.

PMM: Gibt es technische Änderungen, z.B. das Platinenlayout oder aber auch das User Interface betreffend?

Stefan Schmidt: Die Elektronik und das User-Interface waren 2011 bereits ausgereift und wurden bis auf Kleinigkeiten nicht geändert. Das bedeutet, dass auch die Klangerzeugung natürlich immer noch dieselbe ist. Größere Änderungen gab es bei dem Gehäuse. Zwar wurde an der Optik wenig verändert, dafür musste die Konstruktion aufgrund seiner Montage- und Serviceunfreundlichkeit optimiert werden.

SCHMIDT

SCHMIDT – Zugriff auf alle Parameter über Bedienelemente

PMM: Ich habe gesehen, dass es eine schmidt-synthesizer.com Domäne gibt auf der eine Homepage entstehen soll. Kannst Du uns dazu etwas sagen?

Stefan Schmidt: Die Homepage soll dazu dienen, sich vor einem Kauf über den Schmidt informieren zu können. Dazu dienen unter anderem Demo-Sounds, Bilder und die Bedienungsanleitung. Die Audio-Demos werden von mehreren „Test-Musikern“ beigesteuert werden.

PMM: Die Euphorie für Factory Sounds hält sich bei Usern oftmals in Grenzen, und wie ich persönlich finde auch zu Recht. Andererseits sind sie wichtig, um das Spektrum des Instruments abzubilden. Wer wird für das Factory Voicing verantwortlich sein?

Stefan Schmidt: Das wird sich ergeben, wenn die ersten Schmidts verfügbar sind. Wir haben derzeit einen Prototyp, dieser wird z.Zt für die Bedienungsanleitung benötigt, und war vorher aufgrund des Redesigns und Softwareimplementierung für die Erstellung von Demo-Sounds kaum abkömmlich. Wir hatten zu Beginn 5 Prototypen in Planung , 2 wurden 2011 fertiggestellt , ein Prototyp wurde an Hans Zimmer verkauft. Um auf Deine Frage zurück zu kommen, wie Du in Deiner Frage richtig erwähnst, dienen die Demo-Sounds dazu das Soundspektrum des Schmidt abzubilden und ich freue mich schon sehr darauf zu hören, welche Klänge andere Musiker mit dem SCHMIDT programmieren werden.

PMM: Die Preise für analoge Klassiker sind ja mittlerweile teilweise in Sphären gestiegen, die jenseits von Gut und Böse sind. Verfolgst Du diese Entwicklungen? Und hast Du auch ab und zu Gelegenheit, Neuerscheinungen anderer Hersteller zu testen, wie etwa den Dave Smith Instruments Prophet 12?

Stefan Schmidt: Ich beschäftige mich momentan bewusst nicht mit anderen Synthesizern, dafür fehlt mir schlicht die Zeit, ebenso käme ich vielleicht ins Grübeln, ob ich beim Schmidt etwas vergessen habe (lacht).

Ich muss allerdings zugeben, dass das Interesse an analogen Klassikern (und auch neueren Datums) bei mir stetig abnimmt. Die Klassiker habe ich schon zur Genüge angehört, Neuere klingen entsprechend ähnlich und auf dem Analogsektor gibt es abgesehen von den Verpackungen kaum noch Innovation.

SCHMIDT Seite Wheels

SCHMIDT – Gediegenes Design aus der Feder von Axel Hartmann

PMM: Gibt es Pläne für weitere Instrumente, oder bist Du die nächsten Jahre mit dem SCHMIDT ausgebucht?

Stefan Schmidt: Natürlich gibt es genügend Pläne für andere Instrumente, deren Verwirklichung vom Gelingen des „SCHMIDT“ abhängt. Primäres Ziel ist ein erfolgreicher Verkauf der ersten Serie – und bei entsprechender Nachfrage eine zweite Serie oder eine andere Schmidt-Variante (Expander/Monophon). Das ist momentan jedoch nicht abschätzbar. Allerdings habe ich auch genügend Ideen für kostengünstige Kleingeräte. Nun gilt all meine Konzentration aber dem SCHMIDT.

PMM: Vielen Dank für das „Update“ und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Projekt!

Download: Schmidt_Flyer_Web

——————- Es folgt das erste Interview mit Stefan Schmidt aus dem Herbst 2011 ——————-

PMM: Auf der Frankfurter Musikmesse 2011 hast Du den SCHMIDT das erste Mal einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, was hat sich seitdem bei Dir getan?

Stefan Schmidt: Die Messe war in jedem Fall ein großer Erfolg für mich, auch, dass ich es nach der langen Entwicklungszeit von ca. 8 Jahren überhaupt soweit geschafft habe.

Nebenbei bemerkt, das Gerät war vor allem in dieser Größenordnung so nie geplant ebenso wenig wie die sehr lange Entwicklungszeit. Das Projekt wuchs ständig und am Ende hatte ich schon meine Zweifel es jemals fertig stellen zu können. Dass der „SCHMIDT“ auf der Messe einen so großen Anklang gefunden hat und hier und da sogar von einem Highlight gesprochen wurde, habe ich in diesem Maße nicht erwartet. Ein Erfolg, auch wenn sich bisher daraus noch kein finanzieller Erfolg ergeben hat.

PMM: Wie kommt man eigentlich auf die Idee, ein Instrument wie den SCHMIDT zu bauen?

Stefan Schmidt: Nun ja, die Wurzeln hierfür reichen sehr weit zurück. Eines meiner letzten Projekte bei MAM, vor ca. 9 Jahren, war der Nachbau des Moog Taurus I. Nachdem der Prototyp nach zahlreichen Vergleichstests, mit verbundenen Augen, vom Original klanglich kaum zu unterscheiden war, haben wir diesen auf der Messe vorgestellt. Es handelte sich – um diese möglichst kostengünstig anbieten zu können – vorerst um eine reine Expander-Version (also ohne Pedal). Bei entsprechender Nachfrage hätte ich dann die Pedal-Version „nachgereicht“. So war es zumindest geplant.

SCHMIDT Synthesizer

SCHMIDT Synthesizer

PMM: Vom Taurus zum SCHMIDT ist es ein beachtlicher Weg. Wie kam es zu diesen „Abweichungen“ von Deiner ursprünglichen Idee?

Stefan Schmidt: Das Taurus-Projekt ging total in die Hose und glaube mir, für uns gab es damals überhaupt nichts zu lachen.Das Interesse an unserem Taurus-Expander war so verschwindend gering, dass an eine Fortführung des Projekts nicht zu denken war. Hinzu kam, dass die Umsätze bei MAM „im Keller“ waren, uns also nur noch ein „Renner“ hätte retten können.

Ich muss sagen, dass ich damals vom Musikbusiness „die Schnauze voll hatte“. Es macht zwar irgendwie Spaß, die kopfzerbrechende Frage ob und wie man damit Geld verdienen kann, verdirbt einem aber mitunter den Spaß.

Infolgedessen schied ich bei MAM aus und begab mich auf Jobsuche. Nebenher habe ich an dem Taurus-Expander hobbymäßig (so machte dies auch Spaß!) weitergearbeitet, d.h, mehr und mehr Features hinzugefügt gleichzeitig aber Taurus-spezifische Features entfernt. Mir war nämlich zu Ohren gekommen, dass ein anderer Hersteller mit dem passenden Label dazu ebenfalls an einem Taurus arbeitet – das Thema Taurus in naher Zukunft also bald ausgelutscht sein würde. Obwohl der SCHMIDT aus dem Taurus entstanden ist, hat er mit diesem dennoch nichts mehr gemeinsam.

Da es ausschließlich ein Hobby-Projekt war, standen Kriterien wie Bedienbarkeit, Soundvielfalt, soweit mit dem vorhandenen, analogen Elektronik-Restbestand machbar, und Soundqualität im Vordergrund. Die Absicht ein vermaktbares Produkt daraus zu machen hatte ich nicht.

Nach ca. 3-4 Jahren war die monophone Version fertig, mit provisorischer Bedieneinheit, jedoch ohne Gehäuse. Die Elektronik habe ich von vorn herein auf der Basis mehrerer stackbarer Voicekarten (maximal 8) konzipiert, da ich als nächstes bereits eine duophone Variante in Planung hatte.

Die technischen Voraussetzungen zur Polyphonie waren prinzipiell gegeben und der noch folgende Aufwand für Bedieneinheit, Software und das Gehäuse wäre in Hinblick auf eine monophone Variante unverhältnismäßig hoch gewesen. Diese Überlegungen und die Tatsache, dass ich schon immer die alten analogen „Schlachtschiffe“ wie Jupiter 8, Matrix 12 usw. bewundert habe, mir diese aber nie leisten konnte, nun aber die Möglichkeit hatte selbst einmal ein solches „Schlachtschiff“ realisieren zu können, hat mich derart in den Bann gezogen, dass ich meinen Job gekündigt habe, um mich ausschließlich dem nun polyphonen Synthesizer zu widmen.

Den noch erforderlichen Zeitaufwand, vor allem für das Gehäuse, habe ich unterschätzt und aus geplanten zwei Jahren wurden letztendlich vier. Da auch meine finanziellen Mittel schneller als geplant erschöpft waren, wäre die Realisierung des sehr kostenintensiven Prototyps ohne die finanzielle Unterstützung der Fa. EMC nicht möglich gewesen. Ebenso war EMC als „Kenner“ analoger Geräte federführend bei der Gestaltung des gelungenen Designs.

SCHMIDT

SCHMIDT Synthesizer

PMM: Hattest Du denn nie die Absicht, daraus Kapital zu schlagen?

Stefan Schmidt: Definitiv nicht. Ich glaube, die Vermarktungschancen für analoge Großprojekte generell sind kaum mehr gegeben und sie hängen von sehr vielen Faktoren ab, die keineswegs kalkulierbar bzw. abschätzbar sind. Die Option auf ein Business besteht prinzipiell zwar immer, aber es planen zu wollen ist sehr schwierig.

PMM: Welche Faktoren sind Deiner Meinung nach besonders kritisch?

Stefan Schmidt: Der meiner Meinung nach entscheidende Faktor ist die Entwicklung am Bauteilemarkt. Die rasante Entwicklung auf dem digitalen Sektor bietet sowohl genügend Potenzial an Innovationen als auch die Möglichkeit zur stetigen Senkung der Verkaufspreise.

Eher umgekehrt ist die Entwicklung auf dem analogen Sektor. Die Preisentwicklung geht nach oben. Neue Bauteile, die Hoffnung auf Innovation machen würden gibt es kaum. Und auch der reine Nachbau („Clonen“) wird wegen abgekündigter Bauteile immer schwieriger. Die Zeiten, als es noch analoge „Synthesizer-Chips“ gab – als Voraussetzung für die Realisierung analoger polyphoner Synthesizer – gehören längst der Vergangenheit an, diskrete Lösungen sind zumindest für Großprojekte kosten- und zeitintensiv.

Keine oder nur wenig Innovation bei den Analogen fördert nicht gerade den Kaufanreiz. Um diesen anzukurbeln ist man als Hersteller gezwungen wie auch immer die Preise zu senken oder mit anderen Ersatzlösungen einen „must have“ Effekt zu erzielen. Viele Hersteller sind da sehr erfinderisch und liefern auch gute Produkte. Die eigentlichen Qualitäten eines Produkts, sie waren ursprünglich musikalischer Natur, entscheiden aber immer weniger über den Verkaufserfolg, vielmehr hat das Marketing heute einen entscheidenden Anteil am Erfolg oder Misserfolg.

SCHMIDT hinten

SCHMIDT – Einzelausgänge

PMM: No comment.

Stefan Schmidt: All dies zieht einen weiteren nicht außer Acht zu lassenden Faktor nach sich – analoge Legenden beruhen zwar auf einer antiquierten Technik, sind aber hinsichtlich ihrer Ausgereiftheit immer noch das Maß aller Dinge. „Neuanaloge“ können ihnen da nicht mehr das Wasser reichen, womit denn auch. Die Legenden entstammen letztendlich aus einer Zeit, in der es noch die Intention des Entwicklers war ein Musikinstrument zu bauen und keine „cash-cow“. Das spiegelt sich auch im Klang wieder, und der Begriff „legendärer Sound“ ist keineswegs nur eine Floskel!

Dies erschwert natürlich die Vermarktungschancen „Neuanaloger“. Sie haben nicht nur moderne Klangerzeuger als Konkurrenten – Stichwort „Preis“ – sondern auch die „Altanalogen“ wegen ihres hohen Images. Das „Clonen“ ist nichts anderes als ein Versuch aus diesem Image Kapital zu schlagen. Es gelingt umso besser, je mehr man dieses Image marketingtechnisch künstlich in die Höhe treibt. Innovation bleibt da auf der Strecke und ist vielleicht auch nicht erwünscht.

Um meiner zugegeben sehr kritischen Darstellung Wind aus den Segeln zu nehmen möchte ich abschließend bemerken – analoge Klangerzeuger haben ihre Daseinsberechtigung und sollten diese auch in Zukunft haben. Sie verdienen zu Recht die Bezeichnung „Musikinstrument“, vor allem deswegen weil sie sich aufgrund ihrer Fehler, Toleranzen und fehlenden Präzision durch ein hohes Maß an Natürlichkeit auszeichnen. Mögen digitale Klangerzeuger noch so gut klingen und wenig kosten, es sind und werden doch nur Rechenmaschinen bleiben.

PMM: Du bist vorhin auf die Probleme eingegangen, die man als Entwickler analoger Schaltungstechnik hat. Wie sah es denn bei Dir aus, z.B. hinsichtlich der Verfügbarkeit von Bauteilen?

Stefan Schmidt: Ich verwende im SCHMIDT keine „alten“ Synthesizer-Chips, alle Schaltungen sind diskret mit noch verfügbaren Bauteilen realisiert. Natürlich basieren Hüllkurven und LFOs auf Softwarebasis. Die moderne Controller-bzw. Wandlertechnik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, so dass diese reinen analogen Lösungen absolut ebenbürtig sind. Der Performance wegen und wegen der hohen Anzahl an Modulatoren sind beim SCHMIDT mehrere autonome Controller-Einheiten im Einsatz.

Die Gefahr abgekündigter Bauteile besteht natürlich auch beim SCHMIDT. Eine Abkündigung bedeutet nicht zwingend das Aus eines Projekts, da oftmals noch große Restbestände auf dem Bauteilemarkt existieren – auch mehrere Jahre nach einer Abkündigung. Die Beschaffung obsoleter Bauteile kann dennoch zu einem Problem werden, da sich von einem Moment zum anderen die Preise drastisch erhöhen. Bei knapp kalkulierten Produkten und hohen Stückzahlen ist dies eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Im Falle des SCHMIDTs sehe ich diese Gefahr hingegen nicht.

SCHMIDT Oszillator Sektion

SCHMIDT – Oszillator Sektion

PMM: Kannst Du uns bitte eine detaillierte Übersicht geben, was der SCHMIDT in der finalen Version an Bord haben wird?

Stefan Schmidt: Der Messe-Prototyp ist funktionell schon die finale Version, abgesehen von einigen Gehäuse-Modifikationen und der noch zu kompletierenden Software.

• 8 Voices mit Multimode und Einzelausgängen
• Zugriff auf alle Parameter über Bedienelemente

Pro Voice:
• 4 analoge Oszillatoren
• 5 analoge Filter
• 2 Moog Ladder Tiefpass-Filter mit Hochpass, Bandpass Erweiterung
• 2 Duale Multimode-Filter, Distortion
• 1 12dB-Tiefpassfilter
• Jeweils separate Modulatoren (Envelopes, LFOs) für Filter und Oszillatoren
• Stereo-Panning
• Separater Master Envelope
• Filter-Überblend Funktion
• Controller: Joystick, Aftertouch, Mod-Wheel, auf alle Parameter routbar

PMM: Lass uns mit den Oszillatoren beginnen. Vier Stück an der Zahl pro Stimme bieten einem so manches. Wodurch zeichnen sich diese aus?

Stefan Schmidt: Die 4 Oszillatoren unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wellenformen
• Osz1: Saw, Square, Pulse, Noise, 4-fach Pulse, Ringmodulator
• Osz2: Saw, Square, Pulse, Noise, Ringmodulator
• Osz3: Saw, Square, Pulse, Sync + Suboszillator
• Osz4: mehrfacher Ringmodulator, “metallic Noise”

Dreieck- bzw. sinusähnliche Spektren können mittels Filter (davon gibt es ja genügend) generiert werden.

SCHMIDT Oszillator 4

SCHMIDT – Vier analoge Oszillatoren. Osz4 – mehrfacher Ringmodulator

PMM: Kannst Du uns bitte „metallic Noise“ etwas genauer erklären?

Stefan Schmidt: Es entsteht durch eine Kette mehrerer Ringmodulatoren mit unterschiedlich gestimmten Oszillatoren. Es entsteht dabei ein rauschähnlicher Klang, der im Gegensatz zum weißen Rauschen auch deutlich hörbare harmonische Anteile besitzt, quasi auch eine „Tonhöhe“ hat. Ich habe es „metallic Noise“ genannt, da im Analogbereich auf diese Weise metallische Schlaginstrumente wie Cymbal, Hihat etc. nachgebildet wurden.

PMM: Was ist daran digital und in welchen anderen Instrumenten wurde und wird diese Technologie ebenfalls genauso verwendet?

Stefan Schmidt: Das ist eine sehr gute Frage, auf die ich etwas genauer eingehen möchte.

Dass es sich bei meinen Oszillatoren um DCOs handelt hat sich sicherlich schon herumgesprochen. Dass diese Tatsache eine Diskussion entfachen wird, habe ich natürlich erwartet. Diese sollte aber wenn schon dann sachlich geführt werden und aufgrund mangelnder Sachkenntnis nicht zu einem „dummen Gelabere“ ausarten.

DCOs wurden seinerzeit entwickelt um eine marginale Schwäche klassischer analoger VCOs – ihre schlechte Stimmstabilität – in den Griff zu bekommen. Eine Variante besteht darin, einen VCO mittels eines digitalen Oszillators (stabil, da auf Quarz-Basis) zu synchronisieren. Die Wellenform erzeugt nach wie vor der VCO (also rein analog), mit dem Unterschied, dass diesem die Frequenz des digitalen Oszillators „aufgezwungen“ wird. Typische „DCO-ler“, die nach diesem Prinzip arbeiten sind z.B der Juno 6/60, Matrix 1000 oder Matrix 6.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Der technisch korrekte Begriff für diese Variante wäre eigentlich TCVCO „Timer Controlled VCO“. Der Begriff DCO „Digital Controlled Oszillator“ als Oberbegriff beinhalt auch Varianten, die rein digital realisiert sind, eine Tatsache, die sicherlich zum schlechten Ruf von DCOs beigetragen hat.

Ich habe bei meinen Oszillatoren die „TCVCO“ Variante übernommen, jedoch weiterentwickelt – vor allem ein sehr fein einstellbares Fein-Tuning – und darüberhinaus jedem Oszillator eine eigene Control-Einheit spendiert. Alle Oszillatoren laufen also autonom, sind also nicht gekoppelt. Im Gegensatz zu reinen VCOs besteht somit auch nicht die Gefahr des „Einrastens“.

SCHMIDT Filter

SCHMIDT – Die Filtersektion: Zwei Moog Ladder Tiefpass-Filter mit Hochpass, Bandpass Erweiterung, zwei duale Multimode-Filter mit Distorsion und ein 12dB-Tiefpassfilter

PMM: Kannst Du uns das bitte etwas genauer erklären?

Stefan Schmidt: Man spricht davon, wenn sich 2 Oszillatoren bei geringfügiger Verstimmung gegenseitig so beeinflussen, dass diese auf gleicher Frequenz schwingen. Ursache hierfür ist meistens ein schlechtes Leiterplattendesign und ärgerlich, da niedrige Schwebungen damit nicht möglich sind. Ich möchte zum Thema DCO vs. VCO noch eines sagen, beide haben sowohl Vor- und Nachteile. Es wäre meiner Meinung nach aber unfair, den folgenden gravierenden Unterschied unter den Tisch zu kehren:DCOs arbeiten prinzipiell stabil und zuverlässig – ohne Einschränkung und quasi bis an ihr Lebensende. Man kann sehr feine Verstimmungen gezielt programmieren, und das auch exakt reproduzierbar. Bei VCOs ist das nicht möglich. Sollte die Stimmungsstabilität ein vertretbares Maß überschreiten, leidet die Soundqualität oft stark darunter. Auch das ist damals wie heute Vielen ein großes Ärgernis, was man in einschlägigen Foren auch immer wieder lesen kann.

Die Soundqualität eines analogen Synthesizers hängt neben den Oszillatoren natürlich auch noch von zahlreichen anderen Faktoren ab, wie der Art und Anzahl der Filter, von den Modulationsquellen, vom Gesamtkonzept und seiner Komplexität und zahlreichen anderen Faktoren. Letztendlich ist allein entscheidend wie es klingt, wie dies technisch realisiert ist, sei es nun digital, analog oder virtuell analog ist mir eigentlich ganz egal.

PMM: Nach den Oszillatoren geht es in den Mischer, der ebenfalls einige Features bietet, aber von der Filtersektion übertrumpft wird. Kannst Du uns bitte etwas zu dieser sagen?

Stefan Schmidt: Die Filtersektion ist zweifellos die leistungsfähigste Komponente, sozusagen das Herz des SCHMIDTs.
Sie besteht aus 2 identischen Gruppen, wobei jede Gruppe aus einem Moog Ladder Filter und einem dualen Multimode-Filter besteht. Dual bedeutet 2 parallel geschaltete Einzelfilter mit unterschiedlich wählbaren Filtertypen: Tiefpass, Hochpass und Bandpass. Inspiriert hat mich dabei die phantastisch klingende Filterstruktur des Matrix 12.

Die beiden Filter Moog/Dual Multimoder können wahlweise parallel oder seriell geschaltet werden. Alle Filter besitzen separate Modulationsquellen (ENVs + LFOs) und sind zusätzlich durch einen Oszillator modulierbar. Ein weiteres Feature sind die zusätzlichen Modi Bandpass und Hochpass bei den Moog Filtern.

Den beiden Filter-Gruppen kann am Ausgang noch ein 5. Filter (Tiefpass, ohne Modulation) hinzugemischt werden. Damit lässt sich das Ausgangssignal wieder mit druckvollen Bass-Anteilen auffrischen, falls die Gruppenfilter speziell für Bandpass- bzw. Hochpassfilterung genutzt werden sollten.

SCHMIDT Filter Sektion unten

SCHMIDT – Filtersektion

PMM: Wenn ich mich korrekt erinnere, so hat man direkten Zugriff auf jeden Parameter. Wichtig ist auch, dass die einzelnen Blöcke fest verdrahtet sind, mitunter Ursache für eine stattliche Anzahl an Envelopes und LFOs. Was bietet der SCHMIDT, was man in anderen Systemen so nicht oder zumindest selten antrifft?

Stefan Schmidt: In funktioneller Hinsicht wüsste ich kein Detail, das mit entsprechend ausgestatteten Modularsystemen nicht ebenso gut realisiert werden könnte. Dies liegt daran, dass die Klangerzeugung ja auf einfachen Basiskomponenten beruht.
Aber: Das Konzept der Festverdrahtung und der „Volleditierbarkeit“ erlaubt meiner Meinung nach eine wesentlich intuitivere und schnellere Vorgehensweise bei der Sounderstellung – verbunden auch mit einem höheren Spaßfaktor. Dazu trägt vor allem das Modulationskonzept des SCHMIDTs bei (viele separate Modulationsquellen), etwas, das bei anderen Synthesizern in dieser Form selten anzutreffen ist. Diese arbeiten typisch auf Basis einer Modulationsmatrix, die zugegeben wesentlich mehr Möglichkeiten bietet, oft aber sehr komplex ist und dann regelrecht in Arbeit ausartet.

Als ein Beispiel möchte ich das Volume-Control des SCHMIDTs anführen. Die aus 4 Filtern bestehende Filtersektion ist am Ausgang zu je 2 Gruppen zusammengeschaltet. Deren Volume-Mix kann dann entweder manuell, durch Velocity, oder zeitlich mittels einer eigenen Überblendfunktion gesteuert werden – einfach und schnell editierbar. Hinter dem Mix gibt es natürlich noch ein Master-ADSR.
Alternativ hätte man jedem Teilfilter ein eigenes Volume-ADSR spendieren können, oder aber ein komplexes Scanner-Modul. Dies würde jedoch einen erheblichen Editieraufwand nach sich ziehen.

PMM: Wenn man das alles hört, stellt sich die Frage ob es irgendetwas gibt, dass Du unbedingt in den SCHMIDT einbauen wolltest, aber aus technischen oder anderen Gründen nicht umsetzen konntest?

Stefan Schmidt: Natürlich. Gäbe es in ausreichender Verfügbarkeit und zu einem günstigen Preis noch die „alt bewährten“ oder weiterentwickelten Synthesizer-Chips, hätte ich diese allen diskreten Lösungen vorgezogen – bei monophonen Synthesizern nicht unbedingt, aber bei Polyphonen der Schlüssel dafür, einen akzeptablen Preis zu ermöglichen. Als Beispiele möchte ich hierfür den Präzisions-VCO CEM3340 oder den CEM 3372 (Multimode-Filter!) nennen.

Auch wenn es genügend sehr gute Effektgeräte gibt, hatte ich des Weiteren eine hochwertige analoge Effeksektion in Planung. Ein auf Eimerketten basierendes Delay inklusive Chorus+Flanger. Ich konnte dies aus Zeitgründen nicht verwirklichen, da auch dies, der Klangerzeugung entsprechend, überdimensional groß geworden wäre.

Daneben, gibt es vor allem im Analog-Bereich genügend andere hervorragende Module, wie Waveshaper, Verzerrer, andere Filter-Typen, komplexe Modulationen, u.v.m. Hätte ich all das implementieren wollen, dann wäre mein „Schlachtschiff“ immer noch im Trockendock und vielleicht auch niemals seetauglich (lacht).

SCHMIDT VCF2

SCHMIDT – Filtersektion, Detail

PMM: Welche Synthesizer findest Du interessant und warum? Welche sind Deine Lieblingsinstrumente?

Stefan Schmidt: Zur Zeit der analogen Ära waren meine Lieblingsinstrumente aufgrund ihrer Soundmöglichkeiten der Oberheim Matrix 12 und der Roland Jupiter 8 (dieser war auch der Optik wegen mein Top-Favorit). Mich hat generell alles Neue begeistert, wenn es denn neue Soundmöglichkeiten bot, so z.B. vor allem Yamahas DX7, insbesondere aber die Sampler und „Rompler“.

Im Laufe der Zeit hat sich die Synthesizer-Technologie so rasant entwickelt, dass moderne Synthesizer für mich persönlich alle hervorragend klingen und vor allem gibt es für die unterschiedlichsten Anwendungen und Musikrichtungen unzählige Top-Geräte. Nebenbei bemerkt: Ich bin kein Profi-Musiker und könnte da durchaus falsch liegen.

PMM: Wann hast Du eigentlich mit der Entwicklung begonnen? Und weißt Du, wieviel Zeit insgesamt Du bisher in dieses Projekt investiert hast?

Stefan Schmidt: Begonnen habe ich vor ca. 8 Jahren. Wie viel ich an Arbeitszeit effektiv investiert habe kann ich nicht beantworten, da ich während dieser Zeit einige Breaks machte und auch Nebenjobs hatte.

PMM: Sicherlich spreche ich nicht nur für mich, wenn ich sage: Viel Erfolg mit dem SCHMIDT! Derart an ein Projekt zu glauben, es nicht aus den Augen zu verlieren, das ringt mir Respekt ab. Es hat bestimmt auch Phasen gegeben, die alles andere als leicht für Dich waren. Wie geht es denn nun mit dem SCHMIDT weiter?

Stefan Schmidt: Danke, dass Du mir dabei Erfolg wünscht! Wie Du richtig erwähnt hast, gab es Phasen die nicht leicht waren und Anlass genug gegeben hätten, das Projekt abzubrechen. Sicherlich habe ich mir mit diesem Projekt auch einen kleinen Traum verwirklicht, die Frage wovon ich denn eigentlich leben soll und ob der Synthesizer jemals dazu beitragen kann hing schon sehr wie das Schwert des Damokles über mir.

Die Frage wie es mit dem SCHMIDT (besser gesagt: mit den SCHMIDTs) weitergeht ist noch ungeklärt, es sprechen sowohl Gründe dafür es bei dem Prototyp zu belassen, als auch eine Kleinserie anzupeilen. Ich glaube es kann sich jeder denken, dass es sich dabei primär um Gründe finanzieller Natur handelt.

Ich bin zur Zeit dabei, dies sorgfältig abzuwägen. Wie schon erwähnt, habe ich den für die Entwicklung erforderlichen Zeitaufand gewaltig unterschätzt, bei einer Kleinserie käme noch ein großer finanzieller Aufwand hinzu. Abgesehen davon ist der Markt für ein so hochpreisiges Gerät extrem „dünn“.

Eine Kleinserie – genauer gesagt „Kleinsterie“ – wäre natürlich toll.

SCHMIDT

SCHMIDT – Zum ersten Mal vorgestellt auf der Frankfurter Musikmesse 2011

PMM Wie ist denn der aktuelle Status Quo 2011? Und hier natürlich noch die Fragen, die sehr viele beschäftigen:  Kannst Du schon etwas über den Kaufpreis, der Anzahl der gebauten SCHMIDTs sagen, wann werden die ersten fertig sein und bei wem bestellt man den SCHMIDT, direkt bei Dir?

Stefan Schmidt: Ich habe auf der Messe keine Angaben über den möglichen Kaufpreis gemacht, war also sehr erstaunt als mir mitgeteilt wurde, dieser soll etwa bei 25.000.- Euro liegen. Ich bin zur Zeit bei der Kalkulation einer Kleinstserie. Aber es ist noch zu früh um über Preis und Stückzahl genaue Angaben machen zu können und bitte daher um Verständnis.

Natürlich – und das kann sich jeder leicht vorstellen – wird eine entscheidende Frage die der Finanzierung sein. Zum momentanen Zeitpunkt ist diese noch nicht wirklich geklärt. Also verzeih mir, wenn ich zu weiteren Fragen keine Angaben machen kann. Ich will keine Versprechungen machen, wenn ich diese am Ende nicht einhalten könnte!

Nun aber noch zum Status Quo. Ich bin dabei, am Gehäuse ein paar notwendige Änderungen vorzunehmen. Das Gerät wird sorgfältig getestet und die Software ist noch zu komplettieren. Funktionalität und Bedienkonzept entsprechen dem Prototyp, da wird nichts mehr geändert!

PMM: Ein Instrument, dass eine derartige Entwicklungszeit verschlungen hat, in Handarbeit in Deutschland gefertigt wird, das hat seinen Preis und wird vermutlich nur für einen erlesenen Interessentenkreis erschwinglich sein. Ich wünsche Dir in jedem Fall viel Erfolg und würde mich freuen, wenn Du uns am Laufenden hältst.

Vielen Dank für das Interview Stefan!

Mein spezieller Dank geht an Klaus P. Rausch.

4 thoughts on “Interview Stefan Schmidt – Der SCHMIDT Synthesizer

victoria

es wäre echt toll, vom Schmidt Synthesizer mal ein paar neue Sounds zu hören,
in allen youtube videos sind immer die selben zu hören.
abgesehen davon klingt er einfach nur fantatisch.

Reply
    petermmahr

    Hast Du die Klangbeispiele auf der emc Webseite gehört? Mir persönlich wissen die meisten zwar nicht wirklich zu gefallen, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. 🙂

    Auf der diesjährigen FMM hat Stefan Schmidt vor Ort ganz andere Klänge demonstriert. Ein Freund, der zunächst skeptisch war, verliess den Messestand ziemlich begeistert. Generell bin ich der Ansicht, dass die Vermarktung Potenzial hat. Ausserhalb der Musikbranche würde man sich als Unternehmen vermutlich Sorgen machen, nicht das Bild eines ungeliebten Kindes entstehen zu lassen.

    Reply
    mic

    Hallo, vielen Dank für die Interviews, endlich mal Details!
    Was sind denn für euch die klanglichen Highlights aus den verfügbaren Beispielen?
    BTW, dass die LFOs und ENVs digital generiert sind ist ökonomisch sinnvoll und zeitgemäß, aber in den 2011er Videos, wo er zB explizit gefragt wird [1], kommt das mMn nicht so rüber! Tut aber dem Habenwollen-Reflex keinen Abbruch!
    [1] http://www.youtube.com/watch?v=x5_AQJXhDEQ&t=83

    Reply
      petermmahr

      Gerne!

      Beste Grüße,
      Peter

      Reply

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