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Minimoog Voyager Vorbote einer Renaissance? – Teil 3

3. Mai 2014 - Erfahrungsbericht, Interview, Taste
Minimoog Voyager  Vorbote einer Renaissance? – Teil 3

In den beiden ersten Teilen des Moog Minimoog Voyager Berichts wurden die verschiedenen Sektionen beschrieben. Im 3. Teil wollen wir uns ein wenig der Voyager Entstehungsgeschichte und der Slew Rate Modifikation von Rudi Linhard widmen.

Moog Minimoog Voyager

Rudi, wie hat Deine Zusammenarbeit mit Robert A. Moog begonnen?

Rudi: Ich hatte gerade meine Memorymoog Modifikation fertiggestellt und war auf der Suche nach einem Geschäftspartner in den USA, der den Vertrieb dort übernehmen sollte. Wen kann es besseren geben als Bob, dachte ich. Zudem war Bob wiederum auf der Suche nach einem Vertriebspartner für seine Theremins, die er damals als teure Fertiggeräte verkauft hat. Ich konnte Bob später dazu überreden, diese als Bausätze anzubieten. Zu meiner Überraschung, damals wie heute, haben sich diese stets gut verkauft. Meine Frau und ich flogen dann ’92 rüber und trafen Bob. Seit dieser Zeit hat uns, bis zu seinem Tod, eine Freundschaft verbunden.

Habt ihr von Anfang an geplant, einen neuen Minimoog auf den Markt zu bringen?    

Rudi: Wie Du schon in der Einleitung zum Teil 1 Deines Berichts schreibst, gab es von vielen Musikern den Wunsch nach einem neuen Minimoog oder nach einem zeitgemäßen Nachfolger. Bob und ich haben uns lange darüber unterhalten. Was nicht immer einfach war! Denn jeder, der Bob ein wenig kennt, weiß, dass er an Dingen die alt waren nicht wirklich interessiert war. Ich habe seit ’92 auf ihn eingeredet, einen neuen Minimoog zu bauen. Bis Bob dann ’99 endlich meinte „wir könnten doch einen Mini mit MIDI bauen“. Big Briar war ’94 der erste Schritt, eine Firma hauptberuflich zu führen.

Rudis Arbeitsplatz zu Beginn des Minimoog Voyager Projekts.

Rudis Arbeitsplatz zu Beginn des Minimoog Voyager Projekts.

Wie hat eure Zusammenarbeit ausgesehen?

Rudi: Nachdem die Entscheidung gefallen war, einen Minimoog Nachfolger zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, arbeitete Bob am analogen Teil, während ich mich um den digitalen gekümmert habe. Also ich habe die Software geschrieben und mich beispielsweise um die Abfrage der Potentiometer bis hin zur MIDI Implementierung gekümmert. Wir haben 2000 mit dem Projekt Voyager begonnen, das Foto zeigt meinen damaligen Arbeitsplatz. Ich war mehrere Male drüben und habe mich auch in der Firma um Dinge gekümmert, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Schreiben der Software standen.

Was zum Beispiel?

Rudi: Eine bessere Abhöre! [lacht] … 2002 war es dann aber soweit, der Voyager war fertig und wird jetzt seit nunmehr 11 Jahren gebaut und verkauft. Was man durchaus als einen Erfolg bezeichnen kann. Der Minimoog wurde im Vergleich dazu übrigens über 10 Jahre gebaut und verkauft.

Zum Erscheinen des Voyagers vielleicht noch eine kurze Anekdote. Ich schlug vor, dass das Pitch Bend Wheel um die 0 Position eine Tot-Zone hat, damit keine Daten gesendet werden. Dieser Vorschlag blieb allerdings zunächst unbeachtet. Als dann aber die ersten Voyager Exemplare von den Kunden retourniert wurden, da deren Voyagers permanent Daten versendet haben, wurde diese Tot-Zone eingebaut und befindet sich seitdem serienmässig in allen Exemplaren.

Moog - Minimoog Voyager: Der erste Voyager in Europa.

Moog – Minimoog Voyager: Der erste Voyager in Europa.

Woher rührt Deine hohe Affinität zu Moog Synthesizern?

Rudi: Ich bin ein Genesis Fan, seit den ersten Tagen bis heute. Und von daher haben mich Synthesizer immer schon fasziniert. Ein, oder besser gesagt: „das“ Schlüsselerlebnis war aber eine Saga Platte, die ich ’79 das erste Mal im Radio hörte und deren Sound mich schwer beeindruckt hat. Meine Recherchen ergaben dann, dass das, was mich derart beeindruckt hatte, in erster Linie dieser unvergleichliche Moog Sound war. Eines ergab das andere und ’80 habe ich dann damit begonnen, Geräte zu reparieren. Heuer sind es 33 Jahre, dass ich Minimoogs und Memorymoogs repariere bzw. modifiziere. Mittlerweile habe ich schon derart viele Memorymoogs repariert und modifiziert, dass ich Dir nach dem Öffnen des Instruments sagen kann, wer den Service zuvor durchgeführt hat. Zumindest ob es jemand an der East oder an der West Coast war. [lacht]

Minimoog Voyager ohne und mit SRM

Moog – Minimoog Voyager: Links ohne Slew Rate Modifikation, rechts mit Rudi Linhards Slew Rate Modifikation [Aufnahmen © Martin Atman].

Du lieferst mir damit ein gutes Stichwort: Lass uns nun ein wenig über Deine Slew Rate Modifikation für den Minimoog Voyager sprechen. 

Rudi: Der Voyager unterscheidet sich bekanntlich in der Oszillator Sektion vom Minimoog dahingehend, dass die Wellenformen ineinander übergehen, sprich sich kontinuierlich verändern lassen. Wenn Du Dir die Dreieckswellenform am Oszilloskop ansiehst, wirst Du einen „Spike“ feststellen. Und genau den wollte Bob entfernen. Da das aber nicht selektiv geht, werden daher allgemein die Obertöne reduziert. Und genau darin liegt ein wesentlicher Nachteil. Das Moog Filter klingt nämlich dann besonders gut, wenn es für obertonreiche Signale verwendet wird. Oder anders gesagt, wenn Du mit einem Sinus Signal arbeiten willst, kannst Du das Moog Filter gleich ganz weglassen. Denn wie gesagt, erst durch die Obertöne und deren Filterung kommt das Moog Filter zur Geltung.

Wie hat Bob diese Absenkung erzielt?

Rudi: Durch zusätzliche Kondensatoren, die wie ein 6dB Filter fungieren. Entfernt man diese, erhält man ein obertonreicheres „helleres“ Signal, wie man auch anhand eurer Klangbeispiele hören kann. Nur die Kondensatoren entfernen reicht natürlich nicht. Man muss in der Wellenformerzeugung bessere Bauteile einbauen, damit der Spike erst gar nicht entsteht.

Wobei Du auch gleich die Verstimmung der beiden Osillatoren zum Oszillator 1 bei meinem Exemplar behoben hast. Das bringt mich auch gleich zu einem Punkt, der in Foren diskutiert wurde. Offenbar gab es bei einigen Exemplaren Probleme mit dem Voiceboard, kannst Du dazu etwas sagen?
[19. Jänner 2015 – Siehe dazu bitte Addendum am Ende des Textes]

Rudi: Es stimmt, dass es eine kurze Zeit mit einigen Exemplaren Probleme gegeben hat. Das lag daran, dass Chips von Texas Instruments verbaut wurden, die Probleme bereiten können. Von meiner Seite möchte ich dazu nur so viel sagen: Zum einen habe ich darauf hingewiesen, dass es eine bessere und sogar kostengünstigere Alternative zu den TI Chips gibt, und zum zweiten, dass Stefan Hund von e:m:c dies bei den wenigen Exemplaren, wo es dazu kam und die über ihn gekauft wurden, kulant gelöst hat. Bei aktuellen Exemplaren ist das allerdings kein Thema mehr, da in diesen schon andere Chips verbaut werden.

Gerade die Bedienelemente, welche nie ausfallen, vergisst man immer. Hatte der alte Minimoog noch Kinderkrankheiten wie Kontaktprobleme bei den Tasten, oder Kratzgeräusche bei den Potis, ist das beim Voyager so gut wie noch nie vorgekommen. Die paar Potentiometer, welche ich die letzten 11 Jahre gewechselt habe, sind schon beim Einbau kaputt gegangen. Auch bei meinem 11 Jahre alten Prototyp funktionieren die Regler und die Tastatur wie am ersten Tag.

Square Waveform comparison

Meine Begeisterung hat sich im Falle der Voyager Rechteckwelle – vor der Slew Rate Modifikation – doch in recht überschaubaren Grenzen gehalten.

Rudi: Das wird vermutlich auch auf das Fehlen der Obertöne zurückzuführen sein. Zudem muss das Verhältnis exakt 50/50 betragen und die Flankensteilheit stimmen [siehe Videos]. Beim Moog Voyager muss man das 50/50 Verhältnis mit den Ohren bestimmen, wohingegen die alten Oberheims, aber auch ARPs, Abgleich Trimmer hatten. Teiler gab es z.B. im Multimoog und Roland Synthesizern. Wenn man die schon angesprochenen Kondensatoren entfernt, kommen die Obertöne dazu. Wichtig ist natürlich, das Filter komplett aufzudrehen.

Das macht in der Tat Sinn und ich möchte festhalten, dass mir die Rechteck Wellenform nach der Slew Rate Modifikation deutlich besser gefällt. Aber wichtiger: Was meint Moog zur Slew Rate Modifikation? 

Rudi: Ich glaube da gibt es mittlerweile einen Umdenkprozess. Gut Ding braucht eben Weile.

Vielen Dank Rudi!

Es folgen Audiobeispiele von Martin Atman, sowie Oliver Gruensteidl & mir, die sich ausschließlich der Slew Rate Modifikation widmen:

Martin Atmans Audiobeispiel ist ein kurzer Auszug aus seinem Vergleichstest (Link am Ende dieses Berichts). Martin hat ein und dasselbe Instrument für die Aufnahmen verwendet. D.h. er hat ein MIDI File erstellt und zunächst die Klänge seines Voyagers ohne der Slew Rate Modifikation aufgenommen. Danach hat er den Voyager an Rudi Linhard gesendet, der die Slew Rate Modifikation durchgeführt hat. Nach Erhalt hat Martin die selben Klänge und MIDI Files verwendet um nun seinen Voyager mit der Slew Rate Modifikation aufzunehmen.

Martin: Zunächst hört man stets den Klang ohne der Slew Rate Modifikation (= orig slew rate) gefolgt vom selben Klang mit Slew Rate Modifikation (= new slew rate). Der Beep-Ton kündigt einen neuen Patch an.

Martin: Es kann sein, dass man dann bei gewissen Patches das „Cutoff“ bzw. das „Amount to Filter“ ganz leicht zurücknehmen muss. Aber man hat nach der Slew Rate Mod definitiv nicht mehr das Gefühl, dass der Voyager nicht fähig wäre genügend Obertöne zu erzeugen.

Hier noch zwei Videos von Matthias Nagorni, die die Wellenformen vor und nach der Slew Rate Modifikation zeigen:

Video – Vor der Slew Rate Modifikation
Video – Nach der Slew Rate Modifikation

Nun zu Olivers und meinem Vergleichstest. Dieser wurde parallel mit zwei Instrumenten durchgeführt (Gerätestreuung). Mein Moog Minimoog Voyager hatte (noch) keine Slew Rate Modifikation, Olivers Minimoog Voyager Rack Mount Edition (RME) hatte eine Slew Rate Modifikation. Die folgenden Audiofiles haben wir gemeinsam eingespielt und aufgezeichnet.

Was uns sogleich auffiel war, dass die Factory Sounds, für die wir uns aus Gründen der einfacheren Vergleichbarkeit entschieden, im Minimoog Voyager ohne der srm „voller“ klangen, aber weniger durchsetzungsfähig waren. Eine Begründung war schnell gefunden, da Osz2 und Osz3 zum Hauptoszillator deutlich verstimmt waren (ab Werk, oder in den Files „out of the box“ tituliert). Dies ist z.B. in folgendem Beispiel zu hören, die ersten drei Töne stammen aus dem Minimoog Voyager ohne srm, gefolgt von den selben drei Tönen, desselben Klanges, allerdings aus Olivers Minimoog RME:


Die ersten drei Töne entstammen dem Minimoog Voyager die folgenden drei Olivers RME mit der srm.

Die zur selben Zeit auf youtube in einem Video gezeigte QC des Herstellers konnte ich nach diesem Vergleich nicht ganz so positiv sehen. Ob man sich als Hersteller einen Gefallen damit tut, Instrumente in Musikgeschäfte zu stellen, die nicht das volle Potenzial des Instruments adäquat demonstrieren, bleibt für mich fraglich. Aber das mag jeder anders beurteilen und zum Resümee kommen wir ohnedies noch im vierten Teil.


Out of the box = Minimoog Voyager ohne srm und in diesem Fall mit den leicht verstimmten Oszillatoren #2 und #3
Tuned = Selber Minimoog Voyager aber Osz2 und Osz3 wurden manuell weitestgehend angepasst.
Olivers Minimoog RME + srm blieb von alledem unbeeinflusst

Links:

Rudi Linhards Webseite: lintronics.de

Martin Atmans vollständiger Audiovergleich – Audiofiles zum Runterladen:

Original Voyager slew rate audio file
http://www.lintronics.de/moogmusic/org_slew_rate_audio.zip

New mod. Voyager slew rate audio file
http://www.lintronics.de/moogmusic/new_slew_rate_audio.zip

Moog Minimoog Voyager Bericht – Teil 1
Moog Minimoog Voyager Bericht – Teil 2

Fortsetzung folgt….

Lektorat: Mein spezieller Dank geht an Klaus P. Rausch.

Erstveröffentlichung 3. Dezember 2013

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ADDENDUM – Am 19. Jänner 2015 gab es zu dem hier im Interview angesprochenen Problemen eine offizielle Email von Moog Music Inc. Empfänger dürften registrierte Moog Voyager Besitzer gewesen sein, deren Instrument im Zeitraum „between mid-2010 and January 2013“ produziert wurde. Sollten Sie also einen gebrauchten Moog Voyager erwerben wollen, empfiehlt sich vermutlich genauer nach zu fragen, da das Angebot der kostenlosen Behebung des Fehlers, nur an Erstbesitzer gerichtet ist.

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