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Meine Rhodes Geschichte – Teil 1

16. Februar 2015 - Erfahrungsbericht, Taste
Meine Rhodes Geschichte – Teil 1

Wie es so mit alten Geschichten ist, haben sie ihren Anfang vor vielen, vielen Jahren und wenn dann einer beginnt zu erzählen, dann wird es oft lang. Sehr lang. Und da will ich jetzt nicht anfangen und einen auf Ausnahme machen….

Begonnen hat alles irgendwie und irgendwann Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Und es kommt noch schlimmer, mit einem Korg MS-20. Welch Zufall, dass vor nicht allzu langer Zeit dessen geschrumpfte Wiedergeburt die jungen Musikschaffenden heutzutage erfreut. So schließt sich der Kreis, wie es scheint. Damals von Musikern, ich meine so richtige Musiker, als „Einfingerquietscher“ abgetan war er mein Ein und Alles. Retrospektiv betrachtet waren zu der Zeit Rhodes durchaus gängige Instrumente und das zu fast vernünftigen Preisen. Wobei… aber egal. Mir waren sie damals ziemlich wuascht, weil unkuhl… und außerdem mit zwei Händen spielen? Soll das jetzt New Wave sein? Hallo??

Viele Jahre später, New Wave sah zu der Zeit schon längst ziemlich alt aus, sollten es MS-20 und der sich später dazu gesellende Mono/Poly es diesem Genre für mich gleich tun. Allerdings muss ich fairerweise festhalten, dass dieser Umstand wohl  – aus heutiger Sicht  gesehen – den, sprich meinen, eingeschränkten spielerischen Fähigkeiten geschuldet war. Die Welt wollte Neues. Und ich war Teil dieser Welt. In den Videos spielten alle diese Flunder von Yamaha. Diese stellte offenbar von ganz, tollen und warmen Pads, über „geile“ Solosounds bis hin zu digitalen Klängen, alles zur Verfügung was der junge, engagierte Musiker damals einfach „genial“ fand. Meine Euphorie war demnach kaum zu bremsen. Jedwede Literatur zu dieser Klangerzeugung und diesem DX Instrument musste herbeigeschafft werden und jedes neue Video darauf hin gesichtet. Wer weiss welch tollen Klänge da noch aus dem Ding kommen.

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Yamaha DX – allerdings DX7IIFD

Irgendwie fällt mir dazu der kluge Hinweis ein „Man soll nicht alles glauben was in Zeitungen steht“.. denn genauso wenig sollte man alles glauben was man sieht. Ich weiss nicht mehr wie viele Sommer ich in der Schwechater Brauerei in der Flaschenhalle verbracht hatte um mir diese vermeintliche Eierlegendewollmichsau kaufen zu können, aber es waren harte Monate des Schichtdienstes. Aber irgendwann war es dann soweit und er stand dann endlich vor mir. Schnellstmöglich seiner Hülle befreit und sogleich aufgestellt, den Kopfhörer angeschlossen und angespielt, wurde dieser Moment zu einer wie der Engländer so treffend sagt „jaw dropping“ Erfahrung… Allerdings von der weniger erfreulichen Sorte. Denn was da rauskam klang leider so gar nicht wie ich es mir vorgestellt hatte. Zu allem Überdruss war diese Flunder auch noch „braun“, ich meine Hallo?? „Braun“… sollte das ein politisches Statement sein und ich mich auf Polka und Bierzelt einstellen? Von der Bierhalle ins Bierzelt? Das kann es doch nicht wirklich sein, nicht dürfen sowieso. Rückgabe war kein Thema und von eBay keine Spur. Somit musste ich tun, was heute immer seltener passiert, ich musste mich mit etwas eingehend beschäftigen. So ganz ohne Youtube, pdfs und Fachforen.

Rhodes 2400

Rhodes Mk7 [Zur Vergrößerung bitte in das Bild klicken]

Und das bedeutete eigene Sounds zu programmieren, was mir mit Fortdauer nicht nur immer bessere Ergebnisse lieferte, sondern auch wirklich Freude bereitete. Durch den DX-7 haben sich mit Bestimmtheit meine musikalischen Interessen in eine völlig andere Richtung bewegt und nach Billy Currie von Ultravox waren plötzlich George Kochbeck und Reinhold Heil meine Heroes. Allerdings gab es einen DX-7 Factory Sound, der rauf und runter gespielt wurde und heutzutage wohl von kaum einem ohne Einnahme von Drogen gehört werden kann. Und dieser Sound stammte in der Tat aus dem DX-7, es war das berühmte Preset #11 „E-Piano“. Eine Vielzahl an Derivaten hat in weiterer Folge die Musikwelt erfreut (oder auch nicht), von denen Versionen im TX-816 gezeigt haben, wozu „modulare“ FM Synthese im Stande ist. Allerdings gab es auch schon vor dem DX-7 einen synthetischen E-Piano Sound, den ich selbst heute noch gerne höre und der stammte aus dem Yamaha GS-1. Wenngleich dieser in erster Linie maßgeblich von der genialen Spielweise Edo Zankis profitierte und dem minimalistischen Arrangement, das diesem Klang ebenso viel Platz lies wie Ulla Meineckes Stimme. Das „Holzige“ an dem Originalsound konnte ich leider in all den Jahren in keinem der folgenden Instrumente, selbst von Yamaha, leider nicht reproduzieren. Fakt ist aber, dass FM eine dynamische Spielweise zulässt, wie kaum eine andere Syntheseart und der E Piano Klang vermutlich auch aus diesem Grund seinen Siegeszug angetreten hat.

Rhodes Mk7 offen

Was mir bis dahin aber einfach nicht klar geworden ist, war, das sie alle, all diese Klänge im Prinzip einer Vorlage folgten und das Original in einigen der schönsten Songs verwendet wurde. Die Berieselung mit klassischer Musik  in jungen Jahren, sowie die Faszination, die Synthesizer lange Jahre auf mich ausübten und eine gewisse Bequemlichkeit, haben dazu geführt, dass mir die klangliche Qualität des Originals amüsanterweise erst beim Spielen eines Factory Presets des Korg T-1 richtig bewusst wurde.. und da stand er der Name des Programs „Rhodes“. Diesen Namen hatte ich davor eher mit dem Vornamen Nick in Verbindung gebracht. Uff. Ach von da kommt das? Ja…. und von da an, sind wir beider einander immer näher und näher gekommen. Da war zunächst das Rhodes Mk7, das ich bis heute bei weitem nicht so schlecht finde, wie es im Internet später zu lesen war. Sein Problem bestand darin, dass es permanent gestimmt und eingestellt werden wollte. In meinem Fall ist es dann nach dem Stimmen offenbar beim Transport einige Meter runtergefallen. Aber klanglich ging es schon eindeutig in die Richtung die mir vorschwebte, hier ein Beispiel

Wer sich bis hier her durchgekämpft hat und an Teil 2 interessiert ist, dem verspreche ich im nächsten Teil geht es dann wirklich ums (Fender) Rhodes. …. wahrscheinlich.

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14 thoughts on “Meine Rhodes Geschichte – Teil 1

Heiko

Zufall oder vielleicht nicht – heute abend habe ich mir Miles Davis „Tutu“ aufgelegt, die Produktion ist ja auch von vorne bis hinten voll mit Sounds der 80er Synthie-Schätzchen 🙂

Und ja – bitte Teil 2 🙂
More Cowbell? More Rhodes! 🙂

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    petermmahr

    Die hatte ich mir damals auch gekauft. Wenn ich mich nicht ganz irre kamen da Oberheim OB-X oder -Xa zum Einsatz und der hier angesprochene DX-7. Allerdings habe ich die Platte seit einer Ewigkeit nicht mehr gehört. Vielleicht eine gute Gelegenheit das wieder einmal zu tun. 🙂

    Du hast es so gewollt. Wobei ich bezweifle, dass ich mit zwei Teilen auskomme. Selbst wenn ich mich kurz fassen sollte [kann man eigentlich ausschließen :-)]

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Juergen

Toll, dass du es geschafft hast, eigene DX-Sounds zu programmieren! Ich hatte ein TX-7 Modul und habe es mit Software am Atari versucht, ohne besonderen Erfolg. Von den Factory-Klängen war ich ebenfalls enttäuscht, E-Piano, Tubular Bells und Marimba habe ich positiv in Erinnerung. Ich habe dann viele Sounds auf Disketten gekauft, es waren aber nur wenige gute darunter. Einige Klänge habe ich nach Anleitungen aus einer Musiker-Zeitschrift erstellt. Es gab auch Rhodes-Varianten, die mir besser gefielen, als das Werks-E-Piano. Ich bin gespannt auf Teil 2 des Artikels!

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    petermmahr

    Da hatten wir offenbar einen sehr ähnlichen Geschmack. Denn exakt die von Dir aufgezählten Factory Klänge fand ich ebenfalls gut. Das Preset #11 war ein sehr guter Ausgangspunkt um eigene „Rhodes“ Sounds zu erstellen und der Lernfaktor bei diesen sehr einfach zu programmierenden Sounds war ein guter. Über die Sounds, die es damals gab breiten wir wohl am Besten den Mantel des Schweigens. 🙂

    Klaus P. Rausch, ein langjähriger Freund und FM Profi, hat gerade seine „DX7 Fibel V.3“ rausgebracht, samt neuer Sounds. Bin gespannt, aber erst werde ich mich dem Rhodes und dem langen sowie teils schmerzhaften Weg dorthin widmen.

    ps: Übrigens – Hut ab, am TX-7 hätte ich keine Lust gehabt zu programmieren. Ich benötige dazu unbedingt eine Tastatur.

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Jörn

Immer wenn irgendwo über Rhodes-Sounds gesprochen wird, fällt mir die diesbezügliche Referenz ein. Die ist von Pink Floyd und heißt Sheep. Der Sound ist für meinen Geschmack unerreicht. Dafür hätte ich die Gitarre für immer weggestellt und wäre zum Keyboarder geworden.

Ich habe sogar mehrere Hersteller, bzw. deren Entwickler darauf aufmerksam gemacht. Darunter ASS, Native Instruments und (ich glaube) Steinberg. Leider hat keiner von denen auf meinen Hinweis den entsprechenden Klang in ein virtuelles Instrument gegossen.

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    petermmahr

    Ich habe darauf gewartet, dass Du das schreibst :-), da mir diese Zeilen in Erinnerung sind. Und genau so mag ich den Sound auch. Mehr Holz und „Piano“ als „Bell“.

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      Jörn

      Ganz genau! Mehr Holz. Der Sound ist vergleichsweise wenig metallisch. Erstaunlich irgendwie: Bis heute gibt es (außer dem originalen Instrument) kein Hard- oder Software-Produkt, das diesen genialen Sound bietet.

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        petermmahr

        Ich verstehe es auch nicht. Dabei gibt es immer wieder mal Stücke in denen das Rhodes genau so klingt, und das sind bestimmt nicht nur wir, die diesen Klang mögen. Na mal sehen, ob ich am Ende meiner Rhodes Geschichte mit einem entsprechenden Klangbeispiel werd dienen können….

        Reply
Johannes

Schöne Geschichte. Ich freue mich auf die Fortsetzung. Rhodessound, wie auch immer erzeugt, begleitete mich von Anfang an. Und die Frage der Verstärkung. Es gab auch mal besondere Rhodespatches für das TX 816. Leider weiß ich nicht mehr wo… (TX 816 habe ich noch, und ein MK II).

Hier OFF-Topic: Was macht dein Prophet 12? Immer noch begeistert?
Liebe Grüße
Johannes

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    petermmahr

    Hallo Johannes,

    Freut mich sehr, dass Dir Teil 1 gefallen hat. Mal sehen wie ich dazu komme, dann folgt Teil 2 und das wird nicht der letzte sein.

    Ja, das TX-816 war ein hervorragendes modulares System. Das sollte ich vielleicht auch wieder einmal reaktivieren! Wegen der Sounds werde ich Klaus (P. Rausch) fragen, der in Sachen FM und vor allem Yamaha + FM meine erste Anlaufstelle ist. Klaus hat übrigens gerade seine DX-7 Fibel V.3 veröffentlicht.

    Leider ist eines der 8 Module meines TX-816 nicht mehr funktionsfähig. Das könnte natürlich aber auch wieder einmal an einer leeren Speicherbatterie liegen. Dennoch gut, dass Du mich daran erinnert hast. Die dynamische Spielweise ist einfach ein Traum.

    So viel kann ich schon verraten, im zweiten Teil kommt eines meiner Überbrückungsinstrumente zu Wort und ich sehe schon, dass ich hier den einen oder anderen Sound einspielen werd müssen. 🙂 Wobei es ohnehin in letzter Zeit permanent zum Zug kommt.

    Deine Kombination aus TX816 und einem MKII ist natürlich ein Traum. Und wenn ich es mir recht überlege, dann….

    … tja, und damit komme ich zum nicht so erfreulichen Teil. Ich habe einen Großteil meines Equipments verkauft, aus einer Vielzahl an Gründen. Der Pro-2 und der Prophet 12 waren davon genauso betroffen, wie der Moog Voyager, der Zarenbourg, das Mellotron, mein geliebtes MPC3000 (black, aber nicht limited edition), die Hammond, die TR-8 u.v.a.m. Was in gewisser Hinsicht „tröstet“ ist, dass die beiden DSIs zum Glück bei Freunden gelandet sind. Den Prophet 12 halte ich nach wie vor für einen der interessantesten polyphonen Synthesizer, sofern man hybride Sounds a la Prophet VS oder PPG mag. Ich habe ihn geliebt und höre aus Selbstschutz keines der Files. Ähnlich ergeht es mir mit dem Pro-2. Sollte es sich heuer finanziell irgendwie ausgehen, dann würde ich mir den SC Prophet 6 kaufen. Aber um Deine Frage zu beantworten, Du wirst von mir kein schlechtes Wort zum Prophet 12 hören. Es ist lange her, dass ich einen Synthesizer hatte bei dessen Soundprogrammierung die Finger auf den Tasten wie von Geisterhand geführt ihren Weg gefunden haben….. und gleichzeitig bei den optimal umgesetzten Drehreglern.

    Liebe Grüße,
    Peter

    Reply
Johannes

Lieber Peter,
die Verkaufsangelegenheit tut mir sehr sehr leid, es gibt Phasen im Leben…
Ich kann es absolut nachvollziehen.
Noch eine neugierige Frage: Würdest du in besseren Zeiten (die werden kommen!) den Prophet 6
dem 12er vorziehen? Ich habe den Prophet 5 – hatte ein sehr gutes Angebot – leider leider vorbeiziehen lassen. Der neue 6er gibt mir die Illusion, das nachholen zu können. Aber der 12er ist, glaube ich , eher ein Additum als eine Alternative, oder?
Sorry, ist hier wieder OFF-Topic.
Liebe Grüße
Johannes

Reply
    petermmahr

    Lieber Johannes,

    Das ist meine Webseite und da gibt es nichts was OFF Topic ist, wenn es mit Musik, Fotografie, Politik, Musikinstrumente, das Leben etc. zu tun hat. 🙂

    Du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht. Mir selbst gibt die fast schon religiös geführte Diskussion zum Thema „analog“ nichts. Soll heissen, am Ende ist wichtig ob mich der Klang inspiriert, oder im Kontext eines Stückes perfekt passt. Da war der Prophet 12 wirklich hervorragend. Den Prophet 6 habe ich noch nicht gehört und von daher tue ich mir sehr schwer etwas dazu zu sagen. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich die beiden gut ergänzen. Würde ich heute mit Synthesizern anfangen und das Budget haben, der P6 meinen Erwartungen entsprechen, dann würde ich wohl Pro-2, P12 und P6 nehmen. Dazu ein Rhodes und einen Sampler… und dann hätte ich wahrscheinlich auch schon wieder zu viel um Musik zu machen. 🙂

    Liebe Grüße,
    Peter

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Johannes

Noch ein Nachtrag:
Wie ist dein Eindruck vom Moog Sub 37?

Liebe Grüße
Johannes

Reply
    petermmahr

    Den Moog Sub 37 kenne ich nicht und daher kann ich dazu nichts sagen. Allerdings kaufe ich mir bestimmt nichts mehr von Moog, zumindest nicht von dieser Firma Moog.

    Peter

    Reply

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