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Meine Rhodes Geschichte – Teil 2

20. Februar 2015 - Erfahrungsbericht, Taste

Der langen und teils leidvollen Geschichte zweiter Teil.

Nachdem ich mich mehr unfreiwillig denn gerne vom Rhodes Mk7 trennen musste (die Fotos nach er“folg“ter Lieferung erspare ich in erster Linie mir), war eine Alternative gefragter denn je. Und die kam, wie sollte es anders sein, von Yamaha.

Warum Yamaha? Yamaha war für mich über lange Jahre der Produzent hervorragender Musikinstrumente und Entwickler so manch wunderbar zu spielender Klangerzeugung. Ihre Umsetzung von FM zeichnet sich nach meinem Dafürhalten nach wie vor dadurch aus, dass die erzeugten Klänge wunderbar dynamisch zu spielen sind und dem Spiel somit eine ansonsten oftmals vergeblich gesuchte Ausdruckskraft verleihen. Der SY-99 ist hier wohl als Krönung zu sehen, wenngleich TX-816 und die größeren DX Synthesizer, sowie die GS Serie ebenfalls durchaus sehr musikalisch eingesetzt wurden. Allerdings mangelte es ihnen im Vergleich zum SY-99 an der Breite des klanglichen Spektrums. Das Yamaha CP1 folgt, zumindest in einem Bereich, dieser Tradition.

Yamaha CP1

Yamaha CP1

Die Bezeichnung „CP“ im Kontext zum Herstellernamen, erzeugt ohne Zweifel bei vielen eine bestimmte Erwartungshaltung. Jedes Instrument, das diese Bezeichnung trägt, trägt auch gleich die Bürde der legendären CP Serie aus den 80er Jahren auf seinen Schultern. Und in dieser Hinsicht scheitert es leider klanglich kläglich. ABER, dafür bietet es andere Klänge, die von hoher bis sehr hoher Qualität sind und über eine Tastatur gespielt werden, die guten Gewissens als Referenz bezeichnet werden muss. Nicht „kann“, sondern muss. Wichtiger aber noch, in Zusammenhang mit den guten Klängen dieses Instruments, gelingt es Yamaha eben wieder, den Klang und die ihn zu steuernden Parameter so mit der Tastatur zu kombinieren, dass eine nuancierte Spielweise möglich und inspirierend ist. Es entsteht ein Spielgefühl, das durchaus einem – wohlgemerkt je nach individuellem Spielstil – perfekt eingestellten Flügel sehr nahe kommt. Sie merken es, ich komme ins Schwärmen…

Ein Beispiel für das Grand Piano
[Fretless Bass: Klaus Wassermann]

Warum es dann dennoch ein Ladenhüter ist? Dafür gibt es meiner Meinung nach mehrere Gründe. Der Hauptgrund dürfte wohl im hohen Anschaffungspreis zu suchen sein. Wenngleich ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, welche Strategie, wenn überhaupt eine, Yamaha verfolgt hat. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich hatte damals das Glück es mir leisten zu können und bin heilfroh diese Investition getätigt zu haben. Das Yamaha CP1 hat meinen Stil maßgeblich geprägt und entwickelt, selbst meine rudimentären (spiel)technischen Fähigkeiten haben sich verbessert. Bevor wir aber zu weiteren Klangbeispielen kommen, und letztendlich soll es ja hier um meine „Rhodes“ Geschichte gehen, eine Auflistung der zur Verfügung stehende Klänge:

Bevor wir zu den Rhodes Sounds des CP1s kommen, hier noch zwei weitere Beispiele. Beim ersten handelt es sich um einen der Sounds, die ich seit den späten 70er geliebt habe. Sind die Factory Sounds selbst nicht wirklich eine Offenbarung, so bekommt man trotz der wenigen zur Verfügung stehenden Parameter und der Möglichkeit die Tastatur seiner Spielweise anzupassen doch erstaunliche Ergebnisse hin. Nicht, dass nicht ein in sehr gutem Zustand befindliches Original von einem der spielen kann, nicht immer noch um einiges besser klingt, aber das hier, das weiss mir schon zu gefallen – Wurlitzer ’69:

Natürlich unvermeidbar, eines meiner FM Pianos. Wer mich kennt, weiss von welchem Klang und vor allem welchem Stück dieser Sound inspiriert ist. Ja, dem Sound merkt man die Jahre, die er auf seinem Buckel hat, an. Aber die dynamische Spielweise ist einfach ein Traum. Schade bloß, denn ich vermisse ein wenig das Bambusartige der Vorlage. Zieht man die zur Verfügung stehenden rudimentären Parameter in Betracht, ist das jedoch durchaus entschuldbar.

Nun ist es aber an der Zeit, sich den Titelgebenden Klängen zu widmen.

Und hier noch eine Kombination zweier Rhodes Sounds (71 + 73):

Zuletzt noch ein Stück, das im Zuge meines Manikin Mellotron Testberichts aufgenommen wurde „3 violins“:

4 thoughts on “Meine Rhodes Geschichte – Teil 2

Johannes

Lieber Peter,
eine sehr schöne Fortsetzung. Ich hatte mich immer schon gefragt, was dich zum CP 1 geführt hat. Und wieder entdecke ich (obwohl wir uns leider nicht persönlich kennen) erstaunliche Parallelen. Schon wegen der Buchstabenfolge und dann (wer Yamahas Ziffern kennt) auch noch mit der 1 verbunden, denkt an State of the Art. Dies Tests waren eher negativ, der Preis ist immer noch hoch.
Hattest du mal Gelegenheit das CP 4 zum Vergleich zu spielen?
Ich glaube die von dir beschriebene Tastatur-Klang-Umsetzung ist fundamental. Deshalb lässt sich das CP 1 gewiss ganz anders spielen als ein Nord Stage (das andere Vorteile hat und im Gegensatz zum CP 1 ein Markterfolg ist).
Könntest du dein knappes Statement zu Moog etwas ergänzen? Du hast/hattest doch den Voyager, oder?
Liebe Grüße
Johannes

Reply
    petermmahr

    Lieber Johannes,

    Ja, der Preis ist hoch und Yamaha wird dafür wohl seine Gründe haben. Erstaunlicherweise hatte ich trotz des stattlichen Preises nie das Gefühl, dass das CP1 den Preis nicht wert wäre. Einmal wollte ich es verkaufen, zwar aus anderen Gründen und Jürgen (der Verfasser des anderen Kommentars hier) hat mich – zum Glück – vor diesem Fehler bewahrt, aber ich liebe es darauf zu spielen. All meine letzten Skizzen und Stücke sind nahezu ausschließlich damit gemacht. Übrigens ist Jürgen der Besitzer meines Prophet 12’.

    Ich habe das CP4 in Wien in der Klangfarbe kurz angespielt und mir danach gedacht Gott sei Dank habe ich das CP1. Die Sounds waren bestimmt, also die Factory Sounds, die waren bestimmt nicht schlechter als im 1er, aber das Spielgefühl wollte einfach nicht aufkommen.

    Die roten Schweden finde ich prinzipiell alles andere als schlecht. Das Preis/Leistungsverhältnis ist gut und zum Transportieren sind die Instrumente einfach optimal. Bestimmt einer der Gründe warum man sie so oft auf den Bühnen dieser Welt findet. Mein CP1 wäre mir dafür aber sowieso zu schade. Das Korg Pendant klingt auch ganz gut, aber da würde ich sofort einen Monotest machen. Im Vergleich dazu mag das CP1 eher dünn und mittig im Sound sein und somit auf Anhieb nicht beeindrucken, aber seinen Klang hört man auch Mono und er setzt sich im Mix durch. Deshalb sieht man vielleicht live auch vorwiegend Instrumente von Yamaha und Nord.

    Zu Moog – also da muss ich vorausschicken, ich schätze Stefan Hund/e:m:c sowie Rudi Linhard und deren kundenorientierte Art und deshalb möchte ich mich in diesem Punkt zurückhalten. Aber um etwas konkreter zu werden, es geht darum, dass eine Serie von Moogs „top of the line“ Produkt ziemliche „Kinderkrankheiten“ hatte [http://www.petermmahr.com/minimoog-voyager-vorbote-einer-renaissance-teil-3/]. So etwas kann natürlich vorkommen. Allerdings im – ich glaube – zehnten Erscheinungsjahr… gerne offline mehr dazu.

    Voyager mit slew rate, aus der entsprechenden Serie, ist schon fein. Allerdings würde ich mir dann den Dominion auch anhören. Und auch wenn der Pro-2 ein anderes Konzept verfolgt, so kann er doch eine ganze Menge. Dann gibt es da noch MiniBrute, BS2 u.v.a.m. Heutzutage hat man ja das Glück wieder richtig viel Auswahl zu haben. Alleine es interessiert mich nicht mehr so sehr…. mal sehen, vielleicht ändert sich das ja wieder.

    Liebe Grüße,
    Peter

    Reply
Jürgen Büschges

Lieber Peter,
das ist sehr schön gemacht und die Klangbeispiele zeigen wirklich die erstaunlich realistischen Möglichkeiten. Die Möglichkeit, bis zu vier Klänge gleichzeitig spielen zu können, jeweils mit einer eigene Engine versehen (CP5) und super einfach über Drehregler in der Lautstärke zu regulieren, sind sehr angenehm. Die Effekte sind super. Und die Rhodes sind erdig. Oft sucht man diese Klänge, hier findet man sie. Und die Tastatur ist ein wirkliche Highlight.

Liebe Grüße

Jürgen

Reply
    petermmahr

    Lieber Jürgen,

    Dein Feedback freut mich natürlich sehr, vor allem das „erstaunlich realistisch“. Das nehme ich einmal als grosses Kompliment. Natürlich haben die Originale immer noch die Nase vorne, vor allem kennt jeder Besitzer eines Originals vermutlich jeden einzelnen Ton. Aber als ich das Wurli und das Rhodes Demofile gehört habe, war ich schon recht überrascht. Aber vielleicht mehr über mich, was ich da gespielt habe und wie. 🙂

    Ja, die Rhodes haben schon etwas und über die Tastatur müssen wir beide bestimmt hier kein weiteres Wort verlieren.

    Liebe Grüße,
    Peter

    Reply

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