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RADIKAL TECHNOLOGIES – ACCELERATOR Eine neue VA Generation?

25. Februar 2014 - Erfahrungsbericht, Taste
RADIKAL TECHNOLOGIES – ACCELERATOR  Eine neue VA Generation?

Erstveröffentlichung Februar 2012

Die diesjährige NAMM zählt für so manchen zu den spannenderen ihrer Art. Die Zahl derer, die auf neue oder gar innovative Produkte aus dem Fernen Osten gehofft haben und enttäuscht wurden, dürfte, wenn man den Diskussionen in diversen Foren Glauben schenken darf, wohl die kleinere Gruppe gewesen sein. Die verheerenden Ereignisse des Jahres 2011 dürften ihren Niederschlag gefunden haben.

Es waren in erster Linie kleine Firmen, die mit ihren Produkten in aller Munde waren. Arturia’s Schritt zählt vermutlich zu den Ereignissen, die einem in Zusammenhang mit der NAMM 2012 in Erinnerung bleiben werden. Nebst den Neuerscheinungen im Bereich der analogen Klangerzeuger hat sich auch, allerdings eher unbemerkt, einiges im Bereich der digitalen Synthesizer getan. Erstaunlicherweise ist die in Deutschland beheimatete Firma Radikal Technologies für einige Synthesizer Interessierte nach wie vor eine Unbekannte. Jörg Schaaf und sein „Team“ (dazu etwas später mehr) unternehmen nun mit dem seit kurzem erhältlichen ACCELERATOR einen Anlauf um dies zu ändern.

Der ACCELERATOR ist ein in der Grundversion achtstimmiger, digitaler Synthesizer der auf einer virtuell analogen Klangerzeugung basiert. Mit der optional erhältlichen Stimmenerweiterung, lässt sich der ACCELERATOR in maximal zwei Stufen auf insgesamt „echte“ 32 Stimmen ausbauen. Sie wundern sich jetzt vielleicht über die Verwendung des Wortes „echte“… Nun, wenn Sie ein 256faches, vermeintliches Stimmenmonster in der höchsten Klanghierarchie spielen und dabei frech Töne abgeschnitten werden, wissen sofort wovon die Rede ist.


Radikal Technologies Accelerator – Factory Sounds Demo 1

Erfreulicher Nebeneffekt des Stimmenausbaus – Sie erhalten nicht nur die Orgelemulation (61 fach polphon, zusätzlich!) dazu, sondern erhöhen die Multitimbralität des Instruments von zweifach auf achtfach. Der uns zur Verfügung gestellte ACCELERATOR befand sich in der Grundversion und war demnach achtstimmig bei 2facher Multitimbralität. An dieser Stelle folgender Hinweis – die Orgelklänge des Audiodemos „Factory Sounds 3“ entstammen ausschließlich der subtraktiven Klangerzeugung und nicht von der eben angesprochenen Orgelemulation.

Bevor wir zum klanglichen Aufbau und den daran beteiligten Bausteinen zu sprechen kommen, noch ein paar Worte zu der dem ACCELERATOR zugrunde liegenden Klangerzeugung. Radikal Technologies hat sich für Floating Point (Fließkomma) Berechnungen entschieden. Jörg Schaaf meinte dazu „Festkomma Zahlen sind perfekt geeignet um lineare Berechnungen durchzuführen. In der Akustik gibt es aber nahezu keine linearen Vorgänge. Möchte man z.B. einen möglichst großen Dynamikbereich mit beinahe beliebiger Präzision berechnen, stößt man bei linearen Zahlensystemen schnell an Grenzen. Hat man aber eine Zahl mit vielen Nachkommastellen und Exponenten, kann man mit beinahe beliebiger Genauigkeit einen deutlich höheren Wertebereich sehr genau berechnen.“

Radikal Technologies Accelerator

Radikal Technologies Accelerator

Wie setzt sich der Klang im ACCELERATOR pro Stimme zusammen?

Als klangliches Ausgangsmaterial dienen drei Oszillatoren die überblendbare Wellenformen (Sinus – Triangle – Saw – Square) verfügen. Freunde der „Supersaw“, oder anderer spezieller Wellenformen, werden hier nicht fündig werden. Allerdings lassen sich unter zuhilfenahme der Time Linearity Modulation (TLM), Phasenmodulation (PM), sowie Ringmodulation (RM) zwischen den Oszillatoren 2 und 3 und der für OSC1 verfügbaren Oszillator Synchronisation (Sync zu OSC2) aus den Grundwellenformen vielfältige Spektren erzeugen. Die TLM dient dazu die Ausgangswellenform zu stauchen und zu dehnen. Sie vermuten richtig, im Falle der Rechteckwellenform führt dies zur Pulsbreitenmodulation. Die TLM lässt sich erfreulicherweise auf alle Grundwellenformen anwenden.


Radikal Technologies Accelerator – Ineinander überblendbare Wellenformen

Ein weiteres Feature der Oszillatoren ist die lineare Feinstimmung der Frequenz, die zusätzlich zur Grob- und Feinstimmung zur Verfügung steht. Weil wir gerade bei der Besprechung der Oszillatorsektion sind und die Oszillatoren im ACCLERATOR fälschlicherweise als „VCO“ bezeichnet werden. Es sei der Vollständigkeit wegen festgehalten, dass es sich weder im Falle der VCOs noch der VCFs und VCAs um spannungsgesteuerte Elemente der Klangerzeugung handelt. Das Hauptkriterium ist allerdings ein anderes und das ist die Klanggüte. Wo andere Instrumente schon in tieferen und höheren Lagen unfreiwillig das Klangbild mit Artefakten bereichern, merkt man im Falle des ACC die geballte Rechenpower. Aliasing ist wenn überhaupt nur in den schmerzhaften Frequenzbereichen wahrnehmbar und stellt für den ACCELERATOR definitiv kein Problem dar. Das die Oszillatoren in Richtung Filter verlassende Signal ist als sauber, aber keinesfalls hart oder kalt zu bezeichnen.


Radikal Technologies Accelerator – Factory Sounds Demo 2

Die zwei Multimodefilter pro Stimme können als Low Pass (12dB/24dB), Band Pass (12dB/24dB), High Pass (12dB/24dB) und Notch (12dB/24dB) eingesetzt werden. Sie lassen sich seriell oder parallel verschalten. Als Parameter sind die üblichen Verdächtigen zu finden, CutOff, Resonance, EG Depth und KeyScale wobei im Falle der CutOff Frequenz positiv die etwas feinere als übliche Unterteilung des Wertebereichs von -255 bis +255 auffällt. Filter FM oder Filter Distortion werden derzeit nicht geboten. Dafür gibt es aber noch ein weiteres, spezielles Filter. Dazu bewegen Sie den Cursor auf den nächsten Reiter auf „STR“. Wer dazu „Strings“ assoziiert der kommt dem Gebotenen in gewisser Hinsicht schon recht nahe. Das was der ACCELERATOR als drittes Filter bietet ist ein sogenanntes String Filter. Laut Manual handelt es sich dabei um eine „Rückgekoppelte Verzögerungsleitung mit Dämpfung“. Also ein Digital-Delay mit der Möglichkeit zur Dämpfung des Höhen- und Bassanteils. Vermutlich haben Sie die Gitarren und Flötensounds auf der Herstellerseite oder auf YouTube schon gehört. Diese „geräuschhaften“ Klänge sind auf den Einsatz des String Filters zurückzuführen.

Die sich vielleicht nun aufdrängende Frage, ob denn der ACCELERATOR auch Noise bietet, lässt sich mit einem kurzen und klaren „ja!“ beantworten. Die Rauschquelle besitzt eine eigene von den anderen Filtern unabhängige Multimode Filter Sektion. Nicht schlecht, zumal sie sich gesondert modulieren lässt und somit für eine weitere Bereicherung der klanglichen Möglichkeiten sorgt. Demnach hat der ACCELERATOR tatsächlich drei Multimode Filter pro Stimme. Stellt sich nun nur noch die Frage wie sie klingen. Das entnehmen Sie am besten den Audiofiles. Um mich hier aber nicht vor einem kurzen Resümee zu drücken – die Filter klingen allesamt hervorragend. Wenn ich einen Kritikpunkt an dieser Stelle anbringen muss, dann wäre es der, dass bei hoher Resonanz die Filter etwas hart klingen. Aber nur damit wir uns richtig verstehen, wir reden hier von hervorragend klingenden Filtern von denen so mancher vor nicht allzu langer Zeit noch geträumt hat.


Radikal Technologies Accelerator – Factory Sounds Demo 3

Dem klassischen Aufbau folgend kommt nach der Filtersektion die VCA Sektion. Diese ist Stereo ausgelegt, d.h. die beiden Filter Ausgänge können unabhängig voneinander im Panorama verteilt werden. Erwartungsgemäß lassen sich damit schöne breite Sounds erstellen, von denen es so manchen in den Werksprogrammen gibt. Es wäre nicht der ACCELERATOR, wenn es nicht auch in der VCA Sektion noch ein „Mehr“ gäbe. Dieses Mehr ist ein voll parametrischer, dreifacher EQ der dem Sound den letzten Feinschliff verpassen kann.

Was wäre das alles ohne Modulationen? Das dachte sich auch Radikal Technologies und hat dem ACCELERATOR sechs Hüllkurven und vier LFOs mit auf den Weg gegeben. Zwei der sechs Hüllkurven sind fix VCA1 und VCA2 zugewiesen, können darüber hinaus aber natürlich andere Ziele modulieren. Die AHDSR Hüllkurven sind nicht loopbar und können nicht annähernd so schnell abgehandelt werden wie sie sind. An dieser Stelle sei ein weiteres Mal auf die Audiodemos verwiesen, einige der Drum- und Perkussionklänge untermauern die Schnelligkeit ebenso, wie zB der Klang „Peter Baumann“. Wer sich selbst am Instrument davon überzeugen will, dem seien z.B. die Programme A9.7 „Conga Slap“, A9.8 „ElectronicFrmDrm“ oder einige der Bassklänge empfohlen. Die Hüllkurven zählen zu den schnellsten ihrer Art und tragen ihren Teil zum sehr guten und druckvollen Klang, wie Sie auch im folgenden Audiobeispiel hören können.


Radikal Technologies Accelerator – Drumsounds

Nun zu den LFOs. Davon gibt es drei pro Stimme, der vierte LFO dient zur Modulation des gesamten PARTs. Die Low Frequency Oszillatoren sind brav und machen ihrem Namen alle Ehre. Hier hätte ich mir einen deutlich höheren Frequenzbereich gewünscht und hoffe auf ein dahingehendes, zukünftiges Update. Die LFO Wellenform lässt sich stufenlos von Sinus über Dreieck, Sägezahn, Rechteck bis zu Random einstellen. Mittels Channel Aftertouch der Tastatur kann die Modulationstiefe ebenso gesteuert werden, wie mittels Modulationsrad oder Schwellerpedal.

Radikal Technologies Accelerator: Display

Radikal Technologies Accelerator: Die Advanced Edit Section

Und damit sind wir schon bei der Modulationsmatrix angelangt. Diese wäre als Foto in der maximalen Darstellungsgröße nicht lesbar und steht daher hier als Accelerator Modulations Matrix pdf Datei zur Verfügung (© Radikal Technologies).

Im ACCELERATOR und damit sind wir bei der Bedienung, muss man sich durch die „MOD“ Liste unter Nutzung der links neben dem Display befindlichen „up/down“ Cursortasten klicken (siehe Foto). Die Vielzahl und Vielfalt fordert ihren Tribut, will man nämlich im Display die unterste Kombination aus MOD Source und Target bearbeiten kommt man nicht umhin 31x den „down“ Cursor zu betätigen. Zugegeben, der Fall wird vermutlich nicht täglich eintreten, dennoch ist es umständlich. Radikal Technologies ist sich dessen bewusst und arbeitet an einer Lösung in Form eines Editors. Jörg Schaaf war so nett uns vorab einen Screenshot des Editors zur Verfügung zu stellen den Sie in untenstehender Abbildung sehen.

Neben den eben besprochenen Modulationen sind heute oftmals interne Effekte zu einem nicht mehr wegzudenkenden Klangbestandteil geworden. Diesem Umstand trägt der ACCELERATOR Rechnung. Die vier Effektbusse stehen schon in der Grundversion zur Verfügung und werden dahingehend genutzt, dass es beim Umschalten nicht zu einem Abschneiden der Hallfahnen und Delays kommt. Dieses als „Voice Remain“ bezeichnete Feature ermöglicht es auch bei gehaltenem Akkord einen neuen Klang auszuwählen ohne den bestehenden abzuschneiden. Vor allem Live ein nicht zu unterschätzender Vorteil, aber auch im Studio vorteilhaft, da die damit oft resultierenden Pegelsprünge unterbleiben. Apropos Pegel, ebenfalls von Vorteil ist ein im Bus befindlicher Limiter, der an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll.

Durch einmaliges Drücken des FX/DRY Reglers gelangen Sie in das Effektmenü. Zur Auswahl stehen Distortion, Delay, Phaser, Leslie, Chorus, Reverb und ein EQ. Sie alle sind von guter bis sehr guter Qualität. Dass der Hall nicht so edel wie bei einem Spezialisten à la Briscati, Lexicon oder TC klingt sollte sich von selbst verstehen. Da er in den Audiofiles laufend zum Einsatz kommt, überlasse ich es Ihnen die Qualität des Reverbs zu beurteilen. Hervorragend sind meiner Meinung nach Chorus und Phaser, Distorsion sowie das Delay.

Sollte Sie ebenfalls zu den Zeitgenossen zählen, die auch gerne einmal schnell wissen wollen wie ein Klang DRY klingt, dann reicht ein Druck auf den FX-BYPASS Schalter, der sich unterhalb des Volume Reglers befindet. Wollen Sie hingegen den Effektanteil schnell reduzieren, drehen Sie den FX DRY/WET Regler, rechts neben dem Display. Im Audiofile „Factory Sounds 3“ haben ich von diesem reichlich Gebrauch gemacht. Ab etwa 4:19 hören Sie die eingespielte Phrase einmal mit hohem und dann mit geringem Effektanteil. Zu Beginn desselben Audiofiles können Sie den Rotary Effekt hören, dem eine kurze Oszillator Sync Sequenz folgt. In den darauf folgenden Klängen kommen Hall, Distortion, Delay und Chorus zum Einsatz. Kurzum die Effektsektion weiß mir zu gefallen.

Radikal Technologies Accelerator: Direct Edit Section

Radikal Technologies Accelerator: Direct Edit Section

Kommen wir zur Bedienung des ACCELERATOR’s. Auf der linken Gehäuseoberseite befindet sich die DIRECT EDIT SECTION in der Sie die Klangprogrammierung ebenso wie die Programmierung der inkludierten Step Sequencer vornehmen können. Plural? In der Tat. Bis zu acht Step Sequenzer mit 32 polyphonen (!) steps lassen sich programmieren. Damit nicht genug, stehen noch drei zusätzliche Sequenzerlinien zur Parameter Automation zur Verfügung. Arpeggiator? Die gibt es natürlich auch, bis zu acht polyphone Arpeggiatoren. Einfingerkompositionen steht somit nichts mehr im Wege.

Rechts neben der Edit Section und somit fast in der Mitte des Instruments befindet sich die ADVANCED EDIT SECTION. In ihrem Zentrum ist das monochrome Grafik Display das links vom Cursor und unterhalb von drei Encodern umgeben ist. Was bis dato unerwähnt blieb, wenn Sie irgendeinen der Schalter oder Regler für etwa eine Sekunde gedrückt halten erscheint eine „Hilfe“ Funktion die englisch die jeweilige Funktion beschreibt. Nett!


Radikal Technologies Accelerator – Phaser & LFO

Auf der rechten Seite der Gehäuseoberfläche befindet sich die Sound Organisation. Mit dieser hatte ich zu Beginn ein wenig Probleme, die nach Konsultierung des Manuals schnell aus der Welt geräumt werden konnten. Die Klänge können Single, Split, Dual oder Multi verteilt werden und sind in zehn Klangkategorien abgespeichert. Was ich an dieser Stelle vermisse ist ein Unison Mode, den ich somit auch auf meine Wunschliste setze. Allerdings muss dieser wohl zu einem ziemlich gezügelten Pegel des ACCELERATOR’s führen, da der an und für sich schon hohe Pegel in diesem Fall vermutlich den einen oder anderen Lautsprecher schießen würde.

In der ADVANCED EDIT SECTION findet sich die RANDOM Funktion. Diese soll helfen, schnell zu neuen Klängen zu gelangen. In ihrer Umsetzung entspricht sie tatsächlich eher einer Rekombination. Als Ausgangspunkt dienen stets Klangfarben die sich im Speicher befinden. Aus diesen werden Klangelemente der entsprechenden Kategorien verwendet und rekombiniert. Was zunächst wenig spektakulär klingt, bedeutet in der Praxis eine höhere Anzahl an unmittelbar musikalisch einsetzbaren Sounds. Vereinfacht dargestellt funktioniert das Prinzip wie folgt: von PAD A werden z.B. die Einstellungen der Oszillatoren verwendet und mit den Filtereinstellungen des PADs B kombiniert, von PAD C werden die Modulationseinstellungen genommen und von PAD D wiederum die Hüllkurven, von PAD E die Effekt Einstellungen. Smart. Natürlich wird man nach all dem Gebotenen unverschämt und so wünsche ich mir noch eine „echte“ Randomize Funktion. Wobei sich das Prinzip der Rekombination natürlich auch leicht zweckentfremden lässt in dem man die einzelnen Sounds falschen Kategorien zuweist. Pferdefuss an der Sache ist natürlich, wenn Sie live schnell einmal aus der Kategorie PAD ein solches aufrufen wollen dieses aber andernorts abgelegt haben…. Wie auch immer, die RANDOM Funktion kann vor allem im Studio zur Erstellung neuer Klänge wertvolle Dienste erweisen.


Radikal Technologies Accelerator – Sweeping

Der ACCELERATOR lässt sich auch als Masterkeyboard einsetzen und bietet einige Features die vor allem im Live Betrieb geschätzt werden. Nebst dem Voice Remain Feature würde ich die CHAIN Funktion dazu zählen. Für jedes Programm lässt sich damit auch der Spielmodus (Single, Dual, etc.) abspeichern und ganz bequem die Sounds der Reihe nach abrufen. Der für mich verzichtbare 3D Neigungssensor wird vermutlich ebenso eher von live spielenden Musikern geschätzt werden. Mit dem ACCELERATOR im Studio herumwackeln wird vermutlich nie zu meiner Passion werden, aber man weiß ja nie. Ein Ribbon Controller hätte bei mir mit Bestimmtheit mehr Euphorie ausgelöst. Wie auch immer… mit seinen gerade mal 9kg und den eben erwähnten Features sowie der sehr guten Verarbeitung könnte der ACCELERATOR unter Live spielenden Musiker durchaus einige Freunde finden.

Radikal Technologies Accelerator

Radikal Technologies Accelerator: Stimmenerweiterung

Kommen wir zum Studioeinsatz und damit auch schon zu meinem zweiten Hauptkritikpunkt. Die ersten Demoaufnahmen haben sich ziemlich schwierig um nicht zu sagen mühsam gestaltet. Der ACCELERATOR hat aus irgendeinem Grund die MIDI Daten durchgeschleift, Local Off habe ich zudem leider auch erfolglos gesucht. D.h. dass ich für Aufnahmen immer wieder die MIDI In Verbindung trennen musste um ein MIDI Daten Chaos zu vermeiden. Die USB Übertragung half das eine oder andere Mal, war aber nicht immer die verlässlichste Alternative. Der in einem solchen Fall notwendige Neustart dauert übrigens ganze 5 Sekunden und hat mich daher milde gestimmt, zumal es nur im Zusammenhang mit der DAW zu derlei Problemen kam. Das war dann aber der Punkt an dem ich mit Jörg Schaaf Kontakt aufnahm. Erfreulicherweise kam binnen kürzester Zeit nicht nur eine freundliche sondern vor allem hilfreiche Antwort. Um diesen Teil abzukürzen, am Ende von alledem stand v1.54, die schnell via USB und das dieses Mal reibungslos, in den ACCELERATOR transferiert wurde. Das gebotene Service ist beispielhaft, zumal sich das Team aus gerade einmal zwei Köpfen zusammensetzt, Jörg Schaaf und Andreas Tofahrn.

Resümee

Mit dem ACCELERATOR hat Radikal Technologies ein Instrument auf den Markt gebracht, das sich durch Liebe zum Detail auszeichnet. Offensichtlich wurde nicht nur viel über mögliche Features nachgedacht, sondern diese auch gut umgesetzt. Die Entscheidung für „Klasse“ und gegen „Masse“ hört man und kann daher von meiner Seite aus nur begrüßt werden. An oberster Stelle sollte letztendlich immer stehen was klanglich aus einem Instrument kommt und hier spricht vieles für den ACCELERATOR. Ob warme, weiche Pads mit Schwebungen, dry oder mit hohem Effektanteil, ob breite Sounds, sie alle sind in den 500 Single Sounds vertreten. Wer damit nicht glücklich wird, kann auf einfache Weise selbst Hand anlegen oder mittels RANDOM Funktion den ACCELERATOR neue Klangkreationen entlocken. Basssounds haben den nötigen Druck und Energie, ebenso wie die Präzision im tiefen Frequenzbereich. Leadsounds können schneidend, verzerrt oder im 70er Jahre Stil sein. Perkussion Sounds? Kein Problem, gute synthetische Drumsounds bietet er schon ab Werk. Selbst das Pitch Bending verhält sich im Vergleich zu einigen Mitbewerbern „anders“. Dies fiel mir schon nach den ersten Minuten positiv auf, auch, dass man Klänge in für Lautsprecher und Aufnahmegeräte gefährlich tiefe Regionen runterziehen kann.

Ich höre sie schon die altbekannten Fragen „und… klingt er wie ein Jupiter-8?“ Nein. „Klingt er wie ein Prophet 5?“ Nein. „Klingt er wie ein Oberheim…. ?“ Nein. Gegenfrage – klingt ein Jupiter wie ein Prophet? Nein! Eben. Die Antwort lautet, er klingt wie der ACCELERATOR. Was nicht gleichbedeutend damit sein soll, dass er die entsprechenden Klänge der angesprochenen Klassiker nicht hinbekommen würde. Tendenziell finde ich sogar, dass die meisten Factory Sounds exakt an diese Zeit angelehnt und aus meiner Sicht wirklich gelungen sind. Was umgekehrt nicht bedeuten soll, dass er nicht auch moderne Klänge mit Leichtigkeit hinbekommt. Einzig die im Testgerät befindlichen Werksounds gehen dzt. eher in Richtung der angesprochenen Klassiker. Dass er auch „digital“ klingen kann, versucht das „Factory Sound 2“ Audiofile zu demonstrieren. Die Möglichkeiten der Oszillatoren unterschiedliche Spektren zu erzeugen und die Vielfalt der Filter ist bei der gebotenen Klangqualität  eine optimale Voraussetzung um für lange Zeit mit dem ACCELERATOR glücklich zu werden. Die wenigen Kritikpunkte sind schnell nochmals aufgezählt. Da ist die aus meiner Sicht zu niedrige Frequenz der LFOs, der fehlende Unison Mode und die MIDI Local Off Funktion. Das nicht unerhebliche MIDI Problem scheint übrigens mit der Version 1.54 aus der Welt geschafft zu sein.

Lassen Sie mich zurückkommen auf die etwas provokant formulierte Frage im Titel dieses Testberichts. In der Tat ist bedingt durch die neuen, schnelleren Prozessoren, vor allem aber durch die besseren Algorithmen nun eine Generation virtuell analoger Synthesizer am Markt erschienen um eine neue Ära einzuleiten. Die Diskussion ob der vermeintlich zu geringen Stimmenzahl ist in Zeiten in denen man bald auf einem iPhone 64 Spuren aufzeichnen kann nicht wirklich nachvollziehbar und mit dem Einbau einer Stimmenerweiterung haben Sie 20 Synthesizerstimmen sowie eine 61 stimmige Drawbar Orgel obendrauf.

Wenn Sie Gelegenheit haben den ACCELERATOR in einem Musikgeschäft anzuspielen, dann nehmen Sie sich einen Kopfhörer und vor allem die Zeit. Vorsicht übrigens mit der Lautstärke, denn das was da aus dem ACCELERATOR kommt, kommt mit einem ordentlichen Pegel! Ich wollte mir keinesfalls einen weiteren Synthesizer ins Studio stellen, im Gegenteil, eigentlich lautete der Plan mein Equipment zu reduzieren. Nun muss ich nach einem Blick auf mein Konto vor allem sehen, wo ich hier einen gebührenden Platz für ihn finde, denn die Heimreise wird er wohl nicht mehr antreten.

Amazona.de Interview mit Jörg Schaaf 

 

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