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Meine persönliche Weihnachtsgeschichte 2016

24. Dezember 2016 - Allgemein
Meine persönliche Weihnachtsgeschichte 2016

Ich weiss nicht ob es Ihnen ähnlich ergeht wie mir, manches Mal bin ich geneigt für einen Moment an der Menschheit zu verzweifeln. Die Ereignisse wie zuletzt in Berlin aber auch davor in Paris, Nizza, Aleppo u.s.w., tragen ihres dazu bei. Im nächsten Moment aber fällt mir ein wie unrecht ich mit dieser Verallgemeinerung vielen Menschen tue. Vor allem denen, die in meinem direkten Umfeld und bestimmt auch in Ihrem beweisen, dass es noch ganz andere Beispiele gibt. Solche von denen niemand berichtet.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen äusserst unerfreulichen Befund mitgeteilt bekommen. Eine nicht gerade einfache Phase meines Lebens war die Folge und die Überwindung eben dieser bedurfte nicht nur emotionaler Anstrengungen. Wer mir emotional besonders zur Seite stand, das weiss ich für immer zu schätzen, soll hier aber nicht Gegenstand dieses ohnehin sehr persönlichen Eintrags sein. Ihr und vor allem Du Fiona, wisst es. Hoffentlich. 🙂

Robby Williams hat es in einem seiner Songs einfach aber zutreffend formuliert -„I sit and talk to god but he just laughs at my plans“ … und so ist es mit den Plänen. Oft kommt es anders und anders als man denkt. Sprich, just in einem sehr ungünstigen Moment war ich aufgefordert einen stattlichen Geldbetrag zu organisieren. Mit „Breaking Bad“ und Walter White im Hinterkopf ;), war schnell klar welcher Plan nicht und welcher schon umgesetzt werden wollte. Und letzterer lautete, sich von so vielen Instrumenten und Geräten zu trennen um im Fall des Falles kein finanzielles Desaster zu hinterlassen (Ja Georg, in gewisser Hinsicht hattest Du damals Recht).

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„Jeder Abschied ist ein kleiner Tod“ ist für mich eines der schönsten Filmzitate, auch in diesem Kontext, hier aber weil es in keinster Weise zutraf. Erstaunt war ich mit welcher Leichtigkeit die meisten der „Geräte“ mein Studio verliessen. Der einst überladene Spielplatz leerte sich zusehends und heute sitze ich hier, mich fragend „Vermisse ich davon etwas?“. Eigentlich nein. „Eigentlich“? Na vielleicht den DSI OB-6…. blablabla … es ist nicht wirklich so und letztendlich auch nicht von Bedeutung. Worum es geht ist um euch alle, die ihr mir geholfen habt. Egal wie. Manch eine, manch einer weiss es vielleicht gar nicht. Ob wissentlich oder nicht ist am Ende bedeutungslos. Das ihr es getan habt hingegen nicht. Für mich nicht.

Zwei Beispiele muss ich aber erwähnen, weil sie ein „Wahnsinn“ sind. Ein ausschliesslich positiver „Wahnsinn“, wie er umgangssprachlich im Sinne von „unglaublich“ verortet ist.

Eines Tages schneite mir eine Email eines Freundes – ja, das bist Du! – ins Haus in der sinngemäss folgendes zu lesen stand: Bist Du am Freitag zu Hause? Ich bin ganz in Deiner Nähe (3 Stunden Autofahrt, in eine Richtung, das meiste davon auf der Autobahn), ich bringe Dir meinen JUNO-60 vorbei.“ Äh, wie bitte? Da fährt jemand an einem Freitag Abend, nach einer erschöpfenden Arbeitswoche, nach getaner Arbeit und einem anstrengenden Termin, am Abend zu mir um seinen JUNO-60 vorbei zu bringen? Ich kann den Teil abkürzen, ich konnte es Dir Rüdiger nicht ausreden und so steht er nun hier bei mir im Studio. DEIN Roland Juno-60. Ein „D a n k e“ tut es da nicht. Was übrigens nicht unerwähnt bleiben darf ist, dass mir mit dem Juno auch „Vintage Synthesizers“ von Mark Vail – liebevoll eingepackt – als Geschenk überreicht wurde. Ein „D a n k e Rüdiger“ alleine tut es da wahrlich nicht.

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Von den Instrumenten, die ich noch habe ist das AKAI MPC4000 eines davon. Es ist seit vielen Jahren mein treuer Begleiter und gerade ob seiner Ecken und Kanten, ein besonders lieb gewordener. Eines Tages hat ausgerechnet einer der beiden MIDI Eingänge seinen Geist (= heisst in dem Fall, seine Funktion) aufgegeben. [Szenenwechsel] Mit dem Umzug in meine neue Heimat habe ich auch zwei neue Freunde gewonnen. Und so habe ich einen davon gefragt, wie es sich denn bei seiner MPC verhält und ob er Rat wüsste. Die Konsequenz war, dass eben dieser ohne eine Sekunde zu zögern anbot „Bist Du morgen am Abend zu Hause? Ich komme zu Dir und hole sie ab.“. Punkt. Fertig. Und genau so war es. Wie gewohnt und von mir so geschätzt, traf eben dieser Freund auf die Minute genau ein (so sind sie die Schweizer und unter anderem mag ich sie genau deswegen so sehr). Damit aber nicht genug, hatte er auch sein Exemplar mitgebracht, damit ich weiterarbeiten kann während er den Patienten (gemeint ist meine MPC) kuriert. Hallo???? Und da soll ich an der Menschheit verzweifeln?

Werner, ich weiss Deine Zurückhaltung zu schätzen, aber dieses eine Mal lass mich Dich zumindest an dieser Stelle einmal namentlich erwähnen und Dir ganz herzlich danken. Vor allem auch da ich weiss, wie – Zensur – die MPC zum Aufmachen und Reparieren ist. Da hätte ich als Wiener schon stundenlang geraunzt. Von Dir? Kein Sterbenswörtchen.

Ich könnte mit Leichtigkeit noch mehr Beispiele aufzählen. Von einem Freund, der auf meine Frage ob er denn eine TR-808 besitzt, diese sogleich geputzt und zur Abholung bereit gemacht hat (Danke Georg). Oder von all den Emails, Telefonaten, Chats…

Euch allen, die ihr dieses Jahr für mich da ward, möchte ich an dieser Stelle ganz bewusst und öffentlich danken. Danke, dass ihr da ward und seid und Danke, dass es neben der ganztägigen Beschallung mit schlechten Nachrichten von euch gelebte positive Beispiele gibt.

Frohe Weihnachten.

Peter

Foto Juno-60 © Rüdiger G.

10 thoughts on “Meine persönliche Weihnachtsgeschichte 2016

Marcel

Lieber Peter,
danke für die Einblicke in Dein privates Leben. Auch wenn wir uns nur ein paar Mal und für nur sehr kurze Zeit gesehen haben, so gab es spontan eine Sympathie.
Ich wünsche Dir und den Deinen ein besinnliches Weihnachtsfest. Das mit der Besinnung meine ich wirklich so, und ich denke, dass Du einer bist, der auch weiß, was das eigentlich bedeutet.
Ich wünsche Dir vor allem Gesundheit, denn mit zunehmendem Alter und entsprechenden Erfahrungen wissen wir, wie wichtig das ist. Noch etwas Glück und dann auch noch Zufriedenheit und schon ist das Leben eigentlich perfekt.
Liebe Grüße
Marcel

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    Peter M Mahr

    Lieber Marcel,

    Ich kann mich Deinen Worten nur uneingeschränkt anschliessen und wünsche Dir und Deinen Lieben ein besinnliches Weihnachtsfest, und ruhige Tage danach.

    Was Du über das Altern schreibst ist auch völlig richtig. Ich musste schmunzeln, da ich auch immer „Gesundheit und Glück“ wünsche, da sich der Rest meines Erachtens von selbst ergibt. Wobei ich Deine Ergänzung in Zukunft übernehmen werde, da Zufriedenheit nicht zwingend daraus entsteht, aber bei Fehlen der beiden wohl auch nicht leicht möglich ist.

    Liebe Grüsse,
    Peter

    Reply
Johannes

Lieber Peter,
deine persönliche Weihnachtsgeschichte berührt mich. Und wieder erkenne ich Gemeinsamkeiten, obwohl wir uns leider noch nicht persönlich begegnet sind.
Ich wünsche dir und deinen Lieben frohe Weihnachten.
Johannes

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    Peter M Mahr

    Lieber Johannes,

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben wunderschöne, besinnliche Weihnachtsfeiertage.

    Liebe Grüsse,
    Peter

    ps: Vielleicht schaffen wir es ja einmal… 😉

    Reply
Markus

Hallo Peter,

ein schöner, privater Blogeintrag der sich dennoch um das Thema Musik rankt. Mir geht es wie Dir: Ich schaue bei den ganzen grausamen Nachrichten zum „runterkommen“ lieber auf meinen eigenen kleinen Mikrokosmos, mache die Nachrichten aus und freue mich an den positiven Dingen. Ansonsten dreht man doch auch durch. Und die privaten „Einschläge“ schafft man nur, wenn man genau solche Leute um sich hat, wie Du sie beschreibst. Dann verliert man auch den Glauben an die Menschheit nicht. Und Musik war für mich, obwohl ich mich lange Zeit intensiver mit Fotografie beschäftigt habe und Musik hinten an stand, zum Jahresende hin eine wohltuende Bereicherung.

In diesem Sinne wünsche ich Dir und allen Lesern besinnliche Weihnachtstage. Achtet auf Euch und bleibt gesund!

Liebe Grüße

Markus

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    Peter M Mahr

    Hallo Markus,

    In Anlehnung an „Warum in die Ferne schweifen? Sieh das Gute liegt so nah.“ halte ich es in letzter Zeit in gewisser Hinsicht sehr ähnlich. So informativ und interessant das Internet ist, so manipulativ und negativ kann es auch gleichzeitig sein. Zeitungen kaufe ich mir nur mehr sporadisch und um Nachrichtensendungen mache ich mittlerweile einen Bogen. Man bekommt immer noch genügend mit.

    Bei mir verspüre ich seitdem eine positivere Grundstimmung. Dazu tragen eben auch meine Freunde bei und zeigen vor allem, dass es im direkten Umfeld ganz anders ist. Natürlich kann man „den Sand nicht in den Kopf stecken“ (copyright A.H.), sprich sich ganz entkoppeln, aber die Gewichtung hat für much nicht gestimmt. Ich kann hier gar nicht alle Freunde namentlich erwähnen, und das zeigt eigentlich wie glücklich ich mich schätzen kann.

    Frohe Weihnachten an Dich Markus und Deine Lieben.

    Peter

    Reply
Urs

Lieber Peter
Danke für Deine offenen und sehr persönlichen Zeilen. Manchmal ist man derart in Arbeit „verstrickt“, dass man die wirklich wichtigen Dinge im Leben , wie zum Beispiel die Gesundheit verpasst, vergisst, verdrängt? Vo einigen Jahren ging es mir ähnlich wie dir und nun lebe ich intensiver…leider auch im Beruf:-) Momentan muss die Musik etwas „hinten anstehen“…neben der Pünktlichkeit, die du erwähnt hast, ist das Pflichtbewusstsein der Arbeit gegenüber wohl auch eine positive oder manchmal auch negative Eigenschaft der Schweizer…es freut mich sehr, dass du die Menschen hier von ihrer sehr treuherzigen und gastfreundlichen Seite her kennegelernt hast.
Ich hoffe, wir können über Gott und die Welt (und vor allem ) die Musik bald einmal eingehend plaudern..bei einem erholsamen Spaziergang in den geliebten Bergen unweit deines Wohnorts 🙂

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    Peter M Mahr

    Lieber Urs,

    Du hast es gut auf den Punkt gebracht. Fortsetzung in personam. 😉

    Peter

    Reply
Christian

Lieber Peter, ich war eine ganze Weile nicht mehr auf Deiner Seite. Heute nun lese ich Deine persönliche Weihnachtsgeschichte, die mich sehr berührt hat. Da wir uns ja nur hin und wieder auf amazona ausgetauscht hatten, wusste ich nichts von Deinen Problemen. Umso mehr freue ich mich, dass Du von sehr lieben Menschen und guten Freunden umgeben bist, die Dich in dieser Situation aufgefangen haben. Es gibt vieles im Leben, dass ungleich mehr zählt, als die „Dinge“, auch wenn wir uns gerne mit ihnen umgeben. Manche scheinen sich mit diesen materiellen Gütern (zu denen ja letztlich auch Musikinstrumente zählen) sogar zu identifizieren. Ich selbst war vor 12 Jahren in der Situation, praktisch alles was ich angesammelt hatte, verkaufen zu müssen. Freilich aus einem schönen Grund, weil sich Zwillinge ankündigten und wir damals sowohl den Platz als auch das Geld brauchten. Das Loslassen fiel mir nicht schwer. Und ich machte die Erfahrung: Ein reduziertes Rig ist nichts Schlechtes, eher im Gegenteil, man konzentriert sich auf das Wesentliche – die Musik. Ich wünsche Dir für 2017 alles erdenklich Gute. Peter Grandl will im Mai ja in München ein amazona-Treffen veranstalten. Vielleicht sehen wir uns da. Ich würde mich freuen. Sehr herzlich, Christian

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    Peter M Mahr

    Lieber Christian,

    Danke für Deine Worte, über die ich mich sehr gefreut habe.

    Die beiden Beispiele sind stellvertretend für viel Positives, das mir widerfahren ist. Und bei all den negativen Dingen die um uns geschehen, war es mir ein Bedürfnis das am 24.12. hier zu schreiben.

    Es würde mich freuen, wenn wir einander einmal träfen. Sei es auf der FMM, oder andernorts. Das amazona Treffen ist für Redakteure und all die anderen, die mithelfen und zum Erfolg der Seite beitragen. Als Konsument habe ich da nichts zu suchen. 🙂

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben alles, alles Gute für 2017.

    Liebe Grüsse,
    Peter

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