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Minimoog Voyager Vorbote einer Renaissance? – Teil 2

1. Mai 2014 - Erfahrungsbericht, Taste
Minimoog Voyager  Vorbote einer Renaissance? – Teil 2

Im ersten Teil des Minimoog Voyager Berichts wurden kurz die Oszillatoren beschrieben, nun wollen wir uns den restlichen Sektionen des Moog Voyagers  widmen.

Minimoog Voyager - Mixer, Filter ENVs 1060

Moog – Minimoog Voyager: Mixer, Filters (Dual Lowpass oder Highpass/Lowpass, de facto Bandpass) und die Envelopes.

Die Funktionsweise des Mixers ist selbsterklärend, erwähnenswert ist hingegen das hinzu mischbare Rauschen (weißes und rosa) sowie die Kontrolle des Pegels eines angeschlossenen externen Signals (lange lebe der Genetiv!). Hebt man übrigens den Pegel der Oszillatoren bis zum Maximum an, verzerrt der Mixer das Filter. Dafür war schon der Minimoog bekannt. Der Voyager tut das meist zwar nicht gerade in homöopathischer Dosis, aber eben auch nicht besonders intensiv.

Filter:
Wenden wir uns somit unser aller wohl liebstem klangformenden Werkzeug zu, dem Filter. Der Minimoog Voyager besitzt zwei spannungsgesteuerte Filter, die entweder parallel als Dual-Lowpass oder in Serie als Kombination aus Hoch- und Tiefpass Filter betrieben werden können. Befindet sich der Minimoog Voyager im Dual-Lowpass Mode steht je ein maximal 24dB Filter für den linken und rechten Audioausgang zur Verfügung. Die Flankensteilheit der beiden Filter lässt sich unabhängig voneinander, in 6dB Schritten von einem 1pol zu einem 4pol Filter, einstellen.

Moog Minimoog Voyager

Moog – Minimoog Voyager

Interessant wird es dann, wenn mittels des SPACING Reglers die CutOff Frequenzen der beiden Filter gleichzeitig auf unterschiedliche Werte eingestellt werden. SPACING kontrolliert die Differenz der CutOff Frequenzen, und das gleichermaßen im Dual-Lowpass ebenso wie im High-/Lowpass Mode. Dies führt zu interessanten Ergebnissen, die vor allem bei Verwendung des Dual-Lowpass Mode und einer entsprechenden Verteilung der beiden Audiokanäle im Panorama deutlich hörbar sind. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Steuerung über das Touch-Pad sehr schöne Verläufe ermöglicht, die nach meinem Dafürhalten so manches PlugIn ziemlich alt aussehen lassen. Letzteres fällt natürlich in die Rubrik “persönlicher Geschmack”.


Audio – Dual Lowpass Filter, Spacing, Resonance:
In diesem Audiobeispiel wird der SPACING Regler kontinuierlich zunächst von der O Position in die +3 und dann zurück zur O bis hin zur -3 Position bewegt. Deutlich zu hören ist, wie der Klang im rechten Audiokanal zunächst heller wird (bis +3) um am Ende (-3) rechts stärker gedämpft erklingt. Die Anhebung der Resonanz bewirkt bei diesem Moog 24dB Lowpass Filter eine gewisse Ausdünnung.

Kaum überraschend: Im Highpass/Lowpass Modus arbeiten die Filter als Hoch- und Tiefpass. Diese sind als Lowpass und Highpass in Serie geschaltet, stellen somit de facto ein Bandpass Filter dar und sind daher stets in der Mitte des Panoramas zu finden. In diesem Fall kontrolliert der SPACING Regler das Delta zwischen Highpass- und Lowpass, sprich regelt die Breite des Bandpass. Die Resonanz wirkt hier nur auf das Lowpass Filter. Der Vollständigkeit wegen soll hier erwähnt werden, dass mit dem Anheben der Resonanz diese gewisse “Ausdünnung” des Klanges einhergeht. Nichts Neues für Freunde dieses Moog 24dB Lowpass Filters, aber eben auch nicht unwesentlich.


Audio – High-/Lowpass Filter, Spacing, Resonance:
Dieses Audiobeispiel wurde unter denselben aufnahmetechnischen Bedingungen aufgezeichnet wie das obige Dual Lowpass Beispiel. Es demonstriert das Verhalten des High-/Lowpass (de facto Bandpass) Filters. Eine willkommene Bereicherung wie ich finde, allerdings weiß mir das des GRP A4s doch ein wenig besser zu gefallen. Aber auch hier der Hinweis – „persönlicher Geschmack“.

Modulation Busses, Oscillators

Moog – Minimoog Voyager: LFO, Modulation Busses, Oscillators, Display und das Touch Pad.

Nun, das ist ja alles in der Theorie schön und gut, wird der eine oder andere zu Recht denken, aber sind die Möglichkeiten auch von musikalischem Nutzen? Absolut, wie ich finde. Klänge bekommen dadurch noch mehr Lebendigkeit und Ausdruckskraft. Als Vorwegnahme zum vierten Teil, dem Einsatz des Voyagers in einer Produktion, hier ein kurzer Auszug der freigestellten Bass-Spur.


Moog – Minimoog Voyager:
Die beiden Dual Lowpass Filter wurden über das Touch Pad gesteuert. Achten Sie bitte einmal auf die Phrase bei t = 43s, bei der Einspielung wurde zusätzlich das Pitch Bend Wheel verwendet.

Hüllkurven:
Widmen wir uns bei dieser Gelegenheit gleich den beiden ADSR Hüllkurven. Diese stellen für mich quasi eine Referenz dar, da sie zu den schnellsten ihrer Zunft zählen. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, dem sei das Abhören des Voyagers über den Kopfhörerausgang empfohlen. Die Reaktionszeit und das Erreichen des maximalen Pegels ist beispielhaft. Allerdings war schon der Minimoog hier vorbildlich, wenngleich auch mit einfacher aufgebauten Hüllkurven. Sein Nachfahre steht dem erfreulicherweise nicht nach.

Vergleicht man die Hüllkurven des Voyagers z.B. mit dem hier im Zusammenhang mit dem Bandpass Filter schon positiv erwähnten GRP A4, dann hat der Voyager in diesem Fall die Nase eindeutig vorne. Das selbe gilt auch für einen Vergleich mit dem von mir ebenfalls geschätzten Studio Electronics C.O.D.E., dessen Hellkurven mit denen des Voyager nicht mithalten können, dafür andere klangliche Vorzüge vorzuweisen hat. Der Alesis Andromeda, der in Vergleichstests gerne in die Nähe der Moog Synthesizer gerückt wird, mag vielfältige Features und seine Fans besitzen, vielleicht auch technisch Parallelen zu Moog Synthesizern aufweisen, die Hüllkurven zählen aber nicht dazu.

Als ADSR Beispiel (zum Schmunzeln) lassen wir es jetzt einmal „ploppen“:


Moog – Minimoog Voyager:
Die Enevelope Generatoren des Moog Voyagers geben keinerlei Grund zur Klage und 
zählen zu den schnelleren ihrer Zunft. Im zweiten Durchlauf der Sequenz wird die Decay Zeit der Filter Hüllkurve zunächst erhöht und dann unter den Ausgangswert abgesenkt.

Moog - Minimoog Voyager

Moog – Minimoog Voyager: Pitch Bend und Modulation Wheel, sowie Glide und Release Schalter.

Etwas eigenwillig finde ich das Verhalten des RELEASE Schalters, von dem man eigentlich erwarten würde, dass er die Amp Release gänzlich deaktiviert. Das tut er aber nicht. In ausgeschaltetem Zustand (Release Off) lässt sich die Releaselänge nach wie vor über den entsprechenden Regler variieren und somit entspricht der Schalter eher einem Release-Zeit Teiler.

Modulation Busses:
Was wären Synthesizer ohne die Möglichkeit zur Klangmodulation? Genau! Der Minimoog Voyager ist in dieser Hinsicht zwar nicht gerade üppig ausgestattet, bietet aber immerhin einige interessante Möglichkeiten. Mit seinen zwei Modulationsbussen ist er zudem besser ausgerüstet als sein allseits anerkannter und geschätzter Vorfahre.

Die beiden Busse tragen im Fall der Keyboard Version die Bezeichnung Modulation Wheel und Pedal/On. Letzterer kann über ein am MOD1 Eingang – und jetzt halten Sie sich bitte fest – angeschlossenes Pedal gesteuert werden. Ist dem nicht so, dann bestimmt der Amount Regler des Modulation Bus 2′ die Intensität der Modulation. Als Modulationsquellen stehen LFO TRI (Dreieck) und LFO SQR (Rechteck) Wellenformen, sowie Oszillator 3, Sample & Hold, ON/MOD2 Eingang und Noise/Programmable zur Verfügung.

Mittels Shaping Drehschalter lässt sich eine von vier Quellen (Filter Env, Velocity, Pressure oder On/Programmable) zur dynamischen Steuerung der Modulationsintensität auswählen. Als Modulationsziele bietet der Voyager die Tonhöhe aller drei Oszillatoren (Pitch), die Tonhöhe von Oszillator 2 (OSC”) und die von Oszillator 3 (OSC3), sowie die CutOff Frequenz der Filter, die Wellenformen aller drei Oszillatoren und den LFO. Eben nicht gerade üppig, doch durchaus solide.

Minimoog Ein- Ausgaenge

Moog – Minimoog Voyager: Der Voyager bietet eine Vielzahl an Anschlussmöglichkeiten, die ihn auch als Keyboard für ein Modularsystem interessant erscheinen lassen. Dies gilt in noch stärkerem Ausmaß für seinen großen Bruder, den Minimoog Voyager XL.

LFO:
Bevor ich kurz auf die Tastatur und Verarbeitungsqualität zu sprechen komme, noch einige Worte zum LFO. Wie man der Gehäusebeschriftung entnehmen kann, reicht dessen Frequenz von 0.2 bis 50 Hertz. Vermutlich haben Sie schon aus dem Modulation Bus Abschnitt gefolgert, dass hier TRI und SQR Wellenformen zur Verfügung stehen. Erwähnenswert sind noch die Synchronisierbarkeit des LFOs und die Sample & Hold Schaltung des Voyagers.

An der Verarbeitungsqualität gibt es nicht viel zu bemängeln. Allerdings ist man bei einem aktuellen Verkaufspreis von € 3.390.- [Quelle: Klangfarbe.at] dann schon auch einmal kritischer. Eine Folie, die bei Berührung den Eindruck erweckt, nicht perfekt aufgeklebt worden zu sein, oder echte Probleme, wie sie vor nicht allzu langer Zeit im synthesizerforum.de diskutiert wurden. Im wahrsten Sinne nichts zu rütteln gibt es am schönen Gehäuse und den Drehreglern und -schaltern. Die aktuell im Voyager verbaute Tastatur weiß mir ebenso zu gefallen, wie die etwas härtere Rückholfeder des Pitch Bend Wheels, das für meine Spielweise optimal ist.

Das Design halte ich für sehr gelungen, wobei es natürlich galt der berühmten und bewährten Vorlage weitestgehend zu folgen. Wer hingegen das Touch Pad, die Möglichkeit Klänge zu speichern sowie MIDI für verzichtbar hält, der ist mit dem Moog Voyager Old School vermutlich besser beraten. Den gibt es allerdings nur noch gebraucht. Einen Testbericht zum Voyager Old School finden Sie bei den Kollegen von amazona.de. Ich jedenfalls möchte nicht mehr auf das Touch Pad verzichten, denn mit diesem lassen sich die Klänge ausgezeichnet formen.

Der Minimoog Voyager zeichnet sich durch eine Vielzahl an Ein- und Ausgängen aus (siehe bitte Foto). Und er besitzt auch einen Multipin Accessory Port, über den sich der Moog CV-Expander VX-351 anschliessen lässt, der in ähnlicher Form im Minimoog Voyager XL gemeinsam mit einem weiteren LFO schon eingebaut ist. Wer sich für den Minimoog Voyager XL interessiert, dem sei Moogulators Testbericht auf amazona.de empfohlen.

Für mich treffend hat es auf amazona.de Der Jim im Test Minimoog Voyager Old School auf den Punkt gebracht: “Dieser Synthesizer ist schwerpunktmäßig auf den klassischen Keyboarder zugeschnitten. Musikalität steht im Vordergrund, Experimente erst an zweiter Stelle.” Diesen Worten möchte ich mich voll und ganz anschließen.

Fortsetzung folgt….

Lektorat: Mein spezieller Dank geht an Klaus P. Rausch.

Erstveröffentlichung 26. November 2013

 

7 thoughts on “Minimoog Voyager Vorbote einer Renaissance? – Teil 2

Jörn

Das Artikel-Startbild ganz oben (und auch die übrigen) ist mal wieder total klasse!

Reply
    petermmahr

    Dein Kommentar freut mich natürlich ganz besonders Jörn. Danke! Dieses Startbild ist von all meinen Voyager Fotos der Favorit. Das von Teil 3 ist auch ganz gut geworden. In diesem wird es dann auch andere Audiobeispiele geben.

    Reply
      Jörn

      Doch, ist echt ein tolles Foto. Schön klar und scharf. Dazu das Blau der Beschriftung auf schwarzem Grund … Das hast du echt gut eingefangen. Kam hier das 35mm zum Einsatz?

      Reply
        petermmahr

        Ich muss mich übrigens korrigieren, denn im 3. Teil kommt das Interview mit Rudi Linhard, der maßgeblich an der Entwicklung des Voyagers beteiligt war und darin die Slew Rate Modifikation erklärt. Und dazu gibt es dann auch eine ganze Menge Audiofiles zum vergleichen.

        Reply
          Jörn

          Hört sich interessant an! Sehr cool, dass du den Mann interviewen konntest!

          Reply
        Jörn

        Fujifilm macht wirklich schöne Sachen. Auch wenn ich mich für die nächsten 2 Stunden (kleiner Scherz) entschieden habe, keine neue Kamera zu kaufen, finde ich die XT-1 doch sehr sexy …

        Allerdings weiß ich auch, wie deine Bilder aus der 5D aussahen und da komme ich dann immer sehr ins Grübeln, weil es für mich deutlich sichtbar eine andere Liga war.

        Reply

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