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Roland JU-06 – Erster Eindruck

12. August 2016 - Sound, Studio
Roland JU-06 – Erster Eindruck

Heute geht es Schlag auf Schlag und irgendwie komme ich mir mittlerweile vor wie in Gullivers Reisen. Nach den ersten Eindrücken zu Rolands Boutique JP-08, folgen nun die zu seinem Bruder, dem Roland Boutique JU-06. Beide machen sich Rolands Analog Circuit Behavior (ACB) zu nutze. Hat der JP-08 den legendären Jupiter-8 zum Vorbild, so diente für den JU-06 der Juno 106 als Vorlage.

Roland Boutique JU-06 title

Ich mag gar nicht lange fackeln, aber zumindest bevor Sie sich die folgenden Beispiele anhören doch auf einige Punkte hinweisen. In den Klangbeispielen geht es nicht darum pfiffiges Sounddesign zu zeigen, was beim JU-06 und beim Juno 106 generell zu den schwereren Übungen zählen dürfte, ebenso wenig um spieltechnische Raffinessen. Vielmehr sind die drei Beispiele eine Aufzeichnung meiner ersten Eindrücke, was sich leicht am kaum zu überhörenden Rauschen erkennen lässt. Warum daran? Nun Roland hat keine Mühen gescheut auch das Rauschen des Originals nachzubilden, uns Usern aber die Möglichkeit gegeben eben dieses zu reduzieren. Dazu hätte ich aber in der Bedienungsanleitung nachsehen müssen…

Keine externen Effekte, keine Kompression. Die Lautstärke des Rauschens variiert da ich die drei Spuren in ihrem Volume angepasst habe.

Wir halten fest:

… also ich habe da schon Schlechteres gehört.

ADDENDUM 14. August 2016:
Zum Vergleich eine Roland Juno-60 Sequenz

Rüdiger schreibt dazu:
Arpeggio ist eine Pulswelle mit etwas PWM und Resonanz, sowie wenig geöffnetem Filter.

Der Stringsound besteht aus Sägezahn, Pulswelle, Suboszillator und Chorus 2 mit relativ viel Release Phase und halboffenen Low-Passfilter mit wenig Resonanz.

Aufgenommen mit Apogee Symphony über Logic Pro X ohne jegliche Nachbearbeitung und Effekte.

Ein Danke an Dich Rüdiger fürs Bereitstellen und Hochladen

Addendum 18. August 2016:

10 thoughts on “Roland JU-06 – Erster Eindruck

Rüdiger

Hallo Peter,

Klingt wirklich sehr ansprechend. Er erinnerit mich tatsächlich an meinen Juno 60. Vor allem das glockige Pulswlellenpatch und auch der Bass. Dessen Druck fand ich allerdings noch stärker. Vor allem das Filter war wirklich gewaltig, was man da bei gewaltigen Stringsounds richtig gut zur Geltung bringen kann. Dennoch bin ich mehr als überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass man mit dem Winzling so nah als Original kommt. Viel Freude Dir damit und ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße
Rüdiger

Reply
    Peter M Mahr

    Hallo Rüdiger,

    Ja, da bin ich ganz bei Dir. Beim Bass geht bestimmt noch etwas, aber das würde ich mir mit ein bisschen EQ in jedem Fall nochmals genauer anhören. Ist dann zwar nicht 1/1, aber am Ende zählt ja der Ausdruck und in dem Fall ob man dem Original nahe kommt. Ein EQ ist ja jetzt nicht gerade ein Tool, das keiner im Studio hat. 🙂 Dann müsste man auch noch sehen wie die Sounds im 106er klingen, ich habe ihn da weniger wuchtiger im Bass in Erinnerung. Ich kann da aber auch völlig falsch liegen. Ist einfach viel zu lange her.

    Nichtsdestotrotz ist der Winzling eine äusserst positive Überraschung wie ich finde. Muss ihn dann einmal anschliessen, sounds sichern und updaten. Gleiches gilt für den JP-08. Amüsante Randnotiz, bedingt durch die wenigen Regler des JU-06 sind die grösser ausgefallen und die überschaubare Zahl an Parameter lädt irgendwie noch mehr ein, wobei es beim JP-08 ja auch nicht überbordend ist.

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende,

    Liebe Grüsse,
    Peter

    Reply
Oli G

Sehr schön, ich freue mich, dass die Empfehlung nicht enttäuscht hat. Inzwischen habe ich ja alle drei der kleinen Racker und bin jedesmal wieder doch ein wenig überrascht, wie gut und druckvoll sie klingen und zwar unabhängig davon, ob der Sound jetzt genauso ist wie das Original. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich bei meinen Juno 60 und JX-3P ein ähnlich positives Gefühl der „Klangästhetik“ hatte. Das kommt nun mal davon, wenn man den Roland-Sound so liebt. Und allein wenn ich an mein kurzes Intermezzo mit einem Juno 106 denke, wo sich dann – wie so oft – zum Glück schon nach Kurzem herausstellte, dass doch zumindest ein Voicechip defekt war, da lobe ich mir doch die Replik allein schon aus Gründen der Verlässlichkeit.

Roland ist mit ACB am richtigen Weg, anders kann man das nicht ausdrücken. Somit wäre es nur logisch, wenn sie auch – hoffentlich mal – den Pfad der Repliken verlassen und die Technologie für ein innovatives, inspirierendes Produkt nutzen. Dass „VA“ dicht, warm und präsent klingen kann haben sie unabhängig vom Vergleich mit den Vorbildern bewiesen. Nur eben das 4 Stimmen Limit ist besonders übel und natürlich auch, dass selbst das Polychainen keine wirkliche Alternative ist, aufgrund der seltsamen Implementierung.

Tja, du kennst ja schon die Geschichte, als ich vorgestern vor meinem OB-6 sitze und ihn vom Klangeindruck mit dem JU-06 vergleiche. Und dann einfach sagen muss, dass der JU-06 besser zu dem passt, was ich brauche und mir klanglich vorstelle. Zwerg, Replik, VA etc. hin oder her.

Genug der Philosophie – die Boutiques sind kleine nette Gesellen, die sowohl unterwegs, auf der Bühne, im Proberaum aber eben auch im Studio schnell sehr gute Ergebnisse bringen. Und Spaß machen.

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    Peter M Mahr

    Rüdiger hat freundlicherweise eine Juno-60 Demosequenz hochgeladen und ich habe den Link soeben hinzugefügt. Mal sehen, ob ich dazu komme und wichtiger, die Sounds im JU-06 in etwa hinbekomme.

    Ja Danke Dir und Axel (J) für die Empfehlung. Axel hat mir ja das System-1 zusätzlich empfohlen und nachdem ich das SH-2 Plug-Out Demo von Nick gehört habe war ich doppelt neugierig. Allerdings komme ich mit dem Keyboard nicht klar und die Modularversion war nicht vorrätig. So sind es einmal JP-08 und JU-06 geworden. Muss über mich selbst schmunzeln, denn eigentlich hat mich die DM12 Diskussion so richtig neugierig gemacht. Ich wäre übrigens gespannt wie all die JU-06 und JP-08 Sounds klingen würden, wären sie auch so Effektbeladen. Mal sehen wozu ich in den nächsten Tagen kommen werde, aber ein bisschen Synthpop drängt sich da ja auf.

    Was die DSIs betrifft, warum sie nicht mehr bei mir sind (wie einiges andere auch) weisst Du ja. Sowie die Dinge klarer sind und abhängig davon was mich dann interessiert, sind es drei DSI Instrumente, die mich nach wie vor interessieren, da ist einmal der OB-6, trotz des nicht gerade ansprechenden Äusseren, der Prophet-12, von dem ging eine Magie aus und der Pro-2. Gestern habe ich durch Zufall einige meiner Demosequenzen gehört war erstaunt wie flexibel er ist. Es hat mich auch daran erinnert, wie wichtig es ist sich mit den Instrumenten eingehend zu beschäftigen. Das Factory Sound erstellen ist eine gute Gelegenheit deren Nachhaltigkeit allerdings bei mir bis dato etwas zu wünschen übrig lässt.

    Anstelle des Pro-2 könnte allerdings Arturia zum Zuge kommen, die letzten Videos gehen nun endlich in eine aussagekräftige Richtung. Was Roland betrifft, da habe ich meine Wünsche schon festgehalten. Mal sehen ob und was davon verwirklicht wird, aber der Schritt von analog (wieder) zu digital liegt nahe. Einzig das alleinige Arbeiten am Computer, das kann ich mir nach wie vor nicht vorstellen. Als Aufnahmegerät ja, als Klangquelle nein. Derzeit, man weiss ja nie und den Verlockungen widerstehen kann ich (offenbar) ohnehin nicht. Aber von irgendetwas muss die Wirtschaft ja leben. 🙂

    Liebe Grüsse,
    Peter

    Reply
      Rüdiger

      Erst mal vielen Dank, Peter, für das verlinken meiner kurzen Sequenz. Das Internet, insbesondere YouTube und SoundCloud sind ja übervoll mit guten Klangeindrücken vom Juno 60. Sonderlich representativ ist das kurze Klangschnippsel nicht gerade. Allerdings hat es mir gezeigt, wie unglaublich warm und lebendig der Juno klingt.

      Die Boutique Serie scheint wohl wirklich unterschätzt zu werden, wenn ich so eure Beiträge lese. Und selbst Nick Batt, dessen Meinung ja wirklich was wert ist, meinte ja, dass die Kleinen fast an die Originale rankommen.

      Ich persönlich liebäugle allerdings nur mit dem JP-08, da man für den Preis des Jx 3 ja schon fast das Original bekommt (eben ohne Programmer).

      Von den drei Junos soll ja der 60 der beste sein, weil er leicht midifiziert werden kann und zudem Programme aufweist. Der Juno 106, der hier ja die Vorlage war, gilt als eher Mainstream, während am dem Juno 6 ja sogar nachsagt, dass er wegen der fehlenden Speicherbarkeit einen noch direkteren Signalfluss hat, wodurch der Klang aus Sicht einiger noch etwas rauher und direkter sein soll, als derjenige des 60er.
      Liebe Grüße
      Rüdiger

      Reply
        Peter M Mahr

        Sehr gerne Rüdiger.

        Mag sein, dass YouTube und SoundCloud hier einen guten Fundus bilden, ich bevorzuge den persönlichen Bezug. Wo ich allerdings auf YouTube nachsehen werde müssen sind Juno-106 Videos, da der JU-06 ja diesen zum Vorbild. Das macht mehr Sinn. Was nicht bedeutet, dass es nicht reizvoll ist mit dem JU-06 zu versuchen die Klänge nachzuprogrammieren. Beim Arpeggioklang wird das schon eine ziemliche „Tschelllendsch“. 🙂 Gestern habe ich mich einmal kurz vorgetastet und ad hoc würde ich sagen, dass – zumindest – mir, der nicht so gelingen wird. Ich glaube Oliver will sich auch daran versuchen.

        Mir gefällt der 60er, vielleicht kommt da auch noch etwas von Roland. Deren Liste an gut klingenden Instrumenten ist ja Fluch und Segen zugleich. Die Woche habe ich Urlaub und hoffe doch das eine oder andere Minütchen abzweigen zu können… mal sehen [offenebar mein aktueller Lieblingsspruch :-)].

        Liebe Grüsse,
        Peter

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Oli G

Das JU-06 Pad ist im besten Sinne „nichts Besonderes“ – genau so, wie ich es mir von einem Roland Juno erwarte. Auch ohne viele Modulationen etc. kommt es einfach weich und flauschig daher, überzeugt in Höhen wie in tieferen Lagen und harmoniert im zweiten Teil sehr gut mit dem Reverb, wobei es den gar nicht so wirklich braucht (ist ja ohnehin sehr dezent). Allein die 4 Stimmen limitieren ein wenig, wobei auch das nicht übermäßig auffällt.
Ich werde diese Tage mal ein paar Sounds vom JX-03 aufnehmen, unter anderem mag ich den nämlich auch besonders für Pads.

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    Peter M Mahr

    Eine perfekte Beschreibung Oliver.

    Ja, den Hall würde es gar nicht benötigen, da der Wert für die Release Time sehr hoch gewählt war. Dies aus gutem Grunde, weil damit gezeigt werden sollte, dass selbst mit nur vier Stimmen einiges möglich ist. Wichtig war mir den, so wie Du auch schreibst, flauschigen Charakter hinzubekommen. Wirklich pfiffiges Sounddesign wird bedingt durch die Möglichkeiten ohnehin schwer – um nicht zu sagen unmöglich – aber braucht es das (immer)? Sieht man sich die Verbreitung des Juno-106 an, in Stückzahl wie in der Zahl musikalischer Releases in denen er zum Einsatz kommt an, dann zeigt es eines ganz eindrücklich – weniger ist mehr. Und das hat meiner Einschätzung nach überhaupt nichts mit dem im EPinF verhöhnten Preset Usern zu tun. Im Gegenteil, so mancher nutzt Juno-106 und Juno-6/60 deshalb gerne, weil man schnell zu (sehr) guten Ergebnissen kommt. Das könnte vor allem für die von Interesse sein, die mehr an der Musik interessiert sind.

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Rüdiger

Das sehe ich genauso. Die Junos sind einfach Könige. Der Grundsound ist, wie manche sagen, sogar besser als beim Jupiter 8. Ich habe mir jetzt wieder einen Juni 60 gekauft, nachdem ich meinen alten vor drei Wochen verkauft habe. Der Verkäufer hat mir mitgeteilt, dass sein Jupiter 8 schlechter war, was den Grundsound anbelangte. Und dies trotz 2 VCO statt ein DCO.

Als ich ihn heute Nacht intensiv gespielt habe, musste ich feststellen, dass er, egal, wie man daran drehte und schraubte, nie schlecht klang.

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    Peter M Mahr

    Du kennst ja meinen Standpunkt zum Verkauf und auch bzgl. des „Neu“erwerbs, zu dem ich Dir gratuliere. Der Juno ist so etwas wie ein einziger – wie man aktuell gerne sagt – „sweet spot“. Vermutlich mit ein Grund warum Behringer sich ihn, allerdings den 106er wenn ich mich nicht irre, als Vorlage genommen hat.

    Die Junos machen natürlich viel mit dem integrierten Chorus wett, der vor allem bei ein Oszillatorsounds seine Wirkung voll entfalten kann. Ich möchte mich an dieser Stelle auch als Roland Chorus Fan outen, den ich verzweifelt seit geraumer Zeit in einer rauschfreien Version für mein Rhodes (vergeblich) suche. Das nur einmal am Rande.

    Generell komme ich vermehrt vom zwei – voll aufgedrehten – Oszillatorsound ab. Das wäre übrigens ein eigenes Thema wert, da die Macht des Mixers, bzw. der Volumina der Oszillatoren gerne unterschätzt werden. Würde ich nach einem Tipp in Sachen OB-6 Sound Programmierung gefragt werden, dann wäre das meiner. Gilt aber für nicht wenige andere Instrumente genauso. Dort holt man die Nuancen ab.

    Der Jupiter-8 ist für mich wunderschön zum Ansehen und auch sonst vermittelt er eine Wertigkeit. Hätte ich den Platz und das Geld, würde ich ihn mir einfach zentral ins Studio stellen, einfach weil er mein Auge erfreut aber auch weil ich positive Assoziationen habe. Klanglich zeigt Roland mit dem JP-08 was selbst bei 44.1kHz heutzutage schon möglich ist. Ich hoffe, dass Roland wirklich mit dem System-8 rauskommt und dieses ein achtstimmiger AIRA Synthesizer wird. Das man dort so konsequent dem digitalen Weg treu bleibt ringt mir nach anfänglicher Skepsis nun den selben Respekt wie für Behringer und der Entwicklung des DeepMind 12 ab. Spannende Zeiten…. vielleicht auch hier, dazu aber mehr in einem eigenen Eintrag.

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