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Waldorf Zarenbourg – Faszination durch Reduktion?

12. Mai 2014 - Erfahrungsbericht, Taste
Waldorf Zarenbourg – Faszination durch Reduktion?

Der Waldorf Zarenbourg wurde auf der NAMM 2006 das erste Mal einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Das ursprüngliche Konzept und Design entstammen der Feder von Axel Hartmann, der das Konzept des Zarenbourgs noch für „Hartmann Instrument“ entwickelte. Doch es sollte anders kommen als erwartet und so wird der Zarenbourg, nach der heute mittlerweile eher zum Standard denn zur Ausnahme gewordenen langen Ankündigungszeit, mit dem Logo der Firma Waldorf verziert seit September 2012 im Musikfachhandel zum Verkauf angeboten.

Mit seinem Mix aus modernem Design und funkigem Retrolook bringt er stattliche 38kg auf die Waage. Die Verarbeitung des 120x62x83cm (BxTxH) großen Instruments ist als sehr gut zu bezeichnen und gibt keinen Anlass zur Kritik. Die vier speziell für den Zarenbourg gefertigten Chrom-Beine verleihen dem Instrument einen eleganten und zeitlosen Look und wichtiger noch, einen soliden Stand. Lässt man den Blick über das Instrument schweifen, so fallen einem sofort zwei weitere Dinge auf. Das sind zum einen die beiden links und rechts von der Aluminiumfrontplatte befindlichen Lautsprecher, die Teil des von der Firma EMES extra für den Zarenbourg entwickelten 2.1 Lautsprechersystems sind, sowie das Fehlen eines Displays. Sollten Sie sich an dieser Stelle fragen warum „2.1 Lautsprechersystem“? Das Audiosignal wird mittels digitaler Frequenzweiche aufgeteilt und der Bassbereich über einen eigenen auf der Unterseite des Instruments befindlichen Lautsprecher abgegeben.

Waldorf Zarenbourg: Chrombein und Basslautsprecher

Waldorf Zarenbourg – Unterseite: Die 38kg verteilen sich auf vier stabile Chrombeine. Auf der Unterseite befindet sich auch der Basslautsprecher des von EMES für den Zarenbourg entwickelten 2.1 Lautsprechersystems.

Das bringt uns zu den Reglern, von denen sich acht Stück auf der Aluminiumfrontplatte befinden. Dem einen oder anderen mögen die Drehknöpfe bekannt vorkommen, und das nicht zu unrecht, handelt es sich doch um Exemplare des Traditionsherstellers Cosmo. Neben dem Retroflair, tragen sie zu einer guten Ablesbarkeit bei und zeichnen sich durch eine ebenso gute Verarbeitungsqualität aus. Damit sind wir auch schon bei den beiden linken Drehreglern angelangt, deren Funktionen selbsterklärend sind. Besonders erwähnenswert ist vielleicht einzig der „External“ Drehregler, der das auf der Rückseite des Instruments eingespeiste, externe Stereosignal, in seiner Lautstärke reguliert. Eine gute Idee wie ich finde, die den Zarenbourg damit für Musiker interessant machen könnte, die ihn ihr Wohnzentrum stellen wollen um z.B. klassische E-Piano Klänge z.B. mit einem Moog Voyager oder einem Alesis Andromeda zu kombinieren. Für Fans von gutem Sound und Design aus dem Hause Hartmann durchaus eine Überlegung wert.

Waldorf Zarenbourg - Frontplatte links

Waldorf Zarenbourg – Frontplatte links: Ein externes Signal lässt sich über den „External“ Regler in seiner Lautstärke regulieren und dem des Zarenbourgs zumischen.

Die Empfindlichkeit des Eingangs lässt sich in vier Stufen einstellen und die Möglichkeit als solche ist in jedem Fall begrüßenswert. Den Computer nicht erst hochfahren zu müssen, sondern einfach sofort spielen zu können ist der Spielfreude alles andere als abträglich. Freunde von Softwarelösungen mögen dies anders burteilen, zählen aber vermutlich auch nicht unbedingt zur Zielgruppe dieses Instruments.

Apropos Positionierung – die Positinierung des Kopfhörerausgangs unmittelbar über den Tasten mag eine Reminiszenz an das Rhodes Mark 1 sein, leider weiß sie mich in der Praxis nicht wirklich zu überzeugen. Hinzu kommt, dass sich die Lautsprecher des Zarenbourgs derzeit nur durch Einstecken eines Klinkensteckers in die Kopfhörerbuchse deaktivieren lassen. Was in der Theorie gut erscheint, führt in der Praxis zu einem im Bassbereich herumhängenden Kabel. Für Aufnahmen die ausschließlich über externe Monitore abgehört werden sollen, empfiehlt es sich daher einen Klinkenstecker parat zu haben. Ich verwende z.B. zur Deaktivierung der internen Lautsprecher den abschraubbaren Stereoklinkenadapter meines AKG Kopfhörers. Vielleicht lässt sich hier noch mittels Software eine elegante Lösung integrieren.

Zarenbourg Tremolo Soundauswahl

Waldorf Zarenbourg – Mono/Stereo Tremolo und die Klangauswahl.

An dieser Stelle sei festgehalten, dass in Version 1.00 das im Kopfhörer anliegende Signal im Panorama gespiegelt vorliegt. Meine entsprechende Anfrage bei Waldorf wurde schnell und freundlich dahingehend beantwortet, dass der Bug bekannt und in der neuen Version behoben ist. Das Betriebssystem lässt sich übrigens bequem mittels SDHC Karte laden. Der entsprechende Karteneinschub befindet sich auf der Rückseite des Instruments.

Rechts vom „External“ Regler befindet sich der Bereich in dem Intensität und Geschwindigkeit des Tremolos eingestellt werden. Der Drucktaster rechts unterhalb des „Speed“ Reglers dient dazu zwischen der Mono- und Stereoversion umzuschalten. Im Stereobetrieb leuchtet die Taste gelb und Sie hören eine phasenverschobene Modulation der beiden Audiokanäle.

SOUND

Kommen wir nun zum wahrscheinlich interessantesten Bereich – zur Klangerzeugung.

Der Zarenbourg nutzt drei verschiedene Klangerzeugungen:

Ein respektables Angebot unterschiedlicher Klangerzeugungen. Vergleicht man dazu die Marketing Maschinerien anderer Hersteller, übt sich Waldorf hier vergleichsweise in sympathischer Zurückhaltung.

Zarenbourg Editor

Waldorf Zarenbourg – Editor: Physical Modeling erzeugt Rhodes und Wurlitzer Klänge.

Physical Modeling wird im Zarenbourg verwendet um Fender Rhodes und Wurlitzer E-Pianos klanglich nachzubilden. Zur Auswahl stehen von links unten (Position 9 Uhr, wenn Sie so wollen) ausgehend Tines, Bars und Reeds, wobei es sich im Fall von Tines und Bars um zwei (Fender) Rhodes Varianten handelt.

Bars – einzelne Noten

Bars und Tines

Tines – einzelne Noten, Akkorde

Wählt man das jeweilige Instrument aus und drückt die „PRESET“ Taste, hört man die vom Werk voreingestellten Klänge. Auf den Speicherplätzen „A“, „B“ und „C“ befinden sich ebenfalls vorprogrammierte Klänge, die vor allem reichlich von den internen Effekten Gebrauch machen und durch eigene Kreationen überschrieben werden können. Dazu wird der Klang wunschgemäß eingestellt und die entsprechende Taste solange gedrückt gehalten bis diese blinkt. Dies hat bei meinem Zarenbourg allerdings auch schon einmal dazu geführt, dass die Klänge initialisiert wurden.

Da zum Zeitpunkt dieses Testberichts der Editor noch nicht fertiggestellt war, können wir derzeit nur mit Screenshots dienen. Daraus ist ersichtlich, dass sich der Hammer, ebenso wie die Tines und Bars, sowie das Pickup noch in einigen Parametern verändern werden lassen. Gut.

Reeds – einzelne Noten

Reeds – Akkorde, zu Beginn Preset dry, dann mit internem Hall, anschließend mit Chorus und durchgetretenem Sustain Pedal, den zweiten Teil würde ich als „hatschendes“ Sustainpedal Experiment bezeichnen

Natürlich ist das derzeit nur von theoretischem Interesse, wichtiger ist, wie der Zarenbourg klingt. Und der Klang weiß zu überzeugen. Wobei es nicht nur der Klang an sich ist, sondern vielmehr das Zusammenspiel aus Tastatur, Klang und Lautsprecher. Dies bringt uns auch gleich zur Tastatur. Waldorf hat sich für die TP 100 Tastatur mit 76 gewichteten Tasten, von Fatar entschieden und damit einen guten Griff getan. Sie ist nicht zu stark gewichtet und vom Repititionsverhalten her angenehm. Für meinen persönlichen Geschmack könnte die Repitition vielleicht um einen Tick schneller sein, das mag aber jeder Spieler anders beurteilen. Die mir als Referenz dienende Tastatur des Yamaha CP1’ wird zwar auch hinkünftig für Flügelklänge mein Favorit bleiben, nicht zuletzt auch wegen des größeren Umfangs von 88 Tasten. Aber wenn es um E-Pianos geht, gebe ich ab heute dem Zarenbourg den Vorzug. Müsste ich mich für einen der beiden entscheiden, dann würde meine Wahl auf den Zarenbourg fallen. Ausschlaggebend dafür ist, wie schon weiter oben beschrieben, das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren, sowie die Dynamik und einfach der „Vibe“ der beim Spielen des Zarenbourgs entsteht.

Zarenbourg Editor Electric Grand

Waldorf Zarenbourg – Editor: Das Sample Streaming bietet Grand, Electric Grand, Clavinet sowie Orchestra und Synthpad Klänge.

Direct Streaming Sample Playback

Für die gesampelten Klänge steht ein interner Speicherplatz von 4GB zur Verfügung. Dieser ist ab Werk mit einem Steinway D Flügel, einem Yamaha CP-80, sowie einem Hohner Clavinet einem Orchesterklang und einem Padsound vorab teilweise belegt. Sie vermuten richtig, hinkünftig sollen auch User Samples geladen werden können. Da es dazu derzeit keine genaueren Angaben gibt, möchte ich es an dieser Stelle bei der Feststellung belassen.

Grand Piano – einzelne Noten

Lassen Sie uns mit dem Unerwarteten beginnen, dem Orchesterklang. Ich habe nicht schlecht gestaunt als ich die vorprogrammierten Klänge durchgegangen bin und plötzlich ein Orchester zu hören war. Nach wie vor bin ich mir nicht ganz sicher, ob dieser Klang vom Konzept her wirklich in den Zarenbourg gehört. Allerdings muss ich auch gestehen, dass mich dessen klangliche Qualität mit Fortdauer zu begeistern wusste. Dynamik und Klangqualität sind hier ganz oben anzusiedeln. Die unterschiedlichen Layer die hier mühevoll zusammengeführt und überblendet werden, haben allerdings auch einen Haken und der betrifft die Stimmenzuordnung, bzw. die Stimmenverteilung. Nebst den teilweise nicht immer leicht zu kontrollierenden Velocity Switches, sind es vor allem die abgeschnittenen Noten legato gespielter Basstöne. Hier wäre eine Eingriffsmöglichkeit über den Editor wünschenswert, um die Layer der jeweiligen Spielweise anpassen zu können. Wie erwähnt, den Klang selbst würde man in dieser Qualität eher in einer der heutigen, sehr guten Workstations vermuten.

Orchester Sound und CP-80

Das Clavinet kann ich schnell abhandeln. Es klingt wie man es von einem Clavinet erwartet. Die positive Überraschung schlechthin ist das Yamaha CP-80. Der eigenwillige Charakter und die Drahtigkeit des Klanges wurden sehr gut eingefangen und lassen das Yamaha (!) CP1 im Vergleich dazu auf der Strecke. Vor allem bei Verwendung des internen Chorus’ fühlt man sich schnell an viele Songs der 80er Jahre erinnert. Bleibt in diesem Bereich nur mehr das Grand Piano, das für mich die Enttäuschung dieses ansonsten hervorragenden Instruments ist. Auch, wenn es ein Steinway D Flügel ist, der als Original für die Aufnahmen gedient hat, so liegt das Ergebnis hinter meinen, durch die Qualität von Rhodes, Wurlitzer und CP-80 bestätigten, hohen Erwartungen. Ich vermisse die Dynamik sowie die Breite die man heutzutage von Stereosounds gewohnt ist. In diesem Fall kommt bei mir nicht das Gefühl auf, vor dem entsprechenden Instrument zu sitzen und es zu spielen. Der Synthpad Klang ist wie man ihn erwartet. Persönlich würde ich einem Solina String Sound den Vorzug geben, aber dies wird jeder anders beurteilen.

Yamaha CP-80 – einzelne Noten

Yamaha CP-80 – zunächst Preset, gefolgt von CP-80 mit Chorus

Hohner Clavinet – einzelne Noten

Wie es scheint, dürfen sich Zarenbourg Besitzer und solche die es noch werden wollen, eventuell noch über ein nachgereichtes Upright Piano freuen. Wann dieses nachgereicht wird ist derzeit [Oktober 2013] ebenso unklar wie der angekündigte Editor, auf den sich so mancher schon freut, den Verfasser dieser Zeilen eingeschlossen.

Zarenbourg Editor FM

Waldorf Zarenbourg – Editor: 6 Operatoren liefern echte FM E-Pianoklänge.

FM Synthese

Im Zarenbourg steht ein 6 Operatoren Synthesizer zur Verfügung, der – welch Überraschung – sich am DX-7 orientiert und auch prompt dessen berühmtesten E-Piano Klang authentisch zur Verfügung stellt.

Derzeit steht dem Anwender ein Algorhithmus, mit drei parallelen Strängen, die jeweils aus einem Carrier und einem Modulator bestehen (ohne Feedback), zur Verfügung. Ob hinkünftig auch andere Algorithmen bereitstehen werden, war zum Zeitpunkt unseres Testberichts nicht klar.

6 Operatoren FM- einzelne Noten

FM und PM Kombination

Wie Sie dem FM Editor Screenshot entnehmen können, sind die einzelnen Bausteine in Frequenz, Lautstärke, Velocity und im zeitlichen Verlauf editierbar. Positiv fällt auf, dass man sich für andere Frequenzangaben und vor allem im Bereich der Hüllkurve für vermutlich intuitivere Parameter entschieden hat. Und wie klingt es? Sie werden es nicht glauben, nach DX-7. Da ich mich aber ausgerechnet an diesem E-Piano Sound schon satt gehört habe, harre ich vor allem im Falle der FM Synthese des Editors. Und um nochmals den Vergleich zum CP1 zu bemühen, dieses verfügt ebenfalls über echte FM, bietet aber weniger Eingriffsmöglichkeiten. Meine selbst erstellten CP1 FM Pianos gefallen mir derzeit besser. Der Vergleich ist allerdings etwas unsportlich, da der schon angesprochene Editor erst in den nächsten Wochen zur Verfügung stehen soll.

Die FM Synthese halte ich nach wie vor für eine der unterschätztesten Syntheseformen. Ihre Stärke liegt neben dem großen, klanglichen Spektrum, vor allem im gut kontrollierbaren dynamischen Klangverlauf, der ein ausdrucksstarkes Spiel unterstützt. Daher ist eine gute, gewichtete Tastatur, wie sie der Zarenbourg bietet, von Nutzen. In den Werksounds findet sich neben dem Klassiker auch eine ansprechende Kombination aus Rhodes und FM E-Piano. Im Zarenbourg lassen sich übrigens zwei Klänge, unabhängig von der Klangerzeugung, miteinander kombinieren. Das Lautstärkeverhältnis der beiden wird direkt am Instrument über „Adjust“ eingestellt. Eine Verteilung im Panorama ist nicht vorgesehen und würde wohl auch dem Konzept des Zarenbourgs widersprechen.

Bevor wir nun zur Effektsektion des Zarenbourg kommen, sei unmissverständlich festgehalten, dass mit Ausnahme des Grand Pianos die Klänge des Zarenbourgs schon ohne Effekte zu überzeugen wissen und damit zu Musizieren ist eine einzige Freude.

Zarenbourg Soundauswahl Effekte

Waldorf Zarenbourg – Klang- und Effektauswahl.

Effekte

Der Zarenbourg bietet die folgenden Effekte:

Die Effekte selbst sind selbsterklärend und lassen sich zumeist in „Depth“ und „Tempo“ den eigenen Vorstellungen anpassen. Das Besondere an der Effektsektion ist aber, dass alle Effekte gleichzeitig genutzt werden können. Die Qualität ist stellenweise sehr gut. So wissen vor allem Chorus und Reverb zu überzeugen. Zuletzt darf der Equalizer nicht unerwähnt bleiben, lassen sich die verschiedenen Klänge doch gut mit ihm formen.

Die folgenden vier Frequenzbänder stehen im Zarenbourg zur Verfügung:

Die Nullstellung des jeweiligen Frequenzbandes erkannt man übrigens daran, dass die Effektleuchte schwächer leuchtet. Hier wird aus einem Minimum an Eingriffsmöglichkeiten ein Maximum an sinnvoller Bedienung zur Verfügung gestellt. Die Devise lautet „Reduktion auf das Wesentliche“ und das ist Waldorf mit dem Zarenbourg sehr gut gelungen.

Zarenbourg Logo

Waldorf Zarenbourg – gediegene Verarbeitung.

Resümee

Sie haben es bestimmt schon gemerkt, der Zarenbourg hat mich in seinen Bann gezogen. Aber lassen Sie uns erst mit den Kritikpunkten beginnen.

Da ist einmal der Flügelsound, der nach meinem Dafürhalten mit der sehr guten Qualität der anderen im Zarenbourg zur Verfügung stehenden Klänge, derzeit nicht mithalten kann. Zumal das CP-80, das ebenfalls gestreamt wird, im Vergleich dazu in einer Qualität vorliegt, die mein Yamaha CP1 neidvoll erblassen lässt. Und nicht nur das!

Bei dem mir zur Verfügung stehenden Zarenbourg gibt es ein Problem mit eintreffenden MIDI Daten. Polyphon eingespielte Sequenzen werden nicht korrekt wiedergegeben. Das  Problem tritt in dieser Form wie es scheint nur bei meinem Exemplar auf, soll aber deshalb trotzdem keinesfalls unerwähnt bleiben. Von Waldorf bestätigt ist der Bug des gespiegelten Panoramas im Kopfhörerausgang, der mit der neuen Version des Betriebssystems behoben wird.

Die 21 vom User überschreibbaren Speicherplätze mögen in Zeiten von 6.000 Klängen in einem Rackinstrument als knapp bemessen erscheinen, allerdings verfolgt Waldorf mit  dem Zarenbourg ein anderes Konzept. Der Musiker soll auf eine überschaubare Menge an Klängen schnellen und direkten Zugriff haben. Das selbe Prinzip kommt im Fall der Parameter zur Anwendung. Die positive Konsequenz – man trifft eine Entscheidung und ist stets auf das Wesentliche konzentriert, das Spielen und die Musik.

Zarenbourg als Support

Waldorf Zarenbourg – Eine solide Unterlage für andere Instrumente.

Mit einem UVP von € 2.890.- [Quelle: klangfarbe.at] ist der Zarenbourg preislich unter dem Clavia Nord Stage 2 und dem Yamaha CP1 angesiedelt, die allerdings beide über 88 Tasten verfügen. Korgs SV1 liegt preislich deutlich unter dem Zarenbourg und wird vermutlich ebenso wie das Nord Stage, bedingt durch sein tragbares Gewicht und die geringeren Abmaße, von live spielenden Musikern der Vorzug gegeben werden. Die schönen Chrombeine wollen da im Vergleich dazu erst abgeschraubt und der Zarenbourg als ganzer sicher verpackt werden, um auf dem Transport und auf der Bühne keinen Schaden zu nehmen.

Der Zarenbourg wird daher wohl seinen Platz vorzugsweise im Studio, oder im Wohnzimmer finden. Ähnlich wie es früher bei Rhodes und Wurlitzer Pianos der Fall war. Puristen werden eventuell nach wie vor den Originalen den Vorzug geben wollen. Wenngleich die im Zarenbourg verfügbaren Instrumente von einer hervorragenden Qualität sind und den Vergleich definitiv nicht scheuen müssen. Auf der anderen Seite verlangt das Vorhandensein all der genannten Klassiker nach einer ziemlichen Raumgröße, vom notwendigen Kleingeld und der notwendigen Wartung des einen oder anderen Instruments ganz zu schweigen. Auch, wenn Liebhaber dieser Instrumente all das gerne in Kauf nehmen, kann es doch passieren, dass sie, wenn sie einmal vor dem Zarenbourg Platz nehmen ebenfalls in seinen Bann gezogen werden.

Zarenbourg Rueckseite

Waldorf Zarenbourg – Verbindung zur Außenwelt.

Wer von uns kennt ihn nicht, den Zyklus des Kaufens und Verkaufens von Musikinstrumenten. Sei es der pure Sammlertrieb und der damit verbundene Zwang Geld durch Verkäufe zu beschaffen, oder schlichtweg das Interesse an neuen Instrumenten, das zum Verkauf und anschließenden Neuerwerb eines moderneren und vermeintlich besseren Instruments führt. Nun, wenn sie den Verkauf ihres Rhodes, ihres Wurlitzers, ihres Clavinets oder CP-80s bereuen, im Zarenbourg sind die Klassiker in authentischer und sehr guter Qualität zu finden. Womit die Daseinsberechtigung der Originale aber keinesfalls in Frage gestellt werden soll.

Was zeichnet nun den Zarenbourg im Vergleich zu seinen Marktbegleitern aus? Es ist in erster Linie die Unmittelbarkeit dieses Instruments. Man schaltet ihn ein, drückt eine Taste und von der Fingerspitze bis in die letzten Gliedmaßen spürt man seinen Klang. Das integrierte EMES Lautsprechersystem kann in diesem Zusammenhang nicht oft genug als hervorragende Idee hervorgehoben und in seiner qualitativen Umsetzung lobend erwähnt werden.

Darüber hinaus ist es die schon angesprochene Reduktion auf das Wesentliche, die den Zarenbourg zu einem Instrument macht das man spielen will. Kein Display, keine Menüs, kein lästiges Warten, dafür ausschließlich Regler und Tasten mit direktem Zugriff auf eine überschaubare und gut gewählte Zahl an Parametern. Musik und das Spielen des Instruments stehen hier stets im Vordergrund. Kurzum, die Antwort auf die in der Überschrift gestellten Frage lautet für mich „JA!“, denn vor mir steht ein Musikinstrument im besten Sinne des Wortes – zutreffender lässt sich meine Begeisterung nicht in einem Satz zusammenfassen.

Waldorf Zarenbourg

Der Zarenbourg.

Produktseite des Herstellers: Waldorf-Music Zarenbourg Produktseite 

Waldorf Zarenbourg Downloads

Testbericht Erstveröffentlichung auf greatsynthesizers.com, 28. September 2012.
Testbericht, Fotos und Audiodemos © peter m. mahr

English version available, please contact me per e-mail.

Erstveröffentlichung 19. Oktober 2013

15 thoughts on “Waldorf Zarenbourg – Faszination durch Reduktion?

  • Pingback: Minimoog Voyager Vorbote einer Renaissance? – Teil 4 › Peter M. Mahr

  • microbug

    Schöner Bericht über ein sehr gutes Instrument, von dem Waldorf unbedingt eine Stageversion bringen sollte: ohne Lautsprecher, kürzer und anderes Gestell drunter, günstiger, leichter.
    Hab Stefan Stenzel auf der Messe darauf angesprochen und angeblich denken sie darüber sogar eh nach … schön wäre es 🙂
    Gruß Dietmar

    Reply
      petermmahr

      Hallo Dietmar,

      Danke! Vor allem auch dafür, dass ich eben feststellen musste, dass sich die Files nicht abspielen lassen. D.h. ich werde wohl nicht umhin kommen die in den nächsten Tagen auf die SoundCloud zu stellen und dann zu verlinken.

      Ja, der Zar ist ein wirklich sehr feines Instrument. Auf die Lautsprecher würde ich allerdings nur ungern verzichten, weil sie das Instrument zum Schwingen bringen und man den Klang so in den Fingerspitzen spürt. Das mag jetzt nicht essentiell sein, aber verleiht dem Instrument aus meiner Sicht etwas besonderes.

      Liebe Grüße aus Wien 😉
      Peter

      Reply
    Jörn

    Gefällt mir. Hört sich wirklich gut an. Konzeptionell erinnert mich der Zarenbourg an dein ehemaliges Rhodes. Das mochte ich sehr. Schade, dass es damit so viel Stress gab.

    Reply
      petermmahr

      Ich auch Jörn! Schade vor allem, dass es nicht gut verpackt war und der Spediteur das Ding behandelt hat…. da bleiben mir heute noch die Worte weg. Ich müsste direkt ein Foto online stellen. Da tröstete es auch nicht, dass thomann meinte hinkünftig das Rhodes Mk7 besser zu verpacken. Nach wie vor keine angenehme Erinnerung. Allerdings hatte das Instrument selbst auch ein paar Schwächen.

      Ganz anders der Zarenbourg. Solide verarbeitet, einige wirklich sehr, sehr gute Sounds und vom Design her sehr ansprechend. Netter Nebeneffekt, die Oberseite bietet sich dafür an andere Instrumente drauf zu stellen.

      Nochmals zu den Sounds und wie auch schon im Bericht geschrieben, also vor allem das Wurli und die Rhodes sind meines Erachtens sehr fein, was mich aber überrascht hat, war das Yamaha CP80. Leider kann Yamaha es in dieser Qualität nicht für deren CP1 nachreichen, denn dort gehört es in der Qualität rein. Und, obwohl digital, erzeugt der Zar durch die eingebauten Lautsprecher ein ganz besonderes Feeling.

      Klar, gibt es Gründe an den Originalen festzuhalten und ein Wurli in sehr gutem Zustand würde ich mir auch gerne herstellen. Aber das tut der Qualität des Zaren keinerlei Abbruch. Das Spielen bereitet einfach Freude. Und was will man mehr?

      Reply
    Markus

    Schöner, ausführlicher Test. Optisch ist das Zarenbourg ein echter Hingucker. Auch wenn es hauptsächlich die E-Piano Fraktion bedient, hätte ich es für’s Wohnzimmer lieber mit 88 Tasten und einem besseren Flügelklang. Die E-Piano Sounds klingen aber wirklich 1a. Das Orchester hat mich beim Durchhören der Klangbeispiele im übrigen genau so überrascht, wie es Dich überrascht haben muss 🙂

    Reply
      petermmahr

      Danke Markus!

      Ja, der Flügelklang hält mit der Qualität der anderen Sounds schlicht nicht mit. Das Wurli, die Rhodes und natürlich vor allem auch das E-Grand (CP80) sind dafür wirklich sehr, sehr gut gelungen. Letzteres ist aus irgendeinem Grund offenbar ein besonders schwerer Kandidat. Ich hatte da auch jemanden in Verdacht, der, der Lieferant der Sampleklänge sein könnte. Und dieser Verdacht dürfte begründet sein. Der Orchtesterklang war es, der mich in diese Richtung tippen liess. 😉

      Um aber nochmals auf das CP80 zu kommen, das hätte ich gerne in genau DIESER Qualität auch im CP1. Schade, dass Yamaha hier nicht wie Waldorf nachträglich Klänge hinzufügen, bzw. ersetzen kann. Übrigens noch ein Pluspunkt im Vergleich zum CP1. Nord® kann das natürlich auch und hat da auch sehr gute Sounds am Start.

      Und stimmt, als ich die Sounds durchgegangen bin habe ich nicht schlecht gestaunt. Da war zunächst ein Synthpad, bei dem meine Mundwinkel in Nullstellung waren. Naja, und dann kam der Orchestersound. Und der ist in einer erstaunlichen Qualität, vor allem für ein Hardwareinstrument, das sich eigentlich den Pianos und E-Pianos verschrieben hat. Allerdings muss man ihn genau analysieren, da er Splits und Velocity switches aufweist, die nirgendwo erwähnt sind. Dafür gibt es übrigens ein nachträgliches Minus mit einem ;-). Vielleicht kann Waldorf diese Information noch nachreichen.

      Ansonsten für mich ein klarer Fall von alle Daumen hoch! Dieses _Musikinstrument_ zu spielen bereitet unheimliche Freude. Es klingt noch besser als es aussieht. Was will man mehr? Achja, vielleicht 88 Tasten, oder eine „light“ Version für „on stage“. 🙂

      Reply
    Franjo

    Hi Peter,

    habe mal gehört, die Zaren seien nicht zuverlässig, Software und sogar Platinen anfällig, Support mau. Den Software-Editor wird es vermutlich nie geben, heißt es… Manche Händler haben deswegen das Teil aus dem Programm genommen, weil sie nur Reklamationen und Scherereien damit hatten. Kannst du dazu etwas sagen?

    Gab es mal Aussetzer, Abstürze, Merkwürdigkeiten? Musstest du einmal den Support in Anspruch nehmen?

    Grüße
    Franjo

    Reply
      petermmahr

      Hallo Franjo,

      Was mir zusätzlich zu den Dingen die ich im Erfahrungsbericht schon beschrieben habe aufgefallen ist, ist dass manches Mal beim Absichern eines Klanges Probleme auftreten. Und zwar dergestalt, dass wenn ich die Taste des Speicherplatzes „zu lange“ gedrückt halte, initialisiert der Zar den Klangspeicher. Sprich es kommt der Factory Sound des entsprechenden Speicherplatzes und der andere ist dann leider weg. Mag sein, dass das sogar seitens Waldorf so gewollt ist, in der Beschreibung habe ich dazu aber leider nichts gefunden. Die ist zwar stellenweise amüsant, könnte aber meines Erachtens etwas üppiger sein.

      Wenn ich mich recht entsinne, hat mir ein Kollege von einem Platinenwechsel bei seinem Zaren berichtet. Ansonsten sind in meinem Freundes- und Bekanntenkreis alle mit ihrem Zarenbourg zufrieden, denke sogar sehr zufrieden. Was den Support betrifft weiss ich von zwei konkreten Fällen in denen der Support 1a war! Juergen, vielleicht kannst Du dazu hier kurz etwas schreiben? Allerdings bin ich was den Software Editor betrifft mittlerweile auch maßlos enttäuscht.

      Beste Grüße,
      Peter

      Reply
    Jürgen

    Hallo Peter,
    das mache ich gerne. Mein Zarenbourg hat die Produktionsnummer 36. Am Anfang war ein Lautsprecher in der Fassung verschoben und eine Taste war nicht richtig justiert. Daraufhin hat sich ein Kollege von Waldorf in seinen Wagen gesetzt und bei mir vor Ort alles gerichtet. Und das kostenlos. Bei meinem Blofeld, den ich gebraucht erworben hatte, habe ich die SL Lizens im Onlineshop gekauft und anscheindend stimmte etwas mit der USB Schnittstelle nicht. Nach meiner Mail an den Support habei ich am Sonntag Abend schon eine Antwort bekommen und der Techniker hat per Remoteverbinung versucht, den Fehler zu beheben. Auch das fand ich sehr löblich.

    Reply
      petermmahr

      Hallo Jürgen,

      Danke. Denn bei – jetzt unabhängig von Waldorf – aller oftmals geäußerten und gerechtfertigten Kritik, muss Platz für positives Feedback sein. Auch, wenn es gerade in unseren Breiten oftmals nicht die selbe Beachtung findet. Von etwaigen Unterstellungen ganz zu schweigen….

      Peter

      Reply
    Christoph

    Schöner Testbericht. Ich habe meinen Zarenbourg (schwarze Version) seit 4 Monaten und liebe ihn. Was mich stört: Mittlerweile ist Ende Jänner 2015, aber der Editor ist noch immer nicht verfügbar. Waldorf vertröstet mich bei Anfragen stets, und zuletzt hieß es sogar: „Unser Software Engineer ist grade noch mit einem anderen Projekt zu Gange, der Editor wird danach fertiggestellt.“ Das ist sehr enttäuschend.

    Reply
      petermmahr

      Hallo,

      Ja, der Zarenbourg ist ein schönes Instrument, klanglich wie optisch. Letztes Jahr auf der FMM meinte Stefan, der angesprochene Software Engineer, bis Sommer hat er den Editor sicher fertig, worauf ich fragte „in welchem Jahr?“. Da sich das ganze Thema schon seit Jahren hinzieht, weiss ich was ich hinkünftig von Versprechen der Firma Waldorf zu halten habe. Das soll Deine Freude am Zarenbourg aber keinesfalls trüben, denn auch ohne Editor ist er ein sehr gutes Instrument.

      Peter

      Reply
    Daniel

    Hallo zusammen,
    ich habe mir soeben den lange ersehnten Software Editor runter geladen. Wenn ich das Programm richtig verstehe, besteht die Möglichkeit, eigene Samplebänke in den Zarenbourg zu laden. Welches Samplebank-Format sollte ich nutzen? Hat hier jemand Erfahrungen damit gemacht?

    Gruß,
    Daniel

    Reply
      Peter M Mahr

      Hallo Daniel,

      Was meint denn Waldorf dazu?

      Hast Du das File schon gesehen und die entsprechende Software Version im Zarenbourg?

      https://waldorfmusic.com/downloads/Zarenbourg%20Downloads/1%20Update%20Manual/Zarenbourg%20Hardware%20Update%20DE.pdf

      Beste Grüsse,
      Peter

      Reply

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