Jugendtraum – Sequential T-8

Wie oft bekommt man sie, die Chance sich einen Jugendtraum zu erfüllen? Und wie oft passt in einem solchen Moment alles zusammen?

Im Falle des Roland Jupiter-8 liess ich sie ziehen. Die Entscheidung bereue ich bis heute nicht, wurde mir doch irgendwann klar, dass es um etwas ganz anderes ging.

Ich will gar nicht erst die Geschichte ausgraben, jenen Tag im Wiener „for music“, der den Sequential T-8 zu einem besonderen und desiderablen Instrument für mich hat werden lassen. Bedingt durch die überschaubare Zahl produzierter Exemplare, war meine Hoffnung stets gering auf ein technisch, wie optisch in gutem Zustand befindliches Exemplar zu stossen. Doch der Zufall führte Regie und so ist es meinem Freund Werner zu verdanken, dass ich völlig unerwartet die Gelegenheit erhielt….. und diese nutzte.

Die Tastatur des Sequential T-8 ist eine der besten, die jemals in einem Synthesizer verbaut wurde. Dieser Meinung war man offenbar auch bei New England Digital, die ihrem Synclavier eben diese Tastatur spendierten.

Verstreuten die Wheels des Minimoogs noch den zackigen Charme von Zahnrädern, so hat man sich bei Sequential für eine andere, feinere Lösung entschieden. Alleine der Zeitpunkt seines Erscheinens war ungünstig. Yamahas DX-7 zog nahezu alles Interesse auf sich.

Wenngleich die Klangerzeugung nicht zu den flexibelsten ihrer Art zählt, lässt sich der T-8 Dank seiner Tastatur sehr ausdrucksstark spielen. So ist er für mich nicht nur optisch ein wunderschönes Instrument. Einzig der Rhodes Chroma kommt ihm nahe.

Wie klingt der T-8?

Zunächst eine Sequenz kurzer Klangbeispiele auf SoundCloud gefolgt von einem mp3 eines Padsounds.

Klang 1: Womit sonst sollte man ein Demo eines Sequential Synthesizers der frühen Achtziger beginnen als mit einem „Brass“ Sound? Im Vergleich zum Prophet 5 hier allerdings unter Verwendung von Velocity.

Klang 2: Als Gegenpol zum Alten, folgt ein etwas moderner anmutender Sound.

Klang 3: Pad Reminiszenz zu einem meiner OB-6 Sounds.

Klang 4: Polysynth, zunächst dry, etwas später + Effekt

Klang 5: Ein weiteres Pad und in gewisser Hinsicht ebenfalls eine Reminiszenz, allerdings unter Verwendung des polyphonen Aftertouchs. Dieser lässt sich entgegen meiner Erwartung leicht kontrollieren und steuern. Zunächst dry, dann + Effekt.

Klang 6: Variation von #2

Und hier der versprochene Padsound (kein EQ, keine Kompression, keine Effekte – T-8 dry), den ich zunächst per MIDI eingespielt habe um bei der Aufnahme den CUTOFF Regler zu bedienen (Stichwort „Stufen“):

9 Kommentare

  1. Geniesse es. Super Sache…

    • Peter M Mahr

      30. Juni 2018 um 8:38

      Danke Georg. Das werde ich machen. Der T-8 hat nun auch schon sein Platzerl im Studio gefunden.

  2. Ohne Atem:-) atemberaubend für einen echten Prophet – Fan, da trauer ich meinem Prophet 5 nach, wie schon erzählt 2012 im Sommer habe ich den für 3-4 Stunden von Lillo Scrimalli erworben, der hatte aber einen Defekt, ein Jahr später kam dann der Prophet 5 in ähnlich gutem Zustand, den ich lieder 2 Jahre später verkauft habe.

    Der T8 sollte Dir erhalten bleiben so gut sieht der aus, viel Spaß mit ein wenig liebevollem Neid, Traumsynthesizer (durchgeatmet:-))

    • Peter M Mahr

      30. Juni 2018 um 8:57

      Die Instrumente aus dieser Ära haben ohne Zweifel ihre Eigenheiten. Die hatten damals schon und die wurden seitdem eher nicht weniger. Der Memorymoog ist da vielleicht eine Ausnahme. Aber z.B. OB-X(a) und der original Memorymoog zeichnen sich schon eher durch Macken als durch liebgewordene Eigenheiten aus. Marko wird das im Falle der Oberheims bestimmt anders sehen. Der geht auch richtig mit seinen Instrumenten um. Das war offenbar nicht bei allen Besitzern der Fall. Hier, bei diesem T-8 ist es wie bei Marko. Zumindest optisch ist er, der T-8, nicht Marko, für sein Alter in einem tadellosen Zustand. Gut, zum Touren war er vielen wohl zu gross und zu schwer. Dabei ist die Tastatur ein echter Traum und MIDI war standard. Letztens habe ich das Piano aus Keyscape mit dem T-8 gespielt – s e h r, s e h r fein.

      Technisch hat er ab und zu seine Eigenheiten, aber bis dato ist das für mich im grünen Bereich und ich beginne dieses Instrument zu lieben. Es mag nicht die flexibelste Klangerzeugung haben, bedingt durch die Tastatur und den polyphonen Aftertouch lässt sich aber doch so manches kompensieren. Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich derart schnell mit dem polyphonen Aftertouch zurecht komme.

      Vielleicht noch kurz zum Prophet 5. Leider ist das zu lange her um hier guten Gewissens einen – ohnehin von mir nicht wirklich gewollten – Vergleich anzustellen. Da Du ihn aber angesprochen hast…. also unter der eben erwähnten Einschränkung behaupte ich, dass der Prophet 5 schon nochmals anders klingt. Kein grosser Unterschied, aber doch einer. Aber gut, ich behaupte ja auch, dass mein Minimoog Reissue nicht wie „ein“ Original klingt. Seeeeehr nahe dran, das ist er. Ohne jeglichen Zweifel, aber nach meinem Dafürhalten gibt es da noch einen kleinen Unterschied. Schwer zu beschreiben und damit an manchen Orten bestimmt Gegenstand wilder Diskussionen im Nanobereich. :) Als Vergleichsobjekt diente mir Georgs Mini. Zugegeben, der ist technisch / musikalisch jetzt nicht auf „Letztstand“ ;-) [sorry Georg], aber das hat mich nicht davon abgehalten nach dem Betätigen der ersten Taste zu sagen… der tönt anders. ABER, alles im Nanobereich. Ich habe jetzt _mein_ Studio und freue mich darauf die Zeit mehr spielend zu verbringen. Alle Voraussetzungen gab es schon zuvor, wenig Grund für Ausreden auch, nun aber gibt es gar keine mehr. Ich bin am Ziel angelangt. Vielleicht sollte ich jetzt auf Bergsteigen und Klettern umsteign. :))

      Danke für Deinen Wunsch, dem ich mich anschliesse. Möge mir der T-8 so erhalten bleiben wie er jetzt hier steht.

      Liebe Grüße,
      Peter

  3. Gratuliere – ein schönes Stück Synthesizergeschichte.

  4. Tja, was soll ich da noch sagen: riesige Freude, Teil einer Traumerfüllung zu sein…

  5. Rüdiger Gaenslen

    13. Juli 2018 um 17:47

    Wow, Peter, das ist ja ein Ding. Hätte nicht gedacht, dass du doch noch einen Vintage Synthesizer in dein Studio holst. Ich wünsch dir ganz viel Spaß damit. Herzlichen Glückwunsch auch dir zu diesem wundervollen Instrument. Leider soll der T8 ja furchtbar anfällig sein. Aber ich will dir keine Angst machen.
    Habe erst gestern meinen Prophet 5 vom Service geholt, der hat dafür jetzt noch eine Modifikation mit 960 Speicherplätzen und Aftertouch. Ich werde wohl mein ganzes Leben benötigen, um diese Speicher alle zu befüllen.

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